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Eilfter Band.
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Die Literatur Frankreichs. 603

Mordbrennereien anstimmen kann, sonder» eine Hamadryade, die vom Saft derBäume, vom Duft der Blumen und vom Säuseln der Lüfte genährt und ge-tragen wird.

>>) Die Dramatik.

Die dramatische Dichtkunst nimmt in der französischen Literatur der Gegen-wart keine bedeutende Stelle ein. Es fehlt weder an Theaterstücken noch an Büh-nendichtern: die Franzosen sind jetzt an beiden reicher als je. Nach officiclle» An-gaben der Statistik brachte das Jahr 1854 250 neue Stücke von 530 dramati-schen Autoren (Opern und Ballete nicht mitgerechnet), also beinahe jeden Tag einNeues Stück und so viel Bühnendichter als Tage im Jahre. Aber wie schwerwiegen wol diese Schätze? Vorzügliches findet sich dabei wenig oder nichts. WasNoch Leidliches und Genießbares gearbeitet wird, ist meist für die kleinern Theater;ks sind Schwanke und Possen, die für ephemerisches Leben oft Witz und Launegknug haben. Etwas Literarisches läßt sich beim besten Willen aus dieser rastlosenBühncndichterci schwer herausheben. Noch unlängst war die dramatische Form inFrankreich eine hochwichtige ästhetische Streitfrage; jetzt ist sie lediglich Geldsache.Die Theaterindustrie mag dabei gedeihen; die dramatische Poesie muß unter solche»Umstanden zugrunde gehen. Es ist etwas beim ersten Anblick Verwunderliches,

aber für das tiefer eindringende Auge sehr Begreifliches, daß von allen nach derJuurevolutwn in Frankreich aufgekommenen literarischen Forme» die dramatischegerade am meisten und schnellsten gealtert hat, obschon sie sich als die jüngste undeigenthümlichste anmeldete. Die Lyriker der romantischen Schule ließen die vorclas-stschen Poeten ihrer Art gelten, und gaben sich sogar theilweise für Schüler von^Heuler aus. Auch die Romanschriftsteller respectirten ihre classischen Vorgänger undwhnten sich an ältere Muster. Die romantischen Schauspicldichtcr hingegen spann-en die Saiten höher und erklärten unverhohlen, daß sie eine völlige Umwandlungks Theaters und der damit verbundenen dramatischen Literatur beabsichtigten undeispieiloses zu leisten hofften. Sie gründeten ihre Kunsturtheile auf die aus einemegeisteruiigsvollen Studium des Mittelaleers gewonnenen Resultate, und belegtenWir eigenen Musterwerken, welche dazu dienen sollten, die Vorerefflichkeit ihrer?»sichtcn zu beweisen und die classischen Theorien in ewige Vergessenheit zu stürzen.Überlegene Gcistesstärke und Taktik verhalfen ihnen zum entscheidendsten Siege; aber'dte Herrschaft in der literarischen Welt war von so kurzer Dauer, daß die Dra^n, die m den Jahren 1830—48 nach den ästhetischen Grundsätze» der neuenschule gedichtet wurden, jetzt beinahe schon den bleichen Schein der.Sagen und. wrche,, einer grauen Vorzeit an sich tragen. Diese Stücke waren mehr Producte^Reflexion als des poetischen Genies, und ließen viel zu sehr merken, daß sie eineHess verfochten. Natürlich verloren sie beinahe ihr ganzes Interesse, als der Streit,s °°ei six <ils Argumente gebraucht wurden, aufgehört hatte. Doch darf man nicht^ unbillig sein und sie rücksichtlos verwerfen. Selbst die besten Hugo'schen unde^was'sche» Dramen sind für uns keine Meisterwerke, und das ungemeine Auf^l>en, das sie zu ihrer Zeit gemacht, ist uns kaum begreiflich; aber wir geben gernti»V ^ ste festen Willen und tüchtiges Streben in einem achtbaren Grade zeigenNa .^«-arische Eigenschaften haben, die man in den neuesten Bühnenstücken durch-z "2ig vermißt. Der leitende Grundgedanke bei den jetzigen Dramen ist der Gemateriellen Erfolgs, der sich in klingender Münze ausspricht. Die franKüchen Dramaturgen der Gegenwart sind über die literarischen Principien und

^hevr'" Dramaturgen der Gegenwart sind über die literarischen Principien undsowol die classischen wie die romantischen, vollkommen hinaus; sie bekam-^ darum, und lächeln, wenn sie davon sprechen hören. Nach eigenem

3h,ei" "'ß sehen sie i» der dramatischen Schriftstellerei nur einen von den vielen°"d-rn s?" Industrie, und haben keine Vorstellung davon, daß ein Dichter aus^ütl Antrieben für die Bühne schreiben kann, als der Theaterschneider dafür ar>ES handelt sich vor allem darum, ein gutes Geschäft zu machen. Die