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Eilfter Band.
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545
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Die Literatur Frankreichs. 545

e) Die Dramatik.

In ähnlicher Weise eroberte die romantische Dramatik Schritt vor Schritt zuerstdie Boulevardtheater, endlich gar das Ilmätro kran^ais, das Hauptbollwerk der clas-sischen Bühnendichtung. Gelang es auch den Classikern, Victor Hugo's „ Oomveil"bei seiner ersten Aufführung (1828) verunglücken zu machen, so war dies doch nurkin winziger Triumph: bald darauf wurden Alerandre Dumas' „Henri III" (1829)Und Victor Hugo's „Uernani" (Februar 1830) mit dem entschiedensten Erfolg ge-Ieben. Diese Stücke, in stilistischer und dramatischer Behandlung vmi Laharpe'sUnd Jouy's Tragödien ganz abweichend, waren für Frankreich eine Neuerung undvon einer Wirkung, wie einst für Deutschland Goethe's „Götz von Bcrlichingen"Und dergleichen Ritterstücke, die hier das Ansehen der französischen Schulregeln ver-achteten. Die classische Tragödie verlor immer mehr die Anziehungskraft, wogegendas romantische Drama sich eines wachsenden Beifalls zu erfreuen hatte und seiner"ebcnbuhlerin einen großen Vorsprang abgewann. Daß dabei Übertreibungen undUngerechtigkeiten vorfielen, läßt sich denken. Auch das Gute ward verworfen, wenn^ dem Alten anhing, auch das Mittelmäßige beklatscht, wenn es jenem entgegentrat.Die bitterste Kritik traf die allerdings stets schwächen: Werke der Classiker, und mußtediese empfindlich kränken und zu leidenschaftlicher Gegenwehr reizen. Sie stritten in-dessen wacker pro m-is m loois, hatten aber nicht das Talent, ihre poetischen Arbei-ten sur alle Arten von Lesern und Zuschauern individual, lebhaft, nachdrücklich, un-terhaltend und interessant zu mache», und dabei das Unrecht, daß sie zu lange ge-lebt und eine Tradition, der man überdrüssig war, halten wollten. Sie sahen sich sovon der öffentlichen Meinung immer mehr verlassen und waren im Grunde vollstän-, T geschlagen, als der Ausbruch der Julirevolution ihnen einen willkommenen An-vß und Verwand gab, sich vom Kampfplätze zurückzuziehen. Fast gleichzeitig mit?arl X wurde auch der Classicismus besiegt und vertrieben, und noch 1830 erhielt"vankreich politisch wie ästhetisch eine neue, liberale Verfassung.

^ Die literarische Bewegung der Restaurationsperiode war für die Kunst undPoesie ch Frankreich, was die Revolution von 1798 für das gesellschaftliche LebenAussen: die Aufhebung der alten Classeneintheilung, das Wicdererwachen des freien^tlirwirkens gegen die fesselnde Convenienz, der Kampf des willkürlichen BeliebensMeinens gegen das Princip aller und jeder Tradition und Autorität. Der^"schliche Geist ist seinem Wesen nach streng logisch, und verfolgt immer bis anS"l>e den Gedanken, der ihn treibt und bewegt. Es war daher schlechterdings un-^°3lich, daß nach dem Sturme, der den Staat umriß und auf neuen Grundlagen^ seinen Trümmern wieder erstehen ließ, die Kunst blieb, was sie vor diesem Unge»j,"^r gewesen. Der Nationalgcdanke mußte sich nothwendigerweisc ergänzen, und diej,! Eratur den neue» Volksbedürfnisscn entsprechen: die literarische Revolution war^ Unausbleibliche Ergänzung, der unvermeidliche Zuschuß der politischen Revolution.

hatten beide immer fast ganz gleichen Gang und Verlauf. Einer herrschenden» ^Ulc gegenüber, die sich nur noch durch den Schimmer einer glorreichen Vergan-H.'heit die Wucht eines langen Bestandes hielt, trat die romantische Richtung,^ die constituirende Nationalversammlung, zuerst mit einer prächtigen Erklärungii^e Rechten des Menschengeistes auf. Anfangs wollte sie nichts weiter alsum Hausherde, steigerte aber sehr bald ihre Ansprüche, reizte die Lei-Duften und ließ aus den hundert Pforten des menschlichen Herzens alle gcfan-Pfühle heraus, die sie in freiem Fluge ihre Schwingen entfalten hieß. Ein^chulk, Augenblick voll schwärmerischer Glut und träumerischer Hoffnung! DieHerrschaft wurde umgestoßen und ihr Regelkram mit Füßen getreten. FortanSeit- k*'"e Hierarchie poetischer Gattungen, kein Zwang ästhetischer Gesetze mehr^alt-' sv"^ern Gleichheit für alle Genres und Freiheit in Geisteswerkcn unbedingtTlj."' Poesie legte mit den streng geregelten Formen und der stilistischeni h auch die Umständlichkeit, die gesuchte Gcflissenheit und das vornehme Wesen'^kgenwart. XI. 35