604
Die Literatur Frankreichs.
poetischen Theorien laßt man als Salbaderei und leere Strohdrescherei Denen, dieso schlecht geboren und erzogen sind, daß sie die Vorzüge der industriellen Praxisnicht begreifen.
Was nun aber des einem solchen Anbau der dramatischen Literatur allmäligherausgekommen, kann man sich denken. Nach momentaner Überreizung ist völligeErschlaffung eingetreten. Die dramatischen Schriftsteller sind mit ihren Erfindun-gen, die Zuhörer mit ihren Empfindungen zu Ende und beide Theile gleich matt.Das Eigene unserer Zeit ist, die Dinge schnell abzunutzen; die gestrigen Neuigkeitensind heute schon alte Geschichten; man nimmt sich keine Zeit mehr zum Nachdenken,man will handgreiflich fühlen; man sucht nicht anzuregen, man will erschüttern; esist nicht auf Täuschung, sondern auf Verblüffung abgesehen. Bei dieser Richtungsind die Dinge von kurzer Dauer; ist der Augenblick der Überraschung vorbei, s»bleibt wenig übrig: vom Vaudcville ein Wortspiel) vom Drama ein Festzug. Abernicht blos der Inhalt der dramatischen Literatur hat bei dieser Veränderung ge-litten; auch die Form ist in dem allgemeinen Schiffbruchc zugrunde gegangen.Man hat Alles zusammen materialisirt; und während die Autoren sich das Schreibe»für bloße Augenergötznng oder Nervcncrschütterung angewöhnten, hat sich das Pu-blikum Urtheil und Stimmung abgewöhnt. Man geräth jetzt bei Theatcrsachen nichtmehr in leidenschaftlichen Affect. Dramen und Komödien sterben schockweise, oh'lldaß die Polemik viel darauf achtet. Man hört zu, klascht öfters, zischt bisweilen,und damit ist Alles abgethan. Das Theater ist eine Sache der Zerstreuung; nie»'geht nach dem Essen hin, des Vertrauens halber: die mild und duldsam gestimmte"Leute verlangen zu ihrer Abendunterhaltung matte und glatte Dinge, die wederübermäßiges Lob noch übermäßigen Tadel erregen; alles Brausende ist ihnen un-ausstehlich. Die Dramen, und Melodramentheater der Boulevards haben keinen Zu-spruch von diesen Freunden ordinärer Gemüthsbewegungen; sie gehen nicht einM->ins llwätro li-anygis an Abenden, wo Trauerspiele gegeben werden, theils weil illlGeschmack daran stumpf ist, theils weil man nichts Neues hat, und sie doch anKunst eben solche Fodcrungen machen als an ihren Schneider, indem alt von Kunst'werken bei ihnen ebenso viel heißt als bei jenem aus der Mode. Überhaupt ist d"Theater in Frankreich nicht mehr die hochwichtige Angelegenheit, worauf die Natll"sonst so stolz und eifersüchtig war. Die öffentliche Theilnahme nach dieser Se>hin ist erkaltet, und regt sich nur ab und zu, wie der flackernde Schein eineslichts, um sofort wieder zu erlöschen. Es ist als ob der Geist Molicre's und ^cine's, Corneille'« und Beaumarchais', Regnard's und Marivaur's unwillig ^bannen geschieden, weil eine wahre Sündflut von kleinen Couplets, kleinen Tir"ds^kleiner Prosa und kleinen Phrasen über sein Theater hereingebrochen, daß er s^.das alte Haus nicht mehr erkennt und die Heimat, wo er in seiner Herrlichkell swohnt. Alles hat immer mehr abgenommen. Die Nachfolger von VictorAlexandre Dumas, Alfred de Vigny sind Joseph Bouchardy, AugustePaul Mauricc, Marc Fournier, Victor Sc'jour. „Clarion vslormo",
„l.8 roi S'.1MU8L", „Iluy VIas" erscheinen uns jetzt freilich wie wunderlicheeiner ausschweifenden Phantasie, verrathen jedoch eine absonderliche Geisteskral ^,isichern ihrem Verfasser einen erheblichen Platz unter den originellen Schall
seiner Zeit. Auch „Henri III", „(lliristino ä kontainobloau ", „Lliarles ^^hlgt-
sos grami-; vu88sux" erregen heutzutage mehr unser Erstaunen als unserfallen, lassen aber bei aller Übertreibung des Gefühls, bei allem Sch^'c^
der
... In den
Sprache eine seltene Energie und ein poetisches Streben nicht verkenne"- A^rch"spätern Dramen ist sinn- und endlose Verwickelung an die Stelle dramatisch^ Zu-führung, das Factum an die Stelle des Gedankens, das wilde Durcheinallv ete"-taler.Handlung an die Stelle des ungestümen Ganges heftiger Leidenschaft °
Bei Victor Hugo und Alexandre Dumas war noch schöner Stil und VerSv ^,tzutreffen; bei ihren Nachfolgern ist es mit der Poesie zu Ende. Man p"y ^„cmit den, Widerwillen gegen Verse, aus dem allerhöchsten Grunde, weil n
»ie
gen
S°ß
sch,
tioi
Bc
U»!
schl
wei
We!
tur
trä
»er
dre
18 !
Ma
in
ren
des
Wo
Um
Ku
Be
Seh
ÜN!
das
be°
lüs
st°>
grc
her
der
'st
°in
Ab
->N;