644 Mexico und Mittelamerika.
Ketzer. Dann würden die methodistischcn Wolfe die rechtgläubige Kirche zugrunderichten." Die mexikanische Regierung überließ nun in der That dem Geistlichen an3000 Leguas im Gevierte im reichen Thale San-Joaquim, mit Sta.-Barbara, Mon-terey und San-Francisco, zum Behufe seiner Ansiedelungen. Bevor aber diese Schen-kung ausgeführt werden konnte, brach der Krieg zwischen Nordamerika und Mexicoaus, welcher bald die ganze Lage Californicns vollkommen veränderte. Schon infrühern Jahren hatten sich hier, gleichwie in Texas geschehe», eine Anzahl Ame-rikaner mit Zustimmung der mexikanischen Behörden niedergelassen, und tüchtige Rei-sende, wie Fremont, hatten das Land durchzogen und durchforscht von einem Endezum andern. Die Einwanderung der Amerikaner nach Obercalifornien in größererAnzahl, so heißt es in der amtlichen Denkschrift der kalifornischen Abgesandten zumCvngresse (Washington, 12. März 1850), hat bereits mit dem Jahre 1845 be-begonnen. Doch mögen es kaum 500 Personen gewesen sein, von denen alle jeneBewegungen ausgingen, welche endlich zur Eroberung des ganzen Landes geführthaben. *) Als der Ausbruch der Feindseligkeiten zwischen Nordamerika und Mexicoimmer näher rückte, erhielten Fremont und die andern Angelsachsen von der mexi-kanischen Regierung den Befehl, Californien zu verlassen. Sie widersetzten sich, bil-deten eine revolutionäre Truppe, bemächtigten sich mchrer Ortschaften und erklärten sich(5.Juli 1846) für unabhängig.**) Bär und Stern wurden als Wappen des neuenStaats Californien gewählt und Fremont ward zum Präsidenten erhoben. Dies warAlles bereits geschehen, als die Ansiedler in Californien die Nachricht vom wirklichenAusbruche des Kriegs erhielten, sowie von der Ankunft eines Geschwaders ihrer --Landsleutc, welche sich alsbald Montcreys, San-Franciscos und anderer Plätzebemächtigten. Da verließen die kalifornischen Amerikaner die Fahne ihrer beson-dern Revolution und betheiligten sich mit allem Eifer am Nationatkricge. Nachmehren glücklichen Gefechten mit den Mexikanern bemächtigten sie sich zum zweitenmale der Stadt Los Angelos (10. Jan. 1847), errichteten dort eine regelmäßigeselbständige Regierung, welche bis zum Frieden zu verbleiben habe oder bis dasVolk von Californien sie ändere. So fand Kearncy Californien zur Zeit, als erüber Neu-Mexico daselbst anlangte. Der starre rücksicktlose Kenluckyer — die Ein-wohner Kentuckys ragen hervor durch Tüchtigkeit, aber auch durch barsches bäueri-sches Wesen — erklärte vermöge seiner vom Präsidenten erhaltenen Aufträge Fre-mont's Stellung für eine Usurpation. Dieser mußte abtreten, und Kearney stelltesich selbst an die Spitze der neuen Regierung. Der in jeder Beziehung tüchtige Fre-mont, der Humboldt jcuer Gegend, ward sogar als Gefangener nach Washingtongebracht, vor ein Kriegsgericht gestellt und vcrurtheilt. Der ausgezeichnete Forsche/und kühne Mann erfreut sich dessenungeachtet der allgemeinen Verehrung in Cali-fornien wie in alle» andern Ländern der Union. Fremvnt's Name ist mit der Begrüßdüng dieses der größten Zukunft entgegengehenden Staats eng verflochten; nieb^'Ortlichkeiten und ganze Grafschaften sind nach ihm genannt worden.
*) Diese Denkschrift ist die Hauptquelle zur Geschichte Californien« während der ekß^Jahre unter nordamerikanischer Herrschaft. Sie steht hinter dem „koport ok tdo <1ebo>ok ll>v konveniion vkUaliiornis, ou tko lorm.alion <>t tlis 8tato Lon8limtion, in 8epwn> ,,ancl Oetobor >819. vz-5. Ko38 vrocvns" (Washington 1850). Dies ist ein Band von 525gedruckten Seiten in Octav. Hier kann man sehen, wie die Angelsachsen, mitten unterensenderlei Wirrnissen und Unordnungen, Staaten und Gesetzlichkeit begründen. Wir ^ He-kcin erhebenderes, kein stählendercs Schauspiel, weder in der alten noch in der ne"/''^,agschichte. Nur die fabelhafte Gründung Roms aus einem zusammengelaufenen Gesin^hiermit einigermaßen verglichen werden. . §
**) Die Vorgänge und Zustände in Obercalifornien zur Zeit seiner Losreißung vonsind ausführlich erzählt in dem Artikel „Obercalifornien, seine Geschichte, seine Naturbcsw s^heit, seine Culturzustände" >m dritten Bande der „Gegenwart" (S. 555 — 50«), »amenS. 566 — 572. D.