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Eilfter Band.
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Die Literatur Frankreichs.

rohe, halb verfeinerte Charakter der Eroberer Galliens ist stark hervorgehoben, undihre Handlungen erscheinen nicht mehr im Widerspruch mit dem Grade von Bil-dung, den die Geschichtschreiber ihnen beilegten. Bei einiger geistigen Kraft und beieiner verruchten Moral, die kein Mittel verschmäht, wurde es einem Manne wieChlodwig nicht schwer, ein glücklicher Eroberer zu sein und der Frankenmacht einentschiedenes Übergewicht zu geben. Was seine Leute betrifft, so waren es gewalt-thatige, leidenschaftliche Menschen, die ihr Schwert für die höchste Instanz nnd Al-les, was glückte, für recht ansahen, echte Abkömmlinge der alten Deutschen des Ta-citus, die bei ihrem Eintritt in die Geschichte nicht mehr ganz im Zustande roherBarbarei sich befanden, sondern schon auf einer solchen Stufe politischer Culturstanden, daß sie einem von ihnen selbst gewählten Kriegsansührer ihren Willen un-terwarfen, oft aber auch aufdrangen. Die Streitigkeiten der Söhne Chlodwig's sindsehr anschaulich geschildert, und bei der Darstellung des Geschichtschreibers gewinntdieser Zeitabschnitt, der bisher sich so finster und verworren angelassen, eine Klarheitund Lebendigkeit, die man nicht für möglich gehalten; so wahr ist es, daß in derGeschichte der Stoff nur soviel taugt als der Mann, der ihn behandelt.

Thiers lieferte als Fortsetzung zu seiner Geschichte der Revolution die „llistoire6u 6on5uls>, ot clo l'Lmpire", die aber ihrer Beendigung noch entgegensieht. Ob-schon diese beiden Werke zu verschiedenen Zeiten geschrieben sind und das einezwanzig Jahre später fällt als das andere, so bemerkt man doch keinen Unter-schied in der Behandlungsweise des Verfassers; sein Geist, der im Lauf der Jahreund im Gange der Geschäfte reifer und praktischer geworden, verräth nur wenigerbrausende Hitze und sieht Dinge und Menschen kaltblütiger und schärfer an. Thiershat eine neue Art von Geschichte aufgebracht, die man Zcitungs- oder Amtsgeschich"nennen könnte. Seine Darstellungen sind wirklich in einem leichten, gefälligen, so'gar fließenden Stil geschrieben, der aber mehr von dem Stile eines Amis- oder ZeutungSberichlS als von dem eigentlichen Geschichtsstil an sich hat: der klare Verstanddes Verfassers macht sich dabei bemerklich, wie auch sein bewundernswürdiges TalentThatsachen übersichtlich zusammenzufassen, Daten und Zahlen zu Argumenten i"verarbeiten. So behandelt man Geschäfte; ob die Gcschichtsbehandlung sich mit die-ser Art und Weise verträgt, ist nicht so ausgemacht. Die finanziellen Details, dieer beibringt, haben viel Ähnlichkeit mit den Budgetbcständen, welche constitutionel"Minister jedes Jahr den Kammern vorlegen; seine Nachrichten über Friedensverhand'lungen lauten wie Gesandtschaftsdepeschcn, und seine Beschreibungen von Schlacht"'''obschon klar, lebendig, fach- und sachverständig, sind eigentlich Schlachtberichte, ""Generale sie für die Regierung abfassen. Nichtsdestoweniger finden seine Schrift"'großen Anklang und verdienen ihn: sie sind so gehaltreich,- so voll von Thatsach"!''daß man sie mit Vergnügen liest und viel daraus lernt. Die Epoche, die er sä>^dert, liegt ohnehin der Gegenwart noch so nahe und weckt bei den Einen sotigen Enthusiasmus, bei den Andern so grimmigen Ärger, daß ihre Beschreib"'aus der Feder eines berühmten Ministers der Julimonarchie nicht wol eine ^ ,und gleichgültige Aufnahme zuläßt. Außerdem eignet sich diese mit so erstan"l' 7 <^Erfolge auf Thatsächlichkeit ausgehende und Jedem verständliche Art von Gesch'A,,vollkommen für die jetzigen Menschen, die, vielmehr mit industriellen Unternch""" Wals mit literarischen Fragen beschäftigt, auf die ästhetischen Mangel des Buch"^nicht einlassen können, und die Blässe des Stils für Einfachheit, das Mag"^Vertrags für Deutlichkeit halten. „ -^ste

In stilistischer wie auch in sonstiger Hinsicht ist Jules Michelet der laschtGegensatz von Thiers. So sehr der Eine Bild und Farbe meidet, so seh" ^so"'der Andere nach diesen Hülfsmitteln. Für Michelet hat jede Thatsache ei"dercs Colorit, die todten Dinge gewinnen Leben, und sogar den Steine"thedralen leiht er Sprache und Gefühl. DaS Lesen einiger Seiten von 1 ^Schriften seht besser in den Stand seinen Stil zu beurtheilen als Alles, „,,ddarüber sagen ließe. Michelet besitzt unstreitig sehr wesentliche Eigensch"!