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Eilfter Band.
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Die Literatur Frankreichs.

nimmt. Er ist beinahe ein Schriftsteller vom niedrigsten Range und hat doch auchdie Gewalt eines Schriftstellers der seltensten und tüchtigsten Art. Wenn auch keingroßes Genie, kein schöner Geist, so besitzt Eugene Sue doch eine mächtige Phan- ^

tasie, eine gewaltige Stimme, die nicht außerhalb der Menge und von hoch herab, I

sondern mitten aus der Menge heraus so laut und vernehmlich spricht, daß jedesWort verstanden und jede Klage angehört wird. Gebildeten Ohren gefällt freilichdiese Sprache nicht, aber sie weiß in allen Herzen sich Eingang zu verschaffen. Was !

Eugene Sue ganz allein, ohne alle Beihülfe geleistet, die Zahl seiner weitläufigenErzählungen ohne Ende, die eine ganze Generation von Opiumessern am Randedes Abgrundes, wo sie hineinstürzen sollte, in narkotischen Schlaf gelullt, ist un-berechenbar. Seit beinahe 25 Jahren schreibt Eugene Sue Novellen und Romane,und hat bei dieser herkulischen Arbeit die unglaublichsten Siege errungen. Dasgutmüthige französische Volk konnte sich nicht satt weinen über seine schöne HeldinMathilde, die ein Vampyr, der Graf Lugarto, mit seinen Nachstellungen verfolgt.Waren doch die „ Illz-stärvs lls Paris" ein Schmaus des Grauens und Entsetzens,wobei ganz Europa sich bis zum Sterben überfüllte, und der ,,1uil' srrant" einunauflösliches Simsonsräthsel, woran sämmtliche Philisterwelt sich die Zähne sostumpf kaute, daß sie Lust und Zeit verlor nach etwas Andern, zu beißen. Undman bedenke, daß diese schauerlichen Geschichten nicht weniger als vier Jahre dauer-ten, und daß in vier Jahren diese unerschöpfliche Erzählung von allen Geheimnissendes Schlamms und Auskehrichts keinen Augenblick abriß, sondern immer ohne Rastund Ruhe fortging, und zwar auf allgemeines Verlangen einer Unzahl von Leuten,die jeden Morgen mit zitternder Ungeduld das Kreuzband der Zeitung zerrissen undmit sehnsüchtigem Blick unten nach der ersten Seite hinflogen, ob die Fortsetzungdes unendlichen Feuilleton erschienen, dessen vorgehende Blättchen ihre Phantasiemit allerlei neue» Bekannte» bevölkert hatten, wogegen alle verehrte Personen destäglichen Umgangs ganz fade vorkamen, und worüber Essen und Spiel, Handelund Wandel, kurz Alles vergessen wurde. Weder die drohenden Aussichten derTagespolitik, noch die warnenden Stimmen der Rednerbühnc, »och die rasenden Klopf-fechtereien der Journalistik, ja nicht einmal gewisse plötzliche Mord- und Staatsge-schichten, die für das müßige Europa ein Wonncschauer sind, vermochten die schlaf-trunkene» Gemüther von der Neugier abzubringen, die in äußerster Spannung denAusgang der Geschichte vom Chourineur und Fleur-de-Marie abwartete. Das un-geheure Aufsehen der „Aysleros äv Paris" kam, wie man annehmen muß, viel vo»der Absonderlichkeit der Sitten her, die darin geschildert sind: Diebe, Mörder, öffent-liche Lustdirnen bildeten in allen Beziehungen einen Gegensatz gegen die gewöhn-lichen Romanhelden. Viele Leute, besonders Frauen, waren gar nicht böse, eintfür sie so fremde Welt etwas naher kennen zu lerne». Ohnehin erregt- das Last^beinahe immer eine Ncugier, welche sogar die besten Naturen hinreißt. Diese Stim-mung des Publicums hat ebenso sehr und vielleicht mehr als der Gehalt den erstachlichen Anklang jenes Romans hervorgebracht. Die Anlage will nichts heißen; ^einzelnen Theile sind schlecht verkettet und schwach zu einem Ganze» verwoben; tv^den Stil, d. h. die schwächste Seite des Verfassers, anlangt, so hat Eugene S"hier sowenig als in seinen andern Romane» eine seine Sprache und Form. Jurorresheit und schlechte Sahbildung geben einen trivialen, alltäglichen Vortrag. Ohne ^mächtige Erfindungsgabe, die er besitzt, und ohne das gewaltig spannende Jnteftn^das er in seine Compositwnen hineinzulegen weiß, hätte Eugene Sue sich nie e"'populären und gefeierten Namen gemacht, übrigens ist sein Ruf, der mit d -

„Llj-störos cle Paris" den höchste». Gipfel erreichte, seitdem, zufolge äußerer t>innerer Umstände, ins Abnehmen gekommen.

Der größte und bedeutendste von allen berühmten und beliebten Romanschriftstellerist unstreitig George Sand, die Marquise Aurore Dudevant. Bei ihr fühlt man simeiner wahrhaft literarischen Region. George Sand erschien fast gleichzeitig mit der 3»revolution. Es ist zu vermuthen, daß die damals herrschende Jdeengährung wesent >cy