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Eilfter Band.
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610 Die Literatur Frankreichs.

stößige Detail- und Stilfehler verderben, was Anlage und Charaktcrzcichuung Leben-diges und Wahres haben. Das jetzige französische Theater laborirt an einem eigenenMisstande und Kontraste. Die feinern und elegantem Geister, die hauptsächlich fürdas Illeütre liun^. 1,8 arbeiten, verwenden ihr Talent an Werke, worin wenig odernichts von dem Leben der Gegenwart schlägt; dagegen greifen keckere, aber gröbereHände, die für die kleinern Bühnen fleißig die Feder führen, nach Stoffen, wozusich die lebenden Modelle vorfinden, und bringen die Originale der Salons undArbeitsstubcn auf die Bühne, sind aber ihrer Aufgabe nicht gewachsen und lieferndaher nur unförmliche Skizzen und rohe Entwürfe, wo gediegene Schriftsteller dieWirklichkeit in einer Form und Weise auftreten lassen würden, wie sie den höher«Anfoderungcn der Kunst und Poesie entspräche.

Das Iliöülre Iran^us hat zwar in neuerer Zeit manche Stücke angenommen,die früher schwerlich durchgegangen wären, trifft jedoch hinsichtlich der neuen Werkeimmer noch eine gewissermaßen strenge Auswahl. Die kleinern Bühnen bringenhingegen Alles zur Aufführung, was nur die Ncugicr lockt und für den Augenblickzieht. Neuerdings macht das üymnaso hiervon eine Ausnahme und ist eine ArtNebenbuhler des IllmiUro l>un<-i,w geworden. Emile Augicr, Jules Sandeau,Octavc Feuillet, George Sand, Madame dc Girardin (gest. 30. Juni 1855) undandere in der Literatur angesehene Schriftsteller arbeiten für diese Bühne. Eineganze Dichtcrplcjade ist hier thätig und die Macht des Beispiels so gewaltig, daß e>"Vaudcvillist, — allerdings einer von den besten und geschicktesten — Dumanoi»sich plötzlich zum Lusispicldichtcr hinaufgestimmt hat (in „ll'öoole ilos sgnooux^)'Zu gleicher Zeit steckte sich freilich Madame dc Girardin, eine Muse, in dielekinsjacke und trieb Posscnspiel (in „llo olmpo.'iu ll'un llvrlugor"), doch so, dasdessenungeachtet es dabei noch stark nach Kölnischem Wasser roch. Sehr ha'nBwerden im Lustspiele gegeben und der Director, Montigny, laßt sick

sogar einfallen, bei den neuen Stücken, die er annimmt, auf literarischcs Verdiennund Interesse zu hallen. Das größere Genre verdrängt allmälig das kleinere, sod-'ckfür Scribe und Bayard's nachgelassene Vaudevilles kaum ein wenig Platz übr>§'bleibt. Da dar Ozmnnmo seinen Flug zu hoch nahm, war davon die Rede gcwcsc"'ihm die Flügel zu beschneiden; aber man hat gemeint, es wäre schade, den hübMVogel in seinem Aufschwünge zu behindern, und ihm daher erlaubt, wenn er .und könne, sich bis in den Fcucrhimmcl zu versteigen. Aus besonderer Gu>"und zum Lohne für seine Bemühungen, seine glücklichen Erfolge und Verdienste "die Kunst, hat maw ihm das sonst nur dem l'llöütro fr-iu^ais zustehende Rechtgeräumt, fünfactige Lustspiele, ja sogar einen neuen „lllisaulllrope" zu geben,etwa ein neuer Möllere auf den Einfall käme. Nach dem Vorgänge deshat' das Viiutievi'IIs ebenfalls höher hinausgcstrcbt und sein Glück in der Kon^,„gesucht, auch einige male darin gefunden, nämlich in „lla llamo sux or»nö>>^und „llo-, Kilos ste mardro^, seitdem aber keine solche Goldader wieder ciss ^Indessen scheint es doch unmöglich, daß die kleinern Bühnen das eigentlichewelches man nur Lustspiel nennen sollte, besitzen könnten. Durch wiezücken uns die ältern französischen Lustspicldichtcr, durch wie viele kleine ^ „sund Schattirungen zeigen sie ihre tiefe Kunst, die jetzt bei den Meistenverloren gehen würde! Was man auch dagegen sagen mag: die Franzose," ichheutzutage nur wenige Stücke, djc man Lustspiele nennen könnte. Erschein tu?einmal etwas Munteres, ja Originelles und Naives auf der Bühne, so^wsteMeisten^ durch ein gräuliches Lachen zu verstehen, daß das Feinste unddem Stücke ihnen nicht angehöre; die Andern sagen durch ihre Gleichmüthim^ - eine"'sie zusehen, daß diese Blumen von einem fremden Boden oder wenigstens "tKopfe kommen, dessen Witz hier keine Geistesverwandten hat. Um sich jetzt

zeugen, gehe man in ein kleineres Theater, z. B. daS Ez-mnsso, daö, wie Änlichste"eine Art von Bedeutung hat. Kaum steigt man aus dem Gebiete deS " . ^ u»dLebens und aus dem alltäglichen Ton ein wenig heraus, so verliert Alles, ?