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Die Literatilr Frankreichs. 573
teurer von Profession; sie gehen lediglich um der Abenteuer willen auf Abenteueraus. Duelle, Herausfoderungen, Nachtfahrten, Lustparticn, tolle Streiche, kritischeMomente, kurz Alles, woraus derartige Werke zusammengesetzt sind, drängt undmengt sich in seiner Feder mit anziehender Lebendigkeit und hinreißendem Ungestüm;ist das Buch ausgelcscn, so darf man sich freilich nicht fragen, was bei einer solchenLectüre für Nutzen herausgekommen: man hat die Zeit todtgeschlagen. Das Musterdes Genre sind die ,, Ilrois mousguslairos". Nie hapert das Interesse, die aben-teuerlichsten Dinge folgen rasch aufeinander, Geist ist im Überfluß vorhanden; dennAlexandre Dumas ist ein Mann vpn vielem und tüchtigem Geist, wenn er auchnicht immer Proben davon liefert. Er hat mehr als Jrgendjemand dazu beigetra-3en, daß der Roman alle Charakterzüge des Dramas angenommen. An die thea-tralische Form gewöhnt, ließ er die Erzählung allmälig in den Dialog aufgehen;die Vorgänge bekamen dramatischen Anstrich; die Situationen häuften sich;'kurz,die Aufführung abgerechnet, wurde der Roman ein wahres Drama. Dabei ist dasgrobsinnliche Wesen von der Bühne in die literarischen Kompositionen des Verfassersübergegangen, und die Dumas'schen Helden betragen sich in den Büchern ebensotvie auf den Bretern: sie streben rücksichtlos nach Allem, was ihnen gelüstet. Alex-andre Dumas ist ein Beispiel und Schauspiel von kläglichem Gebrauch und Mis-drauch beneidenswerthcr Schriftstellergaben. Er besaß von Natur in hohem GradeSpontaneität und Erfindungskraft, wußte sie aber nicht zu mäßigen und so ihrestärke zu verdoppeln. Geplagt und verlockt von habgierigen Verlegern, die auS sei-"-M Namen und Beifall Geld herausschlagen wollten, ließ er sich allmälig vornKrämergeist hinreißen und gründete am Ende eine Literaturfabrik. Bei aller Leich-tigkeit und Geläufigkeit des Jmprovisirens, die ihm eigen ist, konnte er doch nichtalle Aufträge bestreiten. Da die Literatur für ihn eine Geldsache geworden, so wurde-r Gewerbsmann und trieb sein „Geschäft" eben aus keinen andern Gründen und^uf keine andere Weise, als ein Mützen- und Strumpffabrikant das seinige betreibt.
r hielt eine Schar von Gesellen, die um kargen Lohn, tag- oder stückweise, in sei-nem Dienste arbeiteten und deren durchgesehene oder leicht überarbeitete Fabrikate„"""n gingen; zuweilen machte er auch ganz allein ein Stück Arbeit.^r»e oimg hatte der Fabrikherr und Meister den größten Gewinnst. Alexandre Du-mas erschrick sich in manchen Jahren ein Einkommen von 100000 Francs: dennes gab Augenblicke, wo fünf Journale jeden Morgen Feuilletons, die von ihm unter-ieichnet waren, erscheinen ließen.
Freddie Soulie ist wie Alexandre Dumas ein Romanschreibcr unbändiger, gr-ausamer Leidenschaften. Seine Bücher können sich mit der „Oarotto ckvs tridu-in Concurrenz einlassen. Nothzuchlsvorfälle, Mordthaten, Vergiftungen fül-darin einen ansehnlichen Platz. Man athmet dabei einen Blut- und Leichen-tuch. Der Verfasser begann seine schriftstellerische Laufbahn mit „Us8 stsux oa-avxgz// und blieb bis an seinen Tod (1847) bei den Ideen, die ihn zu diesem Werke"geregt hatten. Nach dem Inhalt seiner Schriften sollte man glauben, daß Fre-Uc Soulie das gesellschaftliche Leben nur durch Criminalprocesse hindurchgesehen.
rügten bei Alexandre Dumas die rohe Sinnlichkeit seiner Personen; Fredericaulie ist in diesem Stücke noch weiter gegangen Um an das Ziel ihrer Wünschevh ^M'gen, haben seine Helden nur Ein Mittel: Gewalt. Je nach ihren KräftenLem ^üänden gebrauchen sie Dolch oder Gift. Männer, Frauen, alte und jungeH - haben gleiche Triebe und gleiche Manieren. Das Gemüth hat keinen ruhigendem "w -s von dem Jammer und Dränge der Verbrechen, die es in keuchen-
Pere halten, sich erholen kann. Erst wenn das Werk zu Ende und die letztebog " gemordet ist, hat man Ruhe. Bei alledem war Frede'ric Soulie ein Mannder gewaltigem Talent, und nach Alexandre Dumas der Romanschriftsteller,
die ^!e" am stärksten anzupacken wußte. Freilich ist die einzige Empfindung,gier- i? spannen versteht, nur eine von Schrecken versteinerte und sprachlose Neu-' "der hat man einmal eines seiner Bücher zu lesen angefangen, so kann man,