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Merico und Mittelamcrika.
und ihre Güter zum Ersatz der vielen Plünderungen eingezogen. Ein Centralame-rikaner liefert in der Geschichte seines Vaterlandes solch eine eindringliche Beschrei-bung des Auftretens und der Wirksamkeit des seltenen Mannes Morazan, daß wirsie, wenn auch nur als Muster der eigenthümlichen rhetorischen Weise spanisch-amerikanischer Historiographie, mittheilen wollen.
„Um diese Zeit", sagt der spanische Amerikaner, „erschien ein vom Himmelherabgesandter Mann, der Retter seines Vaterlandes. Die Freiheit umgürtete ihnmit ihrem Schwerte und stellte ihn an die Spitze des bürgerlichen Gemeinwesens.Er kannte die Menschen, er kannte das Volk, er kannte die Revolution. Der Heldlebte für den Ruhm seines Vaterlandes; jeglicher Widerstand ist vor ihm verschwun-den. Die Constitution hochtragend, schritt er von Sieg zu Sieg, bis er endlich mitihr in die Hauptstadt einzog. Dies ist buchstäblich begründet. Ein Exemplar derConstitution wurde mit der Fahne der Republik vor der Spitze der Armee einher-getragen. Er führte von neuem das Grundgesetz ein und versammelte die zerstreutenBehörden. Ausgenommen auf dem Schlachtfelds, sonst ward kein Tropfen Blutvergossen. Die Serviles verschwanden vom öffentlichen Schauplätze. Die geknechtetePresse ward befreit und jede der Sittlichkeit nicht widerstrebende Veröffentlichunggestartet. Mit einem Worte, die Constitution und die Republik erschienen vonneuem. Der Patriotismus, die Tapferkeit, die Einsicht eines einzigen Manneshatte diesen Wandel hervorgebracht, und dieser Mann heißt Morazan!"
„Wie War zu der Zeit, bei der Ruhe, welche auf ihrem Triumph folgte, dieHandlungsweise der Liberalen? Nicht nur, daß die erleuchtete Regierungsweise derRepublik wieder auflebte, nicht nur, daß ihre frühern Einrichtungen wieder insWerk gesetzt wurden; man hat überdies neue Wege zur Verbesserung des öffent-lichen Volkswohls eingeschlagen. Obgleich sie die Verschwörungen der reactionärenPartei vollkommen kannten, so haben doch die Liberalen, der volksthümlichen Ehr-lichkeit und Tüchtigkeit vertrauend, kein geheimes Spionirwescn eingerichtet. Mankonnte die verschiedensten Meinungen, in welcher Form es immer beliebte, durchWort und Schrift verbreiten. Eine vollkommene Religionsfreiheit ward verkündetund gleicher Schutz allen Arten von Gottcsverchrung. Alle erwachsenen Leute männ-lichen Geschlechts, ohne Unterschied der Farbe und des Standes, hatten das Wahl-recht empfangen. Die persönlichen Rechte stellte man unter die feierlichsten Bürg-schaften; der Grundsatz der präsumtiven Unschuld bei allen peinlichen Anklagen, dasHabeas-Corpus-Gesetz und das Schwurgericht wurden eingeführt. Das peinlicheGesetzbuch ward auf dem Grunde der Menschlichkeit verbessert. Der Volkserziehungwidmete man die größte Aufmerksamkeit. Ein gutorganisirtes Unterrichtssystem, dergrößten Ausbildung und Ausdehnung fähig, ward eingeführt, unter dem Allen zu-gängliche Freischulen in größter Schnelle entstanden, die eine bester unterrichtete undbesser erzogene Generation als die vorhergegangene heranbildeten. Auch die Mittelbes materiellen Fortschritts wurden nicht vernachlässigt. Straßen und andere Werkeöffentlicher Nutzbarkeit sind entworfen und ausgeführt, die Aufnahme der Landengevon Nicaragua ist gestattet und vollzogen, ein Vertrag zur Eröffnung eines Schiffs-kanals vom Meer zum Meer unter günstigen Bedingungen mit dem König der Nieder-lande abgeschlossen worden."
Morazan und die Liberales erkannten, daß die Kirche der größte Feind wäre der^epublik, der größte Feind aller Freiheit, aller nationalen volksthümlichen Selbstä'n-b'gkeit. Sie suchten ihr deshalb eine Niederlage zu bereiten, aus welcher sie sichjemals zu erholen vermochte. In der Nacht des 11. Juli 1829 wurden der^rzbischvf, die Vorstände aller Klöster und Orden aufgegriffen, zu Schiffe gebrachtvd außer Landes transportirt. Alle andern Ordensleute erhielten den Befehl, in-Valb eine« bestimmten Zeitraums den Boden der Republik zu verlassen. DiePoster im Staate Guatemala wurden aufgehoben und ihr Besitzthum für Erziehung
Bildung des Volks verwendet. Das Dominieanerkloster schuf man zu einemDie Gegenwart. Xl. 43