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Eilfter Band.
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Die Literatur Frankreichs. 561

ist immer angesprochen und gespannt. Was die leitende Idee des Werks betrifft,s° ist sie eben nicht von Aristoteles hergenommen, der bekanntlich haben will,daß die Bühne die Leidenschaften reinigen soll. Anstatt dieser Aristotelischen Läute-rung und Verklärung erstrebt Dumas blos momentane Wirkung, heftige Rührung,^mittelbare Hineinreißung des Zuschauers. Er wendet sich nicht an die zarter«Gefühle und Empfindungen, sondern an die groben Gelüste und Aufwallungen der^ienge, die meist auf dem Theater nur eine Bestätigung ihrer gemeinen und jäm-merlichen Leidenschaften sucht. Um die kläglichen Folgen, die aus solchen Zurufen andie rohe Sinnlichkeit entstehen, kümmert er sich nicht, und die Wahrheit zu sagen, esrst anzunehmen, daß er nicht daran denkt. Wenn er unser Gefühl ergriffen und er-schüttert hat, so hat er seine Zwecke erreicht und will nichts weiter. Ungebunden inchsen Handlungen, sind die Dumas'schen Thcaterhelden auch ungebunden in ihrenSorten > d. h. sie reden Prosa. Vietor Hugo hatte in seinen Dramen die herkömm-iche Versification beibehalten, aber sich angelegentlich bemüht, in den steifen gereimten.^ierandriner mehr Biegsames, Gehäbiges hineinzubringen und aus diesem vornehmen,""wer viel auf Förmlichkeiten und alte Rechte haltenden Herrn einen zuthulichen,fusseligen Mann zu machen. In allen Dumas'schen Stücken ist hingegen der prosai-sche Vertrag Gesetz, weil die metrische Form mit einem naturgemäßen Dialog für""vereinbar gilt.

Die romantischen Dichter, die das Theater wieder heben sollten, brachten es""r herunter mit Stücken, die kein Sonnenfcuer der Kunst in sich hatten und alsoM?ch keine Wärme um sich verbreiten konnten. Die bald allgemein lautwerdcnde^age nkwr den Verfall der dramatischen Dichtkunst rührte weniger von der Theil-""hmlosigkeit bei dem Publicum, als vielmehr davon her, daß die meisten ihm gebo-ten Stücke keines längern Lebens werth waren als eines ephemeren Bühnenlebens,"o daß sie nach einem kurzen Herumflattern auf den Bretcrn die Vergessenheit,b/c - .s" fanden, auch wirklich verdienten. Es war daher natürlich, daß das un-Uvk ästhetische Interesse sich durch die Novitätensucht schadlos zu halten suchte,d daß, da die Empfindung keine Nahrung fand, die Sinne wenigstens unterhal-f"" wollten. Die daraus hervorgehende Schaulust verschaffte den auf Augen-weide und groben Sinnenkitzel berechneten Prunk- und Larinstücken ein großes über-Tsivicht über das wahre Drama, und dieses konnte sich umsoweniger von seiner^esunkenheit erholen, je weniger entschiedene und den Geschmack bestimmende Mei-^ .erwerbe zu erwarten waren von Dichtern, die unbesonncnerweise das wahre Ge-" der dramatischen Poesie aufgegeben und sich in den Bilder- und Decorations-z'"p- die rohe Handlung und Bewegung blindlings hineingestürzt hatten. Nach' ^vfgange von Victor Hugo und Alexandre Dumas, die mit ihren allerdings^ "ästigen, tief eindringenden, aber oft auch nur oberflächlich und äußerlich wir-^r b' Manien das bcklagenswerthe System der Fallthüren, der glänzenden Feste,dcngalischen Feuerwerke und der feenhaften Dekorationen auf dem französischenAnaler einführten, ließen sich die meiste» Bühnendichter nur angelegen sein, diek^n zu bezauberu und die Sinne zu betäuben. Jede höhere Richtung fehlte nichttz,..den Werken für vornehmere Bühnen, sondern auch in den Stücken für, y^"theater. Es waren in gröberer Form dieselben Ideen, dieselben Schauspiele^ "vch stärker angegebenen und übertriebenen Tendenzen. In den Theatern erstenh"lte man gewisse Sprachconvenienzen zu beobachten, worüber man auf dendtgy/^dbühnc» sich füglich hinwegsehen konnte. Auch ging hier der Verfall derYptz ^fchen Dichtkunst so weit, daß Criminalprocesse zu Bühnenstücken verarbeitetDarstellungen gegeben wurden, die weiter nichts waren als eine Reihenfolge^Wandlungen. Die Schauspieler sprachen und declamirten zwar dabei, aberlaw^ die Örtlichkeit deS Schauplatzes anzudeuten und dem Zuschauer soviel ZeitI fchr tzg,"' daß er sich recht satt sehen könne. Auf diesem abschüssigen Wege ging esDien/ ^litcr. Juhrmarktpossen und Kirchweihstücke theilte» sich mit dem Drama^S-nwart. XI. 36