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Die Literatur Frankreichs.
Wanims der Ligue und im Federhut der Fronde paradircn. Die Haarbcutel undSchminkpflästerchen der Zopfzeit kann man ihm allenfalls hingehen lassen; allein derspanische Dolch und Mantel sind dabei nicht auszustehen. Drollig und schlüpfrigmag das Vaudeville sein, soviel es will; nur sei es ja nicht historisch und romantisch.
Wenn übrigens das Vaudeville mit den andern Fächern der dramatischen Lite-ratur gesunken und aus der Art geschlagen ist, so hat sich darum die Masse vonTalent, die daran verwendet und verschwendet wird, gegen sonst nicht etwa verrin-gert, sondern nur auf eine größere Anzahl von Individuen vertheilt. Man sollteglauben, die Intelligenzen seien mit dem Streichholz der Gleichheit abgestrichen. DerEine versteht ein Couplet zu reimen, der Andere ein Bonmot zu spitze»; Dieser hatein besonderes Talent, aus Nichts eine Intrigue zu schürzen, Jener ist berühmt we-gen seiner Geschicklichkeit, den Schlußknotcn zu lösen. Es gibt Welche, die ihresGleichen nicht haben in der Kunst, Titel auszusinnen, und Manche leisten außer-ordentlichen Vorschub durch den unverdrossene» Eifer, bei den Thcaterdirectoren her-umzulaufen. Mehren Vaudevillisten wird ihre Starke im Fabricire» von Calem-bourgs und Andern ihre Keckheit im Aufräumen von Hindernissen nachgerühmt.Ein Stück zu schreiben, ist wol etwas; aber es anzubringen, ist auch etwas.Diese verschiedenen Talente finden sich zwischen allen dramatischen Schriftstellern ver-theilt, aber bei keinem zusammen. Was sonst noch zum Verfall der dramatische»Literatur beigetragen hat, ist die übertriebene Sitte des Mitarbeitens. Ein Vaude-ville in einem Acte hat bisweilen vier Vätcr. Bei diesem Conflicte von sovielverschiedenen Naturen, Geschmäcken, Athemzüge», Manieren und Stilen (wenn bc>dergleichen Dingen von Stil die Rede sein kann) gehen Grundgedanken und Haltungverloren. Ein Misbrauch zieht den andern »ach sich. Das Gebären eines Stücks,Drama oder Lustspiel, ist jetzt beinahe nicht mehr das Resultat einer langen umreiflichen Überlegung, sondern ein Werk deS Zufalls. Fünf Acte entstehen biswcile»aus einem Titel. Auf diesen improvisirten Titel näht ein Autor fünf oder stä?Namen von Personen,-ein Anderer strickt schnell ein Sccnario, wo nichts angegebnist als die Schlußscene. Man schneidet sodann eine Hauptrolle für dcn Lieblingschauspieler zurccht, und Jrgendjcmand schreibt endlich das Drama oder Lustsp',welches der Theaterdirector im voraus angenommen hat. Nachher ist die Reihe »dcn Maschinisten, ihre Schuldigkeit zu thun. Oft geschieht es auch, daß die Dires^ren bei ihrem besten Lieferanten dcn Vühnenbedarf fürs ganze Jahr bestellen. ^ein gleichzeitiges Sittenstück gehört ein historisches Costümstück, auf ein großes Sl"takelstück ein kleines Rührstück u. s. w. Der Dircctor legt die Liste der Schaull'^ler vor, worüber man verfügen kann, gibt das Genre an, das er braucht, best'»",.,einen Termin für die Vorstellung, und der patcntirte Fabrikant dramatischerturwaare schneidet seine Feder üind geht an die Arbeit. Was kann aus einemchen Zustande der Dinge herauskommen? Welches Steigen hat die Kunstzu hoffen? Ist nicht im Gegentheil ein noch rascheres, kläglicheres Sinken i" ^clfürchten? Sollte es nicht Zeit sein, sich nach einem schnellen, wirksamenumzusehen, wodurch dem Übel gesteuert und dem Theater wieder zu st''""!-Glänze vcrholfen würde? Dieses Mittel ist vielleicht irgendwo vorhanden, aber > )lieh da zu finden, wo mau es bisher gesucht hat, nämlich in einer öfsiciellc»-'r,? hxncommissivn zu». Vertheilen eines jährlichen Preises, welchen die Regierung freist'Verfasser des den Sitten zuträglichsten Stücks ausgesetzt. Von der Prämst,, FoN"haben zwar einige dramatische Autoren mit politisch-moralischen Vorlesung^" nx ke>"von Lustspielen und Vaudevillcs ihr Heil auf der Bühne versucht, aber " ^ Aalz,Glück gemacht. Wozu aüch diese frostigen Sittcnpredigcrstücke ohne Geist "^„„ue"selbst Wenn sie mit allen Sentenzen und Moralen ausgcspickt sind und manche'kSeele frömmere Gedanken mit auf den Weg geben als manche Kanzel! -7 zischesich auf dem Theater nicht erbauen, sondern vergnügen. DaS scheint die C" ^siheTheakercommission nicht gtnug zu bedenken; denn sonst würde "'^,^rr-
nicht verschwenden ntit Aufmunterung von Stücken, die z» Jfflaud's „