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Die Literatur Frankreichs.
k>o er einen so hellen, lichterlohcn Schein über ganz Europa verbreitete, sich in sei-nem schriftsprachliche» Ausdrucke verdunkelte, und daß der Genius der angehendenRepublik den Stil des verfallenden römischen Kaiserreichs zum Dolmetscher hatte.Vorläufig, bis das prophezeite und erwartete Pcrikleische Zeitalter in Frankreich an-brach, ging die Literatur in Tagespolcmik auf und über Gelegenheitsschriften nichthinaus. Der in diesen Eelegcnheitsschriften durchgängig herrschende Stil war ein Gele-3e»heitsfranzösisch, wovon sich Manches fortgeerbt hat, eine ultrarepublikaniscke undanarchische Sprache, welche die Regel» der Grammatik und Logik wie die abgeschafftendeptembergesetze behandelte, kurz ein Idiom, worin Zncorrecthcit, Unwissenheit undAlbernheit sich die frischerrungene Schrift - und Redefreiheit dreist zunutze machten.
VI.
Die gleichzeitige Literatur.
Nach den stürmischsten Augenblicken der Zügellosigkeit, als mit der Wiedcrein-lchränkung der Preßfreihcit die tollsten Richtungen sich einigermaßen verloren nnd diewildesten Wogen sich etwas senkten, nahm natürlich dir Literatur wieder eine regel-mäßigere Strömung, durchbrach indessen noch vielfach die schwachen Wehren, die man'hr entgegenstellte, und behielt diesen überströmenden, revolutionären Charakter, bisfst» der Decembcrcrcignissc (1851) sie stärker als je eindämmte und ihr das
^ u verzeichnete, worin sie seitdem so ruhig fortfließt, daß sie beinahe
mUzustehcn scheint. Es wurden jetzt wenig Bücher geschrieben, besonders wenig, dievon der ^(rt sind, daß sie der Gegenwart ein eigenthümliches Gepräge in der Reiheder literarischen Jahrhunderte aufdrücken. Meist zog man alte Bücher wieder hervorund stutzte sie höchstens für den Tagesgeschmack zu; allein originelle Werke vonschöpferischem Genie, solche, die wirklich Lebe» und Dauer zu hoffen haben, bliebenleltcn, J„ späterer Zeit wird man diese einzelnen Erscheinungen als verlorene Curio-mate» aus dem großen Haufen formloser und incorrecter Erzeugnisse hervorscharren,^ Das ausmachen, was man stattlich die gleichzeitige Literatur nennt.
Genau genommen und offen gestanden, gibt es in Frankreich keine gleichzeitigesMffutur. Es gibt allerdings gebildete Geister, tüchtige Schriftsteller, Poeten, Ge-?h'chtschreiber, Romandichtcr, eine glänzende und blühende Schar; aber keine Gc-.ünkcureihc, die sie an ein gemeinsames Werk knüpft und ihr Schönstes und BestesM einem einzigen Kranze zusammenflicht, kein Streben, das darauf ausgeht, die mo-rsche oder intellectuelle Welt durch den mächtigen Einfluß der Literatur in frischenregelrechten Gang zu bringen; kurz nichts, was der energischen Thätigkeit des. ' Jahrhunderts, dem zerwühlenden Wetteifer des 18. Jahrhunderts oder auch nurd/ Lebendigen Bewegung der Restaurationspcriode und der brausenden Aufregungli, Juliepoche gleichsieht. Es besteht gegenwärtig keine Literatur in vollem Sinne
s- Maße, weil die Gemüther kein gemeinsames Ideal haben, wovon sie erfüllt
^ d — ei» Unistand, der nicht blos gegen die Schriftstellerwclt, sondern besonders
dje Gesellschaft spricht. Die Schriftsteller folgen mehr als man denkt dem'hrer Zeit und Umgebung; durch sie äußert jedes Jahrhundert, was es Wah-bep,^"' Falsches in sich hat; sie sind die Dolmetscher des herrschende» und zeit-e^6ende» Gedankens, sodaß, wenn sie Herrliches hervorbringen, in ihrer ZeitHFruchtbares ist, und wenn sie Frivoles leisten, ihre Zeit eben keinen ernstendie o h"- Hieraus erklärt sich, wie zu alle» Zeiten, selbst in gottlosen Zeiten,sich n" religiösen Gefühlen und Ideen angeregten Schriften am längsten und
fortleben: sie entgehen gewissermaßen dem Einflüsse der waltenden Tages-
gjß ungcn und Zeitrichtungen, weil sie ein zu allen Zeiten wiederkehrendes Bedürs-Aus, demselben Grunde können auch rein philosophische und historische^ibst bei literarischcr Verflachung noch einen hohe» Charakter behalten, und"eg b erklärt sich der bedeutende Gehalt solcher Arbeiten, die auch da noch erschei-stez- s die Werke der Phantasie und Poesie ein entschiedenes Abnehmen der Sei-r<N„r - ""d Erfindungsgabe verrathen. Hierzu kommt noch, daß die frivole Lite-Verfallzeiten eine Popularität hat, welche die ernstere Literatur nicht haben