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Eilfter Band.
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Merico und Mittelamerika. 665

auswärtige Kriege und Eroberungen in der Fremde zu schmeicheln. Man wolltebesonders Colonien erwerben, in Afrika, in Australien und Amerika. Hier solltendie Romanen und Katholiken an Frankreich, gegen Engländer und Amerikaner, gc^gen den Protestantismus eine Stutze erhalten. Aus diesem Grunde ist auch dieAuswanderung der Franzosen nach Mexico in mannichfacher Weise unterstützt wor-den. Es ward, seit der Entdeckung der Minen in Obercalifornien, die Aufmerk-samkeit nach den angrenzenden, durch ihren Reichthum an edeln Metallen längst be-kannten Ländern in hohem Grade gelenkt. Die Rechte, welche eine französische Ge-sellschaft zur Ausbeute der Minen zu Arizona, im Staate Sonora, erlangt hatte,bestritl eine andere, die sich der Unterstützung der einheimischen Behörden erfreute.Levasseur, der französische Gesandte zu Mexico, war selbst bei der Unternehmung sei-ner Landslcute betheili'gt und förderte sie in aller Weise. Es scheint, daß man inParis diese Streitigkeit zur Eroberung großer Länderstrecken am Stillen Ocean habebenutzen wollen. Von dieser Seite ward das Beginnen wiederholt im Congresse zuWashington besprochen und dagegen die Monroe-Lehre aufgerufen. Ein Graf Raous-set de Boulbon, welcher früher in Algier gedient und sich später in Obercalifornieneiniges Ansehen erworben hatte, erhielt den Auftrag und die Mittel, mit bewaffne-ter Hand die sogenannten Rechte der Franzosen in Sonora zu erzwingen. Am1. Juni 1852 landete er mit einer kleinen, zu San-Francisco angeworbenen Truppeim mcxicaniscken Hafen Guayamas des Staates Sonora, schlug, wie schon gele-gentlich bemerkt wurde, den Statthalter Miguel Blanco (13. Oct. 1852) bei Her-Mosillo und eroberte die Stadt. Die Einwohner Sonoras betrachteten und behandeltendie Franzosen als Feinde, nicht als Befreier, wie ihr Condottiere glaubte oder dieAngeworbenen glauben machte. Krankheiten und Mühseligkeiten aller Art mindertenund schwächten die Eindringlinge. Raousset mußte sich glücklich schätzen Guayamaswieder zu erreichen und von dort nach San-Francisco entweichen zu können. DasMislingcn dieser Unternehmung hatte den tüchtigen Abenteurer nicht entmuthigt.Der wiederholte Aufenthalt in Kalifornien sollte zur Ausrüstung eines neuen Fli-bustierzugS benutzt werden. Santana hörte hiervon und suchte den tapfern Gra-fen für seine Zwecke zu gewinnen, oder wenigstens unschädlich zu machen. Mittelsder französischen Gesandtschaft zu Mexico wurden mit Raousset Unterhandlungen be-gonnen und dieser nach Mexico eingeladen. Er erschien, ward mit Ehrenbezeigun-gen empfangen und erhielt den Auftrag ein ganzes Heer aus Fremden anzuwerben,um Ansiedelungen in Sonora zu begründen. Raousset selbst sollte für seine Ver-dienste in jener Provinz ausgedehnte Ländereien erhalten. Die großen Versprechungensind aber niemals vollzogen worden. Der mexikanischen Regierung mangelten dieNothwendigen Mittel und selbst der gute Wille. Es ward augenscheinlich, daßSantanä dem Franzosen mistraute, und in der Thal war Grund genug hierzuvorhanden, wie die veröffentlichten Papiere des Abenteurers zeigen. Raousset wollte,was man daraus ersieht, gleichwie Napoleon III. mit Frankreich so mit Mexicoverfahren. Es ist sogar höchst wahrscheinlich, daß er hierzu von Frankreich aus mitösvßen Mitteln unterstützt wurde. Nur an Herrschaft dachte Raousset; von einem^ohern Gesichtspunkte in den Welt- und Mcnschenverhältnissen war auch nicht eineSpur vorhanden. An die Stelle der Föderation der Vereinigten Staaten MexicoSsvllte eine Despotie treten, mit Jesuiten, mit Schutz- und Finanzzvllen. Alles wäre2ut; Hinrichtungen, Bann und Mord, Confiscationen und geheime Polizei — nurwüßte es zum Ziele, zur Begründung der Raousset-Boulbon'schen Macht in Mexicodienen.

Raousset kehrte im October 1853 aus Mexico nach San-Francisco zurück, warbd>er eine Anzahl Abenteurer und unterhielt allerlei Verbindungen mit unzufriedenen,kactionärgcsinntcn Mexicancrn und Fremden zu Sonora. Gegen Ende des Sommerswaren alle Vorbereitungen zu Ende: die Flibustier gingen zu Schiffe und lan-Beginne des Augustmonats nochmals zu Guayamas. In dem Treffen,welches hier mit den mexikanischen Truppen stattfand, ward Raousset geschlagen und