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Eilfter Band.
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Die Literatur Frankreichs.

schildert sie. Sind seine Porträts garstig, um so schlimmer für die Originale, er hatblos copirt; er ärgert und erbost sich nicht über die menschlichen Gebrechen, sondernist eher geneigt sie auszulachen, als sie auszuschelten. Eugene Sue findet sich nichtso leicht mit Mensche» und Dingen ab. Er ist vor allem Misanthrop, Schwarz-seher und nicht gelaunt seinen Spott so wohlfeil herzugeben. In seinen ersten Ro-manen schildert er die Welt nach seiner Art, nämlich wie die Tugend gehöhnt undgeknechtet, Laster und Verbrechen aber als Herren geehrt und gefeiert sind: das ist beiihm ein durchgehendes Thema. In seinen spätern Werken hat sich der Grundgedankeverändert: er dringt auf Abschaffung der gesellschaftlichen Misbräuche. Die Welt isteben nicht schöner, aber die Tugend athmet freier, und das Laster wird bisweilen zu-schanden. Eugene Sue hat mit der Ironie angefangen, die er bis zum Übermaß ge-braucht. Nachdem er das ruchlose Leben des Piraten Kernock („Lsrnoole >s pirsts")geschildert, läßt er ihn ruhig in seinem Bette sterben, gesegnet und geachtet von allenseinen Mitbürgern und Kirchenvorsteher von seiner Gemeinde. In ,,^tsr-EuII" gehter noch weiter. Der Neger, der seinen Herrn unter den gräßlichsten Qualen lang-sam ermordet, ist ein Gegenstand allgemeiner Verehrung und erhält von der Franzö-sischen Akademie den Tugendprcis,, Zaffie in salamgrnlrs" ist die eingefleischteIronie: er gießt sein höhnisches Ätzwasser um sich herum über alles Gute, Schöneund Edle. Das ganze Buch ist eine Spottschrift, wo Tüchtigkeit und Aufopferungzu tvdcswürdigen Verbrechen, Unwissenheit und Tölpelei Hu preiswürdigen Vorzügengestempelt sind. Überall und inimcr wird die Gesellschaft als Anstiften» von Unheilbelangt und zu diesem Behuf mit den schwärzesten Farben geschildert. Man kannnicht wohl annehmen, es sei eine These, die der Verfasser vorsätzlich gewählt undböswillig aufgegriffen; die Beharrlichkeit, womit er diese Richtung verfolgt, sprichtdafür, daß er innig überzeugt ist und den Weltlauf so begreift. In dem zweitenAbschnitt seiner Laufbahn beschränkt sich Eugene Sue nicht mehr auf das Vorführenpessimistischer Bilder: er befaßt sich auch mit dem Umbauen der Gesellschaft. Die„Äl^stsrss pgris ", der „tuik srrsnt", „ Llg rlin I'ontant-trouvü " u. s. w. sindvon ihm in diesem Sinne geschrieben worden. Eugene Sue schildert hier das Elender me ern Volksclassen und verlangt eine humanere Einrichtung des Dienst- undÄrbeitswesens; er schlägt sogar einzuführende Verbesserungen vor. Seine Bestrebun-gen sind löblich. Es ist immer ehrenwerth, das unglückliche Loos so vieler Menschenverbessern zu wollen; nur fragt sich, ob er das geeignetste Mittel dazu ergreift.Romane sind schlechte Unterrichtsbücher. Sie verallgemeinern die Ideen, sagt man.Dies mag sein! Aber die Dissertationen, womit Eugene Sue den Gang seiner Er-zählung ins Schleppen bringt, sind in seinen Romanen eine langweilige Zugabe, dieSewiß em großer Theil seiner Leser überschlägt. Was die Meisten anzieht und fes-ist djx kunstvolle Art und Weise, wie die einzelnen Vorgänge zu einem Gali-on angeordnet und verknüpft sind. Eugene Sue ist ein Meister in der Erfindungbv» romanhaften Personen und Zuständen; er besitzt die rastlose Ausdauer und toll-kühne Verwegenheit Derer, die wirklich auf Entdeckung neuer Welten ausgehen. Istlein Stoff einmal gefunden, so dreht er ihn in seinem Kopfe so lange hin undber, bis er etwas wirksam Belebendes, etwas frappant Erquickendes, kurz etwaschehr als eine flüchtige Rührung herauszieht. Ist sein Stoff von der Art, daß erw die stumpfsten und trägsten Gemüther eindringt, so bearbeitet er ihn mit Liebe und!^bl ihn daher von allen Seiten besehen; er kleidet ihn aus und an, und schmücktmit erstaunlicher Virtuosität, indem er hier ein Verbrechen hinzusetzt und da eineTugend wegschneidet; er ist aber ebenso unbarmherzig wenn eine gräßliche That be-A^Sm, ^ wenn sie abgestraft werden soll. Eugene Sue ist ein schlechter Schrift-' eller in dem Sinne, in welchem dieses Wort als Stilkünstler genommen wird;agcgen ist er ein ausgezeichneter Schriftsteller insofern, gls er, ungeachtet der un-kZanten Schreibart, der farblosen Sprache, die mehr Ähnlichkeit hat mit dem ge-?chsigen Vortrage eines Augenzeugen als mit der gediegenen Darstellung eines Ge°^chtschreibers, doch Geist und Gemüth seiner Leser und Zuhörer entschieden ein-