666
Mexico und Mittelamerika.
sammt seiner ganzen, aus Franzosen und Deutschen, aus Jrländern und Chilesenzusammengesetzten Truppe gefangengenommen. Die Gemeinen wurden von Santanabegnadigt, Gaston Naousset de Boulbon, wie er im Decrete genannt wird, undAie unter ihm dienenden Offiziere zum Tode verurtheilt. Der Flibustier, wel-cher am 10. Aug. 1854 zu Guayamas erschossen wurde, ist als tüchtiger Manngestorben; er hat dem Tode mit kühnem unerschrockenen Blicke in die Augen ge-sehen. Zum Vertheidiger vor dem Kriegsgericht wählte er sich einen Mann, welcherihm als tapferer Feind in den beiden gegen ihn geführten Kämpfen zu Hermosillound Guayamas Bewunderung abgezwungen hatte, den mexicanischen Offizier Borunda.Borunda bot vergebens alle Beredtsamkeit auf, um seinen frühern Gegner zu retten.Raousset gab ihm sein liebstes Familienstück zum Andenke», einen Ring mit demWappen seiner Familie, welchen er als 14jähriger Knabe von seinem Vater erhaltenhatte. *) Die chevaleresken Reden und Handlungen von beiden Seiten erinnern an ähn-liche ergreifende Episoden, wie sie Homer und Tasso dichteten, an den Edelmuthund die Hochherzigkeit der mittelalterlichen Romantik. Solche Thaten und in solcherWeise ausgeführt, werden vorzüglich bei den Romanen gefunden. Das ist dieschönste, die poetische Seite dieser Völker.
Ein anderer Flibustierzug gegen Untercalifornien ist ebenfalls fruchtlos geblieben.Die Führer waren aber glücklicher: sie sind mit dem Leben davongekommen. Wäreer gelungen, so würde jetzt auch Untercalifornien der Selbständigkeit und freien mensch-lichen Thätigkeit genießen. Naousset'S Siege hätten blos zur Grundlage der Will-kürherrschaft, zur Errichtung der religiösen und politischen Sklaverei gedient. DerUnterschied liegt in der Natur der Dinge. Die Unternehmung gegen Sonora istvon einem katholischen Franzosen, die gegen Untercalifornien von einem protestan-tischen Sachsen ausgegangen. Walker heißt der Condottiere gegen Untercalifornien;er stammt aus Kenlucky. Major Walker ließ er sich nennen, weil er in der Milizseines Staats diesen Rang bekleidete. Der Major hatte die Rechte studirt und sichlängere Zeit in Europa aufgehalten. Er kannte die Schwäche Mexicos und suchte sichdurch Gründung eines neuen auf dem Nordamerikanischen Unterbau errichteten ScaalsVerdienste zu erwerben. Untercalifornien ward hierzu auserkoren: es sollte der32. Stern werden im Sternpanier der nordamerikanischen Union. Eine Verfassunglag schon bereit. Walker wird in einem Erlasse als Statthalter, alle seine Ministerund höher» Beamten werden namentlich aufgeführt. Es war bereits bestimmt, daßdas vortreffliche peinliche und bürgerliche Gesetzbuch Louisianas an die Stelle derspanischen Feudalrechte treten sollte. Am 3. Nov. 1853 ging die von San-Franciscokommende Brigg Carvlina bei La Paz, der Hauptstadt des Landes, vor Anker. Ei"Bataillon landete, überfiel die Stadt und machte den Statthalter Umercaliforniens-Espinosa, zum Gefangenen. Gleich hernach ward die Unabhängigkeit der Halbinsel er-klärt und die neue Regierung eingesetzt. Man brachte selbst zu Sän-Vincente eineArt Legislatur zusammen, die über die Bedürfnisse des neuen Staats berietb. Scall°Halter Walker siedelte in den ersten Monaten 1854 von La Paz nach Sän-Lucasund schlug die ihm auf dem Zuge entgegentretenden Mexicaner. Zu der Zeit«s in der That den Anschein, als wenn das kühne Unternehmen einem glückst^Ziele entgegcngcführt werden könnte. Dem war aber nicht so. Die Indianer s'"Crcolen hielten sich fern; Krankheiten und Desertionen minderten Walker's Ha"0 'während die Mexicaner neue Verstärkungen herbeizogen. Die Eindringlingebei mehren Gelegenheiten geschlagen und mußten endlich froh sein, mit demzu entkommen. Der Statthalter eigener Ernennung vergrub seine Fahne, da>'" .^zandern Wahrzeichen seiner neuen Republik, und kehrte mit einem kleinen Theils >Anhanges wieder nach San-Francisco zurück. Andere gingen nach Texas, uM ^ 'in der Nähe, bei dem bevorstehenden Zusammensturz des mexicanischen Staats
) Raousset de Boulbon soll von den Bourbons abstammen, daher sein Name
2'oulbon.