Band 
Eilfter Band.
Seite
572
JPEG-Download
 

572

Die Literatur Frankreichs.

Ideen den Roman „blauprst", das ausgearbeitetste und bestangelegteste von allenihren Werken, entstehen. Der Antheil der beiden Einflüsse läßt sich leicht bemer-ken; aber diese beiden Einflüsse sind geschickt verschmolzen, und daraus entsteht eineanziehende Erzählung ohne Weitschweifigkeit, karg an Vorfällen und Episoden unddoch voll und reich. Wenn nicht hier und da etwas Hohles anklänge, so würdenwir diesen Roman allen andern der Verfasserin unbedenklich vorziehen; aber „^ndrs"ist bei gleichen Eigenschaften wahrer und deshalb sogar über „slsupral" zu stellen.Mit diesem Roman und einigen andern minder bedeutenden Werken, die wir bei-seite lassen, schließt die Glanzperiode George Sand's. Von nun an versenkt undverstrickt sich die Verfasserin immer tiefer in die Demokratie: ihre Bücher sind einNachhall und Abdruck von philosophischen und religiösen Lehren, die sich mit derForm des Romans sehr schlecht vertragen und ihm bedeutenden Abbruch thun-

,l-->

„ 8piridion ", „k.6 Compagnon <Iu tour cks Lrancc", „klorace", „Oonsuclo",Comtesse <le Iludolslaill", „scanne", ,,b.e meunier d'^ngikault" konnten, ungeach-tet vieler Partien, wo George Sand's Talent und Stil in ihrer vollen Pracht undHerrlichkeit hervortreten, doch nicht durchdringen und dauernden Anklang finden-Das Publicum sah nicht recht ein, was die Verfasserin wollte, die vielleicht selbstkeine sehr klare Vorstellung davon hatte. Nachher schien George Sand sich von die-sem lästigen Gepäck losmachen und wieder auf ihre erste Manier zurückkommen j"wollen. „l.a marc du cliaMc", „l.a petitc kuckcltc", ,, b'ran^ois lo llkiampi" si>^köstliche kleine Erzählungen, frei von überspannten Emancipationsideen und socialisti-schen Tendenzen, und in Anlage und Durchführung mit das Schönste und Vollen-detste, was George Sand geschrieben. Sie wandte steh aber später vom Noma"ausschließlich zum Theater, wo sie eben nicht immer lauten und langen Beifall ern-tet. George Sand ist eine große Schriftstellerin, unstreitig der künstlerischste und ge-nialste von allen französischen Autoren, die Romane schreiben. Ihr Stil ist krafl'voll und klar; aus dem besten Einschlage und Gewebe ihrer makellosen Phrase ste-chen nie übertriebene oder prätentiöse Bilder wie grelle Flecken hervor. Das E>"'zige, was man an ihr aussehen kann, ist ab und zu etwas von Dcclamation; sei"'in solchen Fällen ist aber der Gedanke schwülstiger als der Ausdruck. .

Alexandre Dumas erfreut sich einer ausgebreiteter» Popularität. Freilicher mehr Anhänger bei den Masse» als unter Leuten von feinerm Geschmack, ^von der Haltung und Stellung, die er angenommen hat, herrührt. Balzac st^nach Genauigkeit der Beobachtung und bemüht sich treu wiederzugeben, was er ^sehen und ausgeforscht hat. Eugene Sue bekämpft mit mehr Eifer als Erfolgbösen Schaden des gesellschaftlichen Lebens und dringt auf ihre Abstellung;

Sand schreibt gegen die ehelichen Misstände und für die Frauen- und VolkssaA,,Alle haben eine entschiedene Richtung und wollen etwas beweisen. Alexandremas will blos unterhalten, und damit ist es ihm vollkommen geglückt. Alles,er schreibt, wird begierig verlangt. Zu einer gewissen Zeit, wo die Feuilletons^,tur in der höchsten Blüte stand, rissen sich die Journale um ihn wie um einbares Kleinod, das in öffentlichem Aufstrich an den Meistbietenden verhandeltund die beiden reichsten pariser Tagesblätter, da sie seiner nicht ausschließlichwerden konnten, theilten sich zuletzt in ihn und begnügten sich jedes mit einer "^nzMan muß gestehen, Alexandre Dumas ist für die Rolle, die er gewählt ha^^d,und gar geeignet. Seine Einbildungskraft ist nie müde, und immer bei d^^^deso oft sie auch in Anspruch genommen wird. Die von ihm herausgcgebenen^^ex

bilden eine Bibliothek, und doch sind seine letzten Schriften von ebenso

Gr-

und lustiger Laune als seine ersten. Der Humor ist nicht immer vonaxben§'halt, der Spaß oft von schlechtem Geschmack, hat aber stets eine gewisse .^erkraft, die ihm durchhilst. Alexandre Dumas hat den Abenteuerroman j§ht

Gestalt wieder aufgebracht. „6>l Mas" ist ein Roman dieser Art; aber Y' Hol-sich eine leitende Idee durch das Ganze, wogegen bei Dumas keim AbeN'

gerung, keine Richtung aus den Situationen hervorgeht. Seine Helden ;