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Eilfter Band.
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Die Literatur Frankreichs.

kann, und dies ist ebenfalls ein Beweis, daß die Intelligenzen, wenn auch nichtverdorben, wenigstens gesunken sind. Wenn man sieht, welche Bücher im 17. Jahr«hundert bei der französische» Salonwelt Aufsehen erregten, so wird man ganz trau-rig gestimmt über die Gattung von Büchern, die heutzutage bei dem gebildeten Pu-blicum in Frankreich großen Ruf erlangen. Nicole war der beliebteste Moralist, undBourdalvue der besuchteste Prediger zur Zeit Ludwig's XIV. Der französische Volks»geist befand sich damals im Steigen, jetzt ist er im Fallen; damals lebte und strebteAlles empor, jetzt hockt und duckt Alles nieder. Frau von Se'vignö las den Taci»tus. Was lesen heutzutage die vornehmen Damen in Frankreich? Und der Con«traft läßt sich auf alle Werke und Literaturfächer ausdehnen.

I) Die Poesie.

Die Poesie oder vielmehr, was eben nicht einerlei ist, daS Versemachen warvormals die angenehme, aristokratische und etwas läppische Ergötzung einer fein ge'sitteten, literarisch gebildeten und wenig ausgedehnten Gesellschaft, die sich um alleArten von geistiger Bildung und Unterhaltung lebhaft bekümmerte. Der Beisaßden sie verschenkte, der Geschmack, den sie entschied, die Namen, die sie aus deinDunkel hervorzog und mit ihrer Zustimmung beglückte, drangen aber nicht unterdie günstigen, milden und höher» Regionen hinab, wo Alles zwischen Eingeweihte"vorging, wo Jeder der leichten und spielenden Muse seine Schuld bezahlte, wo d>rNichischrcibcnden wenigstens ein geneigtes Ohr liehen, und wo die zu den Eitclkeite"und Schnijicksachen der vornehmen Welt gehörende Dichtkunst, wenn auch nicht m>der freien Fülle und dem lieblichen Duft eines wildwachsenden Krautes, doch n»den, ruhigen Behagen und saubern Anstrich einer Treibhauspflanze oder mit dc»lachenden Farben einer gemachten Blume sich entfaltete. Diese Gesellschaft ließ fre>'lich ab und zu, aus Unachtsamkeit oder Gewohnheit, einen ihrer Dichter Hunger»sterben, Hatte aber im Ganzen für die Poesie nicht die sorglose Geringschätzung,man bei ihr voraussetze» könnte, wenn man an Malfilatre's oder Gilbert's tragisch^Ende denkt, die weniger die Schuld Poeten gewesen zu sein, als die Art und Wc>uwie sie es hatten sein wollen, im Spital abbüßten.

Gegenwärtig ist Alles anders: die Zahl der literarisch gebildeten Leute hat sichringcrt, die Menge der Leser aber bedeutend vermehrt. Um diesen großen Schw^.für sich zu gewinnen, dazu gehört ein stärkerer und bitterer Köder als die süße "zarte Lockspeise der reinen oder tändelnden Poesie. Die bisaniduftenden Zierlicheeines Madrigals, die feinen Schnörkel eines NingelgedichtS, die schmachtendenzer einer Elegie, die feierlichen Klänge einer Ode, alles Das ist magere Kostdie litcrarischcn Gasthauötische, wo der Feuilletonroman, das Viersousbücher^»und die Tagesprcsse den Appetit zahlloser Leser abwechselnd gereizt, abgest""^-gekitzclt und abgemattet haben. Die kleinen Bändchen Gedichte, die der "" xldrossene Muth ihrer Verfasser, trotz Wind und Wetter, fortwährend vonlaufen läßt, und die ein neues Lied nach einer alten Melodie oder eine neuedie zu einem alten Liede absingen wollen, können bei der großen Lescrmeng^M«mermchr anschlagen und aufkommen gegen die gigantischen Erfindungen, die ^ -,'elen Abcnteuermassen, die endlosen Verwickelungen und die starken Nührrcgim'vor-ihrc Leute so gewaltig anpacken, der groben Neugierde immer volle Schul? j„ densetzen und in rohen Gemüthern alle geheimen Saiten erklingen lassen, welch*,Aebhu°Untiefen des vertrauten oder öffentlichen Lebens ausgespannt sind. Für undber solcher Geisteskost ist „nd bleibt die Poesie in ihrem einfachen, eleZ»^ De-persönlichen Ausdruck ein versiegeltes Buch. Unwissend oder halbwissend,ratur ganz fremd oder blos von der Nachtseite her damit in unerfreulicher Be t ^„esuchen sie immer nur Das, was ihren Gelüsten behagt, ihre Sinne ^hek

übermäßige Zerstreuung die Stunden ausfüllt, die ihre Arbeiten, ihre Gescy ^ ^ihre Vergnügungen freilassen. Es bleibt den lyrischen Dichtern daher »umalige Schar von Auserlesenen, die durch die allgemeine Gleichmachung