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Die Literatur Frankreichs.
besieht, der Verschworene, der seine Absichten hinter der Larve des Blodsinns ver-steckt, der liederliche Römer, die sittsame Hausfrau und das schamlose Weib, sinddoch wenigstens der ohngefähren Wahrscheinlichkeit, die man allein bei antiken Ge-genständen verlangen kann, hinlänglich entsprechend. Ab und zu fühlt man sich indeni Stücke von einem milden, belebenden Hauch, von einem erquickenden Duft stil-ler Häuslichkeit angeweht. Die historischen oder politischen Auftritte verrathen dieKunst, die handelnden Personen in der Staats- und Gefchäftssprache reden zulassen, die Ponsard seinem Vorbilde Corneille abgelauscht und von den akademischenPeriphrasen gesäubert hatte.
Da ihm bei seinem ersten Auftreten die Nachahmung Corneille's geglückt war,so ließ sich Ponsard bei seiner zweiten Tragödie „Xgnss <>s slöranis" von einemzarter» und vielleicht mislichern Vorbilde verleiten. Er griff zu Racine und be-mühte sich hauptsächlich dadurch zu wirken, daß er die innern Kämpfe, die ewi-gen Widersprüche eines Herzens schilderte, welches, zwischen Liebe und Pflicht, zwi-schen süßen und eigennützigen Gefühlen und kalten Staatsrücksichten getheilt, voneinem Drangsal in das andere hineingezogen wird. Seine „^nos 60 Llsrame"sollte die liebeschmachtende, entzückende Poesie, die Racine in klaren Strömen überAndromaque, Esther, und besonders über Berenice ausgcgossen, wieder erklingenlassen, und erhob sich auch in der That zu einem ansehnlichen Nachhall der vonjenem Sänger angestimmten Töne. Nur vergaß Ponsard, daß er nicht die Zeitge-nossen der Mademoiselle de Lavalliere und der Frau von Se'vigne zu Richtern hatte.Dazu kam, daß das Prokrustesbett der classischen Tragödie, nämlich der hergebrachtefünfactige Zuschnitt, der sich nicht für alle Gegenstände schickt, einen Zwang auferlegte,worüber der Dichter den weisen Horazischen Spruch: „8ompsr aä evontum ksstins ,aus der Acht ließ, und eine Situation, die vorn dritten Act an immer dieselbebleibt, über alle Maßen ausdehnte. In seiner Tragödie tritt ein Moment ein, wo dasStück ganz stillzustehen scheint: Begebenheiten, Charaktere, Gefühle, Dialog, Allesdreht sich im Kreise herum, anstatt auf ein Ziel hinzusteuern. Der Verfasser wolltehinsichtlich der dramatischen „drei Einheiten" sich keine Shakspearc'schen Freihei""herausnehmen, sondern hielt sich genau an das Racine'sche Verfahren, welches ^in seiner ganze» Strenge und Einfachheit bei der neuen Tragödie angewandt, obschon tden Stoff dazu aus der Geschichte des französischen Mittelalters hergeholt hatte. D>f!altväterische Strenge und Einfachheit, die bei griechischen oder römischen Gegend"'den von undenklicher Zeit her in Frankreich üblich und gelitten war, konnte zwis^Personen in Büffelwämmsen und Kettenhemden nicht wohl zugelassen werdeneinem Publicum, das infolge einer literarischen Revolution zu seinem altenmatischen Geschmack einen neuen hinzubekommen hatte. Mit diesem Simulta"§„schmack machen die heutigen Franzosen im Theater abwechselnd geringere oderßere Ansprüche, je nachdem das vorgestellte Stück im Alterthum oder im Mittelspielt. Wenn der Vorhang vor einem Porticus mit vier anständig altenwo im Hintergründe die herkömmlichen Helme oder Fasces blinken, in die ^ ^gehl, und vorn auf die Bühne zwei Schauspieler hintreten und eine Geschiflst. be-sagen, die alle Zuschauer auswendig wissen, so verlangt man nichts weiter:kannter der Gegenstand, je merklicher die Verwickelung, je unfehlbarer undgesehener der Ausgang, desto schwächer und harmloser die Zumuthung. ^r-ter darf ohne nachtheilige Folgen bescheiden sein; die Zuschauer sind es nvwBeinahe sieht es sogar aus, als ob er sich unehrbietig gegen sie benäh>"f^.z uwer einen Augenbick ihre Neugicrde anregen wollte bei Sachen, wo sie in ->
wissend sein wollen und sich rühmen Alles zu wissen. Handelt es sich aber hieStück, das aus den Quellen der französischen Nationalgeschichte geschöpstsie lange nicht so gut kennen als die griechische und römische Geschichte, »n vv"anstatt des Pcplum und der Tunica von Wolle die Wämmser und Gcwai PottSammet und Seide, die Platten und Schossen von-Stahl und Eisen zlschein, so glauben sie nimmer, daß man mit drei oder vier Personen, w
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