Mexico und Mittelamerika. 701
buchten. Undurchdringliche Waldungen füllen zum Theil die Niederungen, theils be-decken sie noch den größten Theil des Hochlandes. Die Flüsse treten meist in derRegenzeit aus, und überschwemmen einen großen Theil der üppigen Savannen und'vergrößern so jährlich die sumpfigen Umgebungen der kleinen Lagunen oder Haffs,die, durch schmale Nehrungen vom Antillcnmccre getrennt, die niedere Küste umsäu-men, vor welcher in ziemlicher Entfernung vom Lande mehre kleine unbewohnte In-selgruppen: die Viciosas, Santanilla, Tiburonas und Musquitoß, sich hinziehen.Tcrassenförmig steigt das Land vom Antillenmccre an und bietet im Innern einebunte Mischung von Bergen und Vergebenen, Hügeln und Thälern. Das Klimaist ungemcin heiß und wegen der feuchten Lust in den Niederungen selbst für dieEingeborenen dcS Landes ungesund; das Binnenland ist aber um so angenehmer, unddie wenigen Europäer und der größte Theil der Indianer haben sich in das gebirgigeBinnenlaud gezogen, wo eine gemäßigte, allen Constitutionen zusagende Temperaturherrscht. Wie überall in Mittelamerika gibt es hier nur zwei Jahreszeiten: die nasseund die trockene; jene der Sommer, diese der Winter der Tropenwclt. Das Früh-jahr beginnt Ende April, wo es auch zu Zeiten regnet, die große Regenzeit beginntaber erst im October."
„In Ländern wie Mittelamerika, Texas, Florida und das große Westland derUnion, jenseit des Mississippi, sind nur junge Männer am Platze, welche keine Ge-fahren scheuen, die für sich allein , zu sorgen haben und die Fälle nehmen, wie siekommen. Die Befangenheit und Ängstlichkeit wird verschwinden, wenn sie ihre eige-nen Kräfte versucht, wenn sie Gefahren überwunden, wenn sie die Herrschaft ihrersich vergewissert haben; dann wird ein Selbstvertrauen entstehen, das sie früher nies° gekannt. Die Schwungkraft, welche ihr Geist erlangt, werden sie in allen Lagenerhalten wissen und ein eigenthümliches, gleichsam trotzendes Bewußtsein inwvh-ucndcr Kraft wird ihren Hauptcharakter bilden. Wer in die genannten Länder zieht,muß sich auf mannichfaltigc Gefahren und Entbehrungen gefaßt machen, Hungerund Durst muß er ertragen lernen, auf alle Annehmlichkeiten und Bequemlichkeitendes Lebens verzichte»; in ewiger Spannkraft müssen Geist und Körper thätig, auf-geweckt und unverdrossen sein; auf der andern Seite aber auch eine Gleichgültigkeitgegen alle Zufälle zur zweiten Natur werden. Jeder Tag, jede Stunde ist einewiger Kampf, jeder Tag, jede Stunde kann den Schluß des Lebens bringen vomErsticken im Sumpfe bis zum Ertrinken im Strom. Hier haucht der Einwandererdie giftigen Miasmen der Lagunen ein, dort entgeht er mit Mühe den klaffendenKinnladen des am Ufer lauernden Alligators, hier verfolgen ihn giftige Schlangenund schreckt das Geheul blutdürstiger Panther zurück. Myriaden stechenden Mosquitoszerfleischen seine Haut und verursachen ihm unerträgliche Schmerzen, und der Sand-stoh gräbt sich unter seine Nagel ein. Wolkenbruchähnliche Regengüsse verwandelnn ^ Umgebung in einen See, nässen sein Pulver, und, umgeben von Hecrden vonWild, ist xx j„ Gefahr zu verhungern, da seine Flinte den Dienst versagt."
„Das Thierreich bietet schwarze und gestreifte Jaguare und Kuguare, Füchse,Waschbären, Bcutelthiere, wilde Katzen, mehre Arten von Hirschen und Antilopen,as Pecary oder Bisamschwein, den Tapir, das Aguti, Cavien, Ärmadille, Stachcl-lchweinc, Eichhörnchen und zahllose Vampyre. Affen verschiedener Art bewohnenWaldungen; der Kaiman und Alligator ist in allen Wässern zu finden. Derkamst findet sich in allen Lagunen und wird gegessen. Das Geschlecht der Vogeläußerst zahlreich, zeichnet sich aber mehr durch prächtiges Gefieder als durch sei-besang aus. Vom Kondor bis zum kleinsten Würger, vom Papagai bis zumvlibri sieht man alle Vögelartcn der Tropenwclt, und in der Regenzeit bedeckenSchwärme von Schnepfen und Enten die überschwemmten Niederungen. Reichsi"d Flüsse, Lagunen und das benachbarte Meer; Schildkröten aller Artdu, " ö" Tausenden an der Küste, Leguanen und Eidechsen beleben die Wal-tbe^^' zahllos ist die Menge von Schlangen, Fröschen, lästigen Insekten und krie-"'ben, Gewürme, die in allen Tbeilen des Landes gefunden werden; Hecrden der-