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Die Literatur Frankreichs. !
trotz Blut und Graue», uicht eher einhalten, als bis man zu Ende ist. Es ist un- ^gefähr die Art von Theilnahme, die uns ergreift, wenn wir einen Verbrecher hin-richten sehen: das Herz pocbt vor Angst, das Gemüth schaudert vor Entsetzen unddas Auge stiert gedankenlos nach der Köpfmaschine.
Wir haben versucht mit einigen Strichen die fünf Romandichter zu charakteri- 'streu, welche anhaltend die Gunst des französischen Lcsepublicums besitzen; von denRomanen Victor Hugo's, Ste.-Beuve's, Alfred de Musset's und Alfred de Vig'ny's ist schon die Rede gewesen, und wir brauchen nicht darauf zurückzukommen,obwol wir sie für bedeutender halten als die meisten von denen, die eben besprochenworden sind. Doch wäre es ungerecht, hier zwei Schriftsteller zu vergessen, die inder neuern Lieblingsgattung der schönen Literatur Erhebliches geleistet haben: ichmeine Charles de Bcrnard und Prosper Merimee. Ersterer, ein Schüler und Nc- !benbuhler von Balzac, ist flacher, aber wahrer als sein Vorbild. Bei dem Meistergeht die Beobachtung allzu oft bis ins Übertriebene und g-!eicht den Vergrößerungs-gläsern von hohen Nummern, die uns zuerst Vieles, was wir sonst nie bemerkthätten, deutlich vor Augen bringen, zuletzt aber den Blick dergestalt trüben, daß ernicht einmal mehr unterscheidet, was wir mit bloßen Augen sehen würden. Beiden'Schüler hingegen geht die Beobachtung meist nicht weiter als bis zu dem Punkte,wo sie eben das Licht auf den wesentlichen Zug der Gestalt hingerichtet und dasUntergeordnete in Schatten läßt. Charles dc Bernard's Hauptwerk ist „ Ssi-kaut"'Von seinen andern Romanen und Novellen sind nilos dlenro", „U'Irowmbkerioux", ,, lla psau «in iioii ", „lla enxinmitrniio", ,, llu olmsso nux minnUs", „begontilliomms ogmjnigiiin-cl" am geeignetsten, den besten Begriff von der Manierdes Verfassers zu geben. Wir haben hier die anziehende Pcrsonisicirung eines Genreund Moments, den genauen und wahren Ausdruck von Dem, was ein geist'reicher Mann in den Jahren scheinbarer äußerer Ruhe und sinnlicher innerer Gäh'rung, die der Februarkatastrophe vorhergingen, beobachten, empfinden, bedauern »>'"schildern konnte. Wenn man ihn auch nicht zu den Meistern und seine Werstnicht zu den Meisterstücken zählen kann, so liest man doch seine Schriften, diedie Jahre 1858 — 47 fallen (der Autor starb am 6. März 1850, sechs Mon^vor dem Tode Balzac's), als sinnreiche Commcntare des gesellschaftlichen LebensneS flüchtigen Augenblicks, als wcrthvolle Materialien zu dem künftigen Sitteng^mälde einer Zeit, die ohne Glauben und Angst ins Gclag hineiuschwelgte und »sinnungslos ins Verderben hineinrannte.
Prosper Mörime'e ist ebenfalls ein tüchtiger Künstler, der allerliebste Novelle» sschrieben. „Lolomim" und „U-mnren" sind nicht blos köstliche Erzählungen, so»^Muster von Ebenmaß, angemessenem Stil und strenger Haltung., Merimee istriker, Archäolog und Poet. Seine Art und Weise, die Geschichte zu behandeln, ^ gfreilich etwas Wunderliches, und in der Vorrede zu seiner „Llrronigus du ^do lllmrlos lX", die halb Geschichte, halb Roman, sagt er uns ganz unverhohlen^,liebe von der Geschichte nur die Anekdoten und gebe gern den Thucydides u>strodot für authentische Memoiren der Aspasia oder auch nur einer SklavinPerikles. Seine archäologische Gelehrsamkeit erscheint verdächtig: er schwär»' ^allen Kunstgebieten herum und spricht über streitige Punkte mehr in die Kre"d ^Quere als in die Höhe und Tiefe. Aber sein Talent zu erzählen ist vo>» ^xlleKern und Klang. Seine Erzählungen, obgleich ganz erfunden, .haben dockUnterlage und sind an sich wahr und schön, Kunstwerke im eigentlichstenSinne des Worts. Bei den gewöhnlichen Kunden der Leihbibliotheken ist ^ diewenig bekannt; die nüchterne, etwas frostige und sogar hochmüthige Vollend» 9'^-ein eigenthümlicher Zug seines Talents ist, hat für die meisten Leser nichts An-nendcs und Ergreifendes. Selbst Leser von feinerm Geschmack und hsh^^^jb-sprüchen können sich nicht so ganz mit Merimee befreunden. In ^ gn
und Denkungsart ist ein gewisses Misverhältniß, das zwar die ästhetischeder schönen Formvollendung nicht stört, aber zwischen dem Leser und