Band 
Eilfter Band.
Seite
631
JPEG-Download
 

Merico und Mittelamerika.

631

in Mittel- und Südamerika haben Sklaven ihre Ketten gebrochen. Und diese Sklavenhielten sich für ebenbürtig den Freien; sie griffen zu dem hochentwickelten Staats-und bürgerlichen Leben der Angelsachsen. Wie wenig sie hierzu befähigt, hierzu be-rechtigt waren und sind, geht schon daraus allein hervor, daß sie ihr beschränktestyrannisches Religionswcsen in vollem Bestände ließen, und wol auch in Berücksich-tigung der rohen, von der herrschsüchtigcn Priesterschaft durch tausenderlei Aberglau-ben geknechteten Bevölkerung lassen mußten. Nur auf dem Grunde eines freisinni-gen toleranten Glaubens kann eine freisinnige staatliche und bürgerliche Ordnungemporwachsen. Die Constitution und das ganze so eigenthümliche Wesen Nordame-rikas ist auf dem breiten Grunde des puritanischen evangelischen Christenthums ent-standen. Und doch wollen dies die Einwohner jener herrlichen amerikanischen Länderimmer noch nicht einsehen; sie wollen nicht begreifen, daß sie vor allen Dingen erstlernen müssen, den Gesetzen zu gehorchen, daß sie suchen müssen, eine wahre freieGeistesbildung zu erlangen und vor allem sich ernstlich jeder Arc von Arbeit undThätigkeit zu ergeben.

Noch gegenwärtig, nach den schauderhaften Erfahrungen von 20—30 Jahren,m welchen die republikanischen Formen so häufig blos dazu benutzt wurden, diefurchtbare Despotie Einzelner zu erzeugen und zu decken, noch jetzt fällt es den so-genannten Gebildete» jener Länder nicht ein, sich zu besinnen, ob nicht etwa das po-etische Unglück des Landes seinen wahren Grund habe in dem völligen Widerspruchber nationalen Bildung und der aus der Frenide eingeführten politischen Jnstitulio-Nen. Im Gegentheil, sie trösten sich nicht selten mit der Täuschung, daß ihre au-genblicklichen Verlegenheiten nur daher rühren, weil sie ihrer hohen politischen Be-stimmung noch nicht ganz nachgekommen seien, der Bestimmung nämlich, die Ideeder menschlichen Freiheit am vollkommensten zu verwirklichen, vollkommener und rei-ner noch, als dies in den Nordamerikanischen Freistaaten geschehen, wo der Staats-bürger noch in seinen Begriffen von Kirche und Staat zu historisch befangen, zuwenig Voraussetzungslos. Von der naiven Selbstgefälligkeit dieser mit großen An-lagen und mit einer überaus lebendigen Phantasie ausgestatteten Menschen kannman sich nur dann einen richtigen Begriff machen, wenn man erwägt, wie sie ihreganze Weisheit, politische, kirchliche und wissenschaftliche, allein aus den Werkenneuerer und der neuesten französischen Schriftsteller extremster Richtung schöpfen.Die Folgen hiervon sind eine ungeheure Anmaßung abstracter Begriffe, welcher nichtbeizukommen ist, verbunden mit der absoluten Unfähigkeit des Begreifens einer ge-schichtlichen Entwickelung, mit einem gänzlichen Mangel aller historischen Anschauung,ünd so sieht man allenthalben und immer, um''es mit Platen's Worten zu sagen:

- welches herbe Geschick die verstockten Völker getroffen,

Die nicht in der Zeit des erweckenden Rufs absagten dem römischen Baalsdienst.

Gern möchten sie wegschieben das Joch und es zappelt der Hals in der Schlinge;

Doch leider zu spät, denn Psaffengewalt schnürt ihnen die Seele zusammen.

> Merico von der Erklärung der Unabhängigkeit bis zur Erhebung im Staate Teras.

In Mexico oder Neuspanien erreichte die Absperrung von der übrigen W^lt,°as Privilegien- und Kastenwesen die höchste Stufe. Dieses herrliche reiche LandH^rd, eben seiner Trefflichkeit wegen, noch strenger als die andern Besitzungen jedemHemden verschlossen; seine Einwohner wurden, soweit dies anging, in noch größererAbhängigkeit und Unwissenheit erhalten. Man hat den Creolen den Anbau dessd"einstvcks, des Olivenbaums und viele andere Culturen verboten; in Betreff derFabrikate sollten sie gänzlich vom Muttcrlande abhängen. Wenn Spanien, wie soder Fall war, nicht selbst die Waaren erzeugte, so holte es sie aus der Fremde.>es durften aber die Creolen nicht wissen. England, wo Spanien die Leinwand^"ste und nach Mexico verführte, ward für eine Besitzung Philipp's 0- und seiner^chkvnnnen ausgegeben. Sie hatten freilich vom römisch-katholischen Standpunkte,