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Eilfter Band.
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Die Literatur Frankreichs.

ehcn von zwei oder drei ruchbar gewordenen Namen, ist in den 18 Jahre» der Juli-monarchie kein noch jetzt angesehener Dichter hervorgetreten. Doch ist eine Ausnahmevorhanden: ein Dichter erhob sich gleich nach den „drei Tagen" und war dermaßen einAusfluß der Julirevolution, daß er mit ihr auf die Welt kam und beinahe zu gleicherZeit wieder abtrat. Ich meine Auguste Barbier. Als nach dem Siege die Dynastie u,Frankreich gewechselt wurde und mit der neuen Regierung ein neues goldenes Zeitalterbeginnen sollte, waren viele Werkzeuge umzutauschen und viele Stellen zu vergeben.Man drängte sich zu diesen Stellen mit Wuth, und war so gierig hinter derBeute her wie eine Meute von Jagdhunden, welchen die Äsung hingeworfen wird.Barbier, damals ein junger Mann, 20 oder 22 Jahre alt, ergrimmte bei dem An-blick eines so empörenden Schauspiels. Er ließ zuerst „b>a ourso" und hierauf an-dere Satyren erscheinen, die eine ganze Sammlung („lindes") bildeten. Der Ver-fasser wurde schnell berühmt. Seine Verse sind,- eine gewisse Holperigkeit und Un-behaueuheit abgerechnet, vortrefflich gebaut. Er gebraucht cynische Ausdrücke fürcynischeS Betragen. Die derbsten Worte, die kecksten Bilder schiebe» sich in seineVerse. Der Dichter scheut keinen Pinselstrich und verschmäht keine Farbe. DerLeser stößt sich anfangs an dieser sonderbaren Poesie, wird aber bei länger». Aus-harren und tieferm Eindringen von dem vollen Fluß der Begeisterung, der wie einwilder Bergstrom Alles mit sich zur Höhe und Tiefe reißt, ergriffen, und fühlt aml-Mde, daß eine andere Darstellungsweise für die abschreckende Schilderung einer soschnöden Schmach nicht ausgereicht hätte. In dem zweiten Werke Barbiers: „IIpinnlo", klärt und läutert sich der Stil des Verfassers. Er läßt die starken Züge,die gewagten Bilder weg, besingt Italien, und die ihn umgebende Harmonie geht inseine Verse über. Sogar der Inhalt gewinnt bei der formellen Verfeinerung. Dieweitere Durchbildung war in jeder Hinsicht erfreulich. Barbier hatte nun eine Form,die seiner Phantasie nicht von seiner urplötzlichen Begeisterung des Augenblicks auf-gedrungen, sondern von einer nachhaltigen Stimmung des Gemüths eigenthümlichangepaßt war. Es stand zu erwarten, daß er sie gebrauchen und zu Werken ver-wenden werde, die seinen Ruf fest begründen müßten. Die Erwartung ging abervicht in Erfüllung, als Barbier seinen ,, I-a^ars", unter welchem Name» er dasdo» Taxen gedrückte englische Volk versteht, herausgab. Hinsichtlich des Stils undInhalts reichte das neue Gedicht nicht an „II sti-mto". Der englische Nebel schiensein poetisches Talent, welches die italienische Sonne belebend angeregt hatte, trübeund schläfrig gestimmt zu haben. Seitdem hat sich der Dichter nicht wieder erholt,u»d seine Wehklage wie sein heiliger Zornciscr ist verstummt. Nach ihm erhob sichdein zweiter Archilochus, der die mehr und mehr verwildernde öffentliche Moral mitscharfer Satire gegeißelt hätte. Die Poeten, die einst mit aller Entrüstung überSittenlosigkeit der höher,, Gesellschaft unter Ludwig XIV., dem Regenten undLudwig XV., über den Hirschgartcn und die saubern Lustpartie» in Klein-Trianongeifert, schwiegen zu der rohen Sinnlichkeit einer „ach gleiche» Grundsätzen lebendenGeneration, welche die Maitressenwirthschaft im Großen und Kleinen nachahmte,^>e Lorettcn und Grisetten gegenseitig austauschte, und in allen Schichten der Ge-sellschaft jene Zügellosigkcit und Liederlichkeit verbreitete, die man früher den vornch-we» Ständen als ein schmähliches Vorrecht vorgehalten hatte, und die man jetzt inallen Volksclasscu als ein honettes Recht gelte» ließ.

Indessen brachte die Julirevolution doch eine eigene Art Poesie hervor, nämlich" Handwerkerpoesie. Frankreich hatte bald eine Schar von Meistersänger», d. h. vonLeuten aus dem Handwerkerstände, die sich mit Vcrsemachcn abgaben. Ich gebraucheabsichtlich diesen Ausdruck, denn ihre Poesie ist nichts als Formschneiderei. Man'achte zuerst viel Aufhebens von jenen Bestrebungen und prophezeite ein« Mengegroßer Dichter; doch Frankreich wartet »och auf den Messias, der es mit neuen poeti-che» Quelle» bereichern soll. Diese Handwerker sind fleißige Leute, die ihre na»Glichen Geistesanlagen durch Lcctüre ausgebildet haben und alle Achtung verdienen;" darum, weil sie es so weit gebracht, Verse zu verstehe» und das Gelesene mehr