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Eilfter Band.
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Die Literatur Frankreichs.

bieten weit und breit die Schüler auf, daß sie bei der Vivisection zugegen seien undein Beispiel nehmen. Geschickte Arbeiter haben nach den neuen Schulvorschriftendes gesunden Menschenverstandes, d. h. nach den alten classischen Regeln poetischeWerke zusammengesetzt, die von den haarigsten Phantasisten als „ Suppentopfsing-sang" (I^risme ein pol .,u t'su) verspottet und ausgelacht worden. Der Spott fandallerdings seine Leute, auf welche er richtig traf, paßte aber nicht auf Ponsard, der,auch wenn er das Gcmeinplähigc wieder zu Ehren bringt, den eiteln Welttand her-absetzt und die schwarze Hausbrühc anrühmt, etwas Vornehmes, Elegantes, Ge-schmackvolles behalt und über die AUtagsstimmung hinansgcht. Offenbar hatte Pon-sard in das von den romantischen Orgien noch warme Theater wieder classische Ein-fachheit hineinbringen wollen; er machte damit viel Glück, als seine erste Tragödieerschien, und blieb dabei in seinen spätern Stücken, die aber nicht mehr so gefielen-Vergebens entwickelte er in seiner „Llun-lotto 6orc1sv" bei der Schilderung des harm-losen Jugendlebens der Hauptheldin eine Anmuth und Lieblichkeit, wie man sie ihmnicht zugetraut hatte, und bei dem großen Auftritte des vierten Acts, zwischen denTrinmvirn des Berges, eine Corneille'sche Gediegenheit und Stärke. Diese einzelnen,nicht sowol für das Drama als für die Idylle gehörigen Vorzüge reichten zu einerTragödie nicht auck>, und ebenso witzig als richtig sagte man von dieser „ LKarlotwLorcluz ", es sei ein Capitel in Alexandrinern aus Lamartin,e's „Geschichte der Giron-disten". Das Stück „Iloraoo et I.vciit!" ist bloße Skizze eines Classikers bei guterLaune, und zugleich ein abermaliger Beleg dafür, daß gewisse Meisterwerke der an-tiken Poesie einen unantastbaren Reiz, einen zarten Dust an sich haben, der beimÜbergänge aus dem Urtext in eine andere Sprache verfliegt. Die Tragödieläßt ebenfalls gewahr werden, wie verschieden der Genius der alten und neuernSprachen, wie groß zumal der Abstand zwischen dem Französischen und Griechischenist. Wer auch nicht, als das Stück zum ersten mal gegeben wurde, die pariserAspasien bei gewissen Stellen lächeln oder kichern gesehen, sondern nur aus Schrift'werken mit dem Geiste der genannten beiden Sprachen einige Bekanntschaft gcrnaäfthat, der wird merken, daß die größte Worttreue zur größten Untreue des Sinnehinführen kann; denn mancher Ausdruck, der im Altgriechischen der Göttersprath'angehört, ist in der heutigen - französischen Umgangssprache kaum zulässig. D?übersehen die neuern streng antikisirendcn Dichter in Frankreich; sie meinen, sie h^'ten die antike Farbe ausgemittelt, weil sie die pseudoclassische Periphrase aufgegebn"aber sie irren, buchstäbliche Übersetzung ist wieder ebenso untreu als weitläufigeschreibung. „

Die Tragödien von Latour dc St.-Mars, „Virginie" und „ kosemoiuie/sind Werke einer vergriffenen Form, bloße Abbilder eines verwischten Musters. ^dramatische Literatur hat im Grunde wenig dabei gewonnen, daß sie um eii^h?^Dutzend Tragödien von altem classischen Zuschnitt reicher geworden. Diese §

sind wie die närrischen Wellen, die mit Hülfe von gewissen Wirbeln längs des y

hinaufstrudcln, ein bische» Wasser, das zur entlegenen Quelle zurückfließt, mäh' ,,der gewaltige Strom dcni Meere zueilt. Auch ist das Drama auf dem Plnk'^-blieben, und sogar Ponsard, als er, wie es scheint, gemerkt, daß er mit seine" ^ten Tragödien so wenig ausgerichtet und nicht vom Fleck gekommen, hat ft'-, istKomödie hingewandt. Sein erster Versuch dieser Art: „l.'tiopneur ot l'argensehr beifällig aufgenommen worden, obschon das Stück nichts Originelles a» er-Charaklere, Situationen und Intrigue sind sehr gewöhnlich. Stil und ^Mrdit"ftinnern an Meliere, der dabei zum Muster gedient. Das eigenthümlich^des Stücks besteht darin, daß es, im Gegensatz zur herrschenden Paradoi' xo"starke und heilsame Wahrheiten in einer festen, klaren, freimüthigen ^^-ehera"'gutcr Schule und Herkunft zu Gemüth führt und, nach so vielen heiße" v ^m^fällen und hektischen Auszehrungen, in die Adern der neuern Komödie m>e e gipstereines und kräftiges Blut hineingebracht hat. Zwei andere junge Dich e ^„s^llsAugier und Oktave Feuillek, haben mit einigen Stücken ähnlicher Richtung