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Eilfter Band.
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613
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Die Literatur Frankreichs. 613

frisch aus dem Boudoir auf die Bühne bringt — das ist keine Verbesserung, son-dern die Ausartung des Lustspiels. Als Möllere die halbvornehme Welt seiner Zeitschilderte, gab er nicht seine ehemalige Maitresse, so wie sie leibte und lebte, derNeugicr des Publikums preis, sondern Ce'limene, das allgemeine Charakterbild einerherzlosen Koketten und Buhlcrin, die ebenso wenig Armande Bejard war, als Gret-chc» im „Faust" Goethe's wirkliche Geliebte dieses Namens ist. Das ist Moliere'sunsterblicher Ruhm: er hat das Lustspiel idealisirt und seinen Werken eine solcheVollkommenheit gegeben, daß sie ihn überleben. Alexandre Dumas der Jüngerewird mit seinen bisherigen Leistungen schwerlich auf die Nachwelt kommen; doch istdiesen durchaus nicht alles Verdienst abzustreiten. Die oben erwähnten drei Stückesind drei verschiedene Ausdrücke desselben Gedankens, drei Variationen desselbenThemas. Der Stoff dazu ist aus einer gewissen Welt hergenommen, die eben nichtdie beste ist und diesseit und jenseit aller bekannten Welten liegt, nämlich aus der»>ehr als galanten Weiberwelt, die der Verfasser durch und durch zu kennen scheintund die bisher Niemand mit so viel Vorliebe angerührt und ausgemalt hatte. Daswtzte Stück: „Ds äsmi-moncis", verräth bei dem jungen Dichter eine bedeutendeAnlage für dramatische Composttion. Schon in seinen beiden ersten Stücken: „Dallnme aux osmelins" und „Diane üs D^s", war, ungeachtet aller in die Augenspringenden Mängel, reelles Talent nicht zu verkennen; nur half sich hier der Dich-^r noch mit Reminiscenzen aus väterlichen Stücken, aus „>nton^" und „Angele".In „Dsrni-moiicle" ist er selbständig und borgt nichts mehr von seinem Vater.Die Scenen sind gut angelegt und klar entwickelt. Man sieht mit Verwunderung^s Dichters Geschicklichkcit, seine Kenntniß der Bühne und der wirksamen Mittel;sr versteht schon jetzt das Metier in einem Grade, der zu seinem Alter gar nichtstimmt und für die ungestörte Ausbildung seines poetischen Talents fürchten läßt.Jedenfalls sind seine bisherigen Stücke nicht zu verachten: sie besitzen die wesentlichsteEigenschaft und Bedingung jedes dramatischen Werkes — Leben. Daß dieses Lebendon pestartigen Dünsten umweht ist, daß zu dem Antheile, den man daran nimmt,Mißbehagen gesellt, das jeder honnete Mann empfindet, wenn ereroachligen Sache» und Personen in Berührung kommt, solches unterliegt kei-nem Zweifel; aber auch soviel ist gewiß, daß in diesen unsaubcrn Sittenstücken sichhier und da Dinge und Situationen vorfinden, die im Moment selbst ergriffen undkeck aus einem jammervollen Schlupfwinkel der Gesellschaft hergeholt sind von einerHand, die hier alle Jrrgänge, Schleichwege und Gaukelspiele ganz genau zu ken-nen scheint.

Das Vaudeville, obschon auf den kleinern Bühnen thcilweise vom Lustspiele zu-"ckgedrängt, ist jedoch stellenweise vorangeblieben, hier aber entweder in Possen.. r in ausschweifende Richtungen hineingerathen, wo das Groteske und Pittoreskew Lücke des Witzigen und Lustigen ausfüllt. Es redet eine wunderliche Sprache,^ einen ganz eigenen Atelicrgeruch an sich hat. Man hört ein unglaubliches Ge°'singst; von Worten, die in keinem französischen Lexikon stehen, ganze ReihenfolgenA^oglyphischer Redensarten, Dialoge in einem pariser Nothwelsch, das vor denhvren der Hauptstadt kaum Jemand versteht, Witze in einem Dialekte, den Sain-? ^ und Grassot, Hyacinthe und Ravel allein sprechen. Die Posse hat das Scep-. an sich gerissen und die Caricatur die Brcterwelt erobert. Und doch ist der be-achtlichste Theil des französischen Theaterlebens im Vaudeville versteckt; hier regensink E meisten Laune, Witz, Erfindung, wenn dergleichen vorkommt; hier^ hauptsächlich der bunte Scenenwechsel des täglichen Verkehrs wieder.be„b ^ etwas Närrisches und Possirliches, bisweilen etwas Scharfes und Bei-Hft ^ aufgetischt; aber auch an Ungesalzenem und Langweiligem fehlt es nicht.h->t sich das Vaudeville in Zeiten und Regionen, wo es nichts zu schaffen

bj,.i vermummt sich in allerlei Tracht, und man sieht es in der hohen Hals-^s Direktoriums, in der rothen Jakobinerkappe des Schreckensregiments, im'ckten Fracke der Regentschaft, in den Kniehosen dcS „großen Jahrhunderts", im