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Die Literatur Frankreichs.
poetischer Natur war. Übrigens erklärt sich diese Verbindung von Gefühlen, diesich nicht miteinander zu vertragen scheinen, aus seiner Geburt. Sein Vater hattedem Kaiser gedient, seine Mutter war Vendc'erin, und schon als Kind empfing erdaher die Eindrücke von so verschiedenen Ideen, die er später äußerte, sodaß dieseErscheinung begreiflich wird. Bis 1850 verfolgte Victor Hugo in seine» lyrische«Werken ein rein poetisches Streben. „l.'art pour l'art" war damals die Losung derneuen Schule, die damit den Grundsatz geltend machte, daß Kunst und Poesie nichtim Dienste der Moral oder sonstiger Belehrung stehen, sondern Selbstzweck sei«müssen. Er verwandte große Sorgfalt auf den Ausdruck, spähte nach neuen Bil>der» und Wortfügungen, gebrauchte neue Reimaccorde und Rhythmusarten, rüstzeigte sich in dieser Beziehung als Fortsetzet der vorclassischen Poesie des 16. Jahr'Hunderts; doch entging er auch nicht den Einflüssen des Augenblicks, die ihn bis'weilen in Einzelheiten und allzu weitläufige Beschreibungen verfallen ließen, und blicknicht frei von den Übertreibungen der Manier, indem er oft die Poesie in die bloß'Form, in die Pracht der Bilder, den Pomp der Diction, die Kunst des Versbau'sehte. Nach der Revolution von 1850 erweiterte sich sein Gedankenhorizont. D'/allgemeine Erschütterung hatte bei ihm einen Nachhall, der sich sofort in st''nen Poesien verspüren ließ. Er spricht noch mit Ehrerbietung von der gestürzte«Dynastie und besingt sogar später den Tod Karl's X., ist aber nicht wenig für„siegreiche Volk" eingenommen. Die Revolution war so plötzlich und mit so »«'widerstehlicher Gewalt hereingebrochen, daß etwas Wunderbares dabei mitgewirkt ihaben schien. Dichter sind mehr wie andere Leute für das Schauspiel ungewoh«licher Dinge und Vorgänge empfänglich und lassen sich stark davon berühren, DictsHugo hatte die Julitage mit erlebt, und die Eindrücke davon gingen in seine Gdichte über. Bei einer Leichenfeier im Pantheon wurde sogar eine von ihm ged>tete Ode gesungen. Von nun an hat in seinen Versen nicht mehr der König, st'!dern das Volk den Vorrang; er kümmert sich um das Elend der nothlcidenden M«''sen, um ihre Wünsche und Bedürfnisse, jammert über die bösen Zustände der W',und blickt in der Dämmerung nach dem Himmel, um zu sehen, wo das Licht ist,kommen und wie die Nacht unsers Schicksals sich in Morgenröthe und Tag «'sklären soll. Die gesellschaftlichen Verbesserung-plane erregen seine Aufmerksam'''und die Folge davon ist mehr Ernst und Inhalt in seiner Manier. Er läßtanmuthige Spielen nicht, sondern hat nach wie vor seine Freude an helle» - x.genden Tönen und Rcimaccordcn, und spannt blos neue Saiten auf seineIn seinen letzten Sammlungen: „l.68 oliants clu cräpusvulo", „Voix intörio»«^^finden wir bei einem Liebeslied ein tiefsinniges Grübelstück, bei einer Hymne a«Schönheit einen Aufruf an die Mildthätigkeit. Von royalistischen Ideen wi«Dichter, ohne eS zu ahnen, beinahe zu republikanischen Ansichten hingezogen- 7^r>Hugo war sich dieser Sinnesänderung sicher nicht bewußt, sondern ließ »"^he«lieh den Einfluß seiner Zeit und der ihn umgebenden Atmosphäre über sichKein demokratischer Schriftsteller hat daS Königthum so arg angegriffen als ss,^„dHugo in seinen Dramen. „l.v roi 8'.-,umso", „dlarie luäor", ,„,e«
beinahe nichts als heftige Schmähschriften. Im Vergleich zu seinen erste»ist der Inhalt völlig umgekehrt, die Form jedoch unverändert. Es ist now A„tl»'gebrochene Versmaß, dieselbe Fülle lyrischer Ergüsse, derselbe Überfluß de»'thesen, dieselbe Art und Weise, wie der Knecht dem Herrn, der Ha«^§AibcHofnarren, die liebe- und sorgenvolle Mutter dem schäm- und gramlost« ^;rkst>«'grellem Contrast gegenübergestellt wird. Daraus entstehen oft gewaltig ' DükerTheatereffecte, aber man merkt die Absicht und fühlt die Unnatur. Auch '^arakü'Hugo's historischem Roman „dlotro Dame ele kari3" findet sich birst v««ristische Eigenschaft seiner Dramen. Man wird von der scharfen Irich»»'der lebhaften Färbung und Bewegung des Werks sehr angezogen, verlpr ,i»rkein so volles Behagen, als wenn man einen Roman von Walter Scott bei , ^„z
davon herrührt, daß die Personen nicht ganz lebendig und die Austa» r »