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Deutschland.
Grundsätze aufzustellen. Die ganze Revision nahm übrigens nur eine Zeit von wenigmehr als acht Tagen in Anspruch. Bis zum 29. April waren auch die noch übrigenDifferenzen in den Beschlüssen beider Häuser ausgeglichen, und außerdem war derEntwurf über das Verfahren beim Reichsgericht berathen. Auch die Gegner konn-ten nicht leugnen, daß dies Parlament rasch und unverdrossen der Lösung seinerAufgabe zuschritt.
Nur die leitende Politik des künftigen Bundcsstaats schien von diesem entschlos-senen Vorgehen nicht eben erbaut zu sein. Am Schlüsse der Debatte vom 13. Aprilhatte Radowitz »och einmal das Wort ergriffen, um kurz vor der Abstimmung vorder Annahme «» iiluo zu warnen. „Dieser Antrag, sowie er vorliegt, wird dasendliche Gelingen nicht erleichtern, sondern erschweren, ja, ich sage es mit tiefemSchmerze, vielleicht ernstlich gefährden können." Vergebens drang Camphausen,fast in herbem Tone, darauf, wenigstens „irgendeinen Grund" für dies düstereOrakel zu vernehmen. Die Staatsmänner hüllten sich in Schweigen. Aber siestimmten für die Minoritätsanträge, die im Nolkshausc durchstelln, während die vomKönige ernannten preußischen Mitglieder im Staakenhause den Hauptkern der anti-bundesstaatlichen Minorität bildeten. Zugleich hörte man lauter als vorher von derdrohenden Einmischung des Auslandes, namentlich Rußlands, reden. Trotz dertapfern Redensarten und des aus Schwert Schlagens auf der Rednerbühne wurdevertraulich doch mit einer gewissen Ängstlichkeit von der nächsten Zukunft gesprochcn-I,wessen eine offen und resolut feindliche Stellung gegen das Parlament nahm diepreußische Politik doch auch wieder nicht ein. Dieser wunderliche Doppelsinn prägtesich recht charakteristisch aus, als die Abstimmungen vom 13. und 17. April erfolgtwaren. Von der einen Seite ward das Gerücht eifrig herumgetragen, das preu-ßische Ministerium habe die s» liluo angenommene Verfassung förmlich adoptirt, vonder andern hieß es ebenso bestimmt, man sei in Berlin und Charloktcnburg äußerstverstimmt und es werde wol eine Auflösung des Parlaments erfolgen. Wem sollteman glauben? Ein in Berlin erscheinendes ministerielles Blatt häufte Schimpf undSpott auf die Majorität in Erfurt; eine in Erfurt unter den Auspicien Mantcuffel sherausgegebene Zeitung sprach sich dagegen wenige Tage später in ganz modcrirttw,versöhnlichem Tone über Das aus, was ip der Augustincrkirche beschlossen worden-Welches war nun der rechte Ausdruck der preußischen Politik; was wollte sie, droheoder nachgeben, mit dem Parlamente oder mit den Cabinctcn gehen? Es scheu''sie wußte es selber nicht!
Indessen verlautete, daß Östreich mit seinem Anhange einen kühnen Gege»-'^gegen das Parlament in Erfurt wagen werde: die Berufung des Plenums d^>Bundesversammlung. Daß die wiener Politik ihre Zeit besser zu nützen wußte "die berliner, ergab sich aus Manchem. Fruchtbarer als der todtgeborene Berl^sungsentwurf vom 27. Febr. war die Thätigkeit der östreichischen Diplomatie, ^
ras
unionsfreundlichc Ministerium Eberhard zu sprengen und, zur peinlichsten
Diese Worte des Kurfürsten an das emU"^^
kleinern Höfe bei ihrer dynastischen Eigenmacht zu fassen und zum Abfall zu dvgen. Schon im Februar 1859 war es solchen Einflüssen gelungen, in Kassel
schung aller patriotischen Männer, ein Ministerium Hasscnpflug zu bilden-will mich nicht mediatisiren lassen." Diese Worte des Kurfürsten an das c»t ^Ministerium ließen keinen Zweifel darüber, welche Bedeutung der Cabinct^ chx.hatte. Auch aus Darmstadt verlautete, daß man dort mit AbfallsgcdankenEiner entschlossener» preußischen Politik wäre es auch jetzt noch nicht allj" 'gewesen, dergleichen zu hindern. Aber die Neigung, ins alte Gleis zu lenke»-in Berlin immer mächtiger, mithin das Wirken für den Bundesstaat ein
cher. Man sah in Berlin, rvie es schien, mit Behagen, daß inMann den Ministersitz einnahm, der den Liberalen und Gothaern ein heil
Auge. Kurz vorher hatte Radowih in Frankfurt bei der Bundescomm>lüUmsturz der mecklenburgischen Verfassung gefördert, sodaß auch dort die rePartei das unionsfreundlichc und liberale Ministerium verdrängen könn