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Eilfter Band.
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Die Literatur Frankreichs.

oder minder glücklich nachzuahmen, sollen sie sich nicht einbilden eigentliche Dichter zu sein.

Höchstens haben sie das Werk- und Arbeitszeug in ihrer Gewalt: wie viel Räder

die Maschine sodert, wie viel Zähne das Rad, wie viel Räder das Getriebe, wie

die Pfannen, in denen die Wellen gehen, zu gestalten seien, und die Einschnitte —das Alles können sie von außen absehen und den vielen schon bestehenden Exempla-ren ablernen. Aber ohne weitere Borkenntnisse, haben sie die Fülle der in ihrerZeit webenden Gedanken, die Quintessenz der allgemeinen Bildung nicht in sichaufgenommen, und besitzen auch nicht die strengere Disciplin, die sich mit Begei- ,sterung paart und in dem Kunstwerk das Band zwischen Form und dem innewoh-nenden Geist knüpft. Den vollen Beweis dafür liefern ihre Verse, die meist einbloßes Nachhallen oder Nachlallen ihres Lieblingsdichters sind. Hier kommt ihrMechanismus an den Tag, und zeigt sich offenbar, daß die Form aus den Muster-bildern gelernt und der abgezogene Geist hernach gelegentlich eingefüllt worden.

Nicht aber, daß wir deswegen dieses ehrsame poetische Gcwerk wider die Gebühr klein

machten: es soll Alles seine Satzung haben und sein Recht, und Alles, was tüchtigist in seiner Art, soviel es werth, geehrt werden. Die namhaftesten Repräsentan-ten der französischen Handwcrkerpoesie sind: Jean Ne'boul, ein Bäckermeister inNismcs, der sich an Lamartine's erste Richtung anschließt; Hegesippe Morcau, einpariser Buchdruckergesell, der 1838 im Spital gestorben und erst »ach seinem Todeberühmt geworden ist*), und Pierre Dupont, der „Knab vom Berge", der denin Frankreich längst vcrklungenen Ton des eigentlichen Volksliedes wieder angeschla-gen und sich damit so beliebt gemacht, daß seine ersten Gedichte noch jetzt in armenDachstuben wie in glänzenden Salons gesungen werden. Wir übergehen hier JacquesJasmin, den berühmten Haarkräusler in Agen, und die Hunderte von Dichtern, dienach ihm im südlichen Frankreich aufgetaucht sind, und auf ihren jährlichen Sänger-congressen sich einander in Meisterstücken überbieten: sie gehören zu einer andernSprache und Literatur. Auch reden wir nicht von den zahlreichen Gedichtsamm-lungen, die nach 1830 regelmäßig jedes Jahr erschienen sind. Ihre Verfasser aus-genommen, hat sich nie Jemand darum bekümmert. Unter dem Einflüsse der ro-mantischen Schule und ihrer Hauptdichter hatte die französische Sprache ihre Eigen-schaften für poetische Darstellungen so vollkommen entwickelt, daß nichts weniger alsaußerordentliches Talent dazu gehörte, um sich mit Gewandtheit darin zu bewegen-Je leichter es war Verse zu machen, desto größer wurde die Anzahl der Dichter,und da sich nur wenige über die Mittelmäßigkeit erhoben, so war die Folge, daß dasdurch große Muster gebildete und verwöhnte Publicum aus Widerwillen gegen denSingsang, womit man seine Ohren langweilte, gegen Poesie überhaupt gleichgültigwurde. Das Theater und die damit verbundene dramatische Literatur machte jedochinsofern eine entschiedene Ausnahme, als die Bühne ein Mittelpunkt deS allgemeine"Interesse« blieb, und nach 1830 eine völlige Umgestaltung erlitt.

Ii) Die Dramatik.

Die romantische Lyrik hatte in gewissem Betracht noch einige Verwandtschj^mit der classischen Lyrik. Die romantische Dramatik hingegen war in Fran^., > ^

wenigstens etwas ganz Neues und geradezu das Gegentheil von Dem, was ^ I ^

classische Dramatik bisher als feste Form und Norm gegolten hatte. Die " ^dramatische Dichtkunst der Franzosen bewegte sich in genau abgemessenen >^hr.und nach streng vorgeschriebenen Gesetzen. Die französische Tragödie des 1?'?

Hunderts strebte vor allem nach Jdcalisirung und Veredelung der Personen; l»e . >

bundene Rede hatte etwa« Feierliches, Würdevolles, Hochvornehmes, und stimm^^l !

wenigstens bei Racine nie bis zum gewöhnlichen ConversationSton herab. !

den waren ganze oder halbe Götter, die sich natürlich in der Göttcrsprachr ^

und -

-) Seine gesammelten Gedichte erschienen im Jahre 1833 unter dem Titel „wurden seitdem mehrmals neu aufgelegt.