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Eilfter Band.
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710
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7W Die mikroskopische Welt.

Mikroskopische Pflanzen und Thiere.

Nach zwei Richtungen hin hat das Mikroskop für die Kenntniß der organischenNatur eine neue Ära eröffnet. Den Körper aller Pflanzen und aller Thiere bishinauf zum Menschen hat dasselbe erkenne» lassen als ein Gebäude, das in mannich-faltige Kammern und Gemächer gegliedert ist, alle ohne Ausnahme zusammengesetztaus zahllosen mikroskopischen Bausteinen, die wir Zellen nennen. Das Mikroskoplehrt uns, nach welchen Gesetzen der Aufbau dieses lebendige» Gebäudes stattfindet,wie ein jegliches nach einem eigenthümlichen Bauplan, nach einem eingeborenen Ar-chitekturstil vollendet ist; j„ welcher Weise der erste Grundstein, die Keimzelle, ge-legt wird, wie zu dieser Stein an Stein, Zelle an Zelle sich fügt, nicht durch An-kitten und Auflegen von außen, sondern durch innere Selbstvermehrung; wie alle Lebens-processe des Thiers und der Pflanze in den einzelnen Zellen vorbereitet und zum Theilabgeschlossen werden; wie Das, was uns als Lebensthätigkcit des Gesammtorganismuserscheint, nur das Product zahlreicher, unsichtbar kleiner Elementarorganismen ist.

Das Leben der Zelle, die Grundlage für die Physiologie der Gegenwart, läßtsich jedoch an den unendlich zusammengesetzten Körpern der Hähern Thiere und Pflan-zen nur schwierig erforsche», weil eben dieselben so groß sind, daß die einzelnenZellen, aus denen sie bestehen, unter unsere Mikroskope nur dann gebracht werdenkönnen, wenn sie durch feine Schnitte aus dem Zusammenhang des Ganzen gelöstund dadurch zugleich gctödtet werden.

Anders ist es bei den Organismen der mikroskopischen Welt. Diese Welt be-steht aus einer endlosen Zahl von lebendigen Wesen der verschiedensten Form undEntwickelung, die aber alle Das gemein haben, daß sie, einzeln unsichtbar, nur mitHülfe des Mikroskops deutlich erkannt werden können. Nur die größten dieser Ge-schöpfe werden auch dem unbewaffneten Auge als Punkte und Strichelchen sichtbar,ohne daß man jedoch an ihnen eine bestimmte Gestalt und Organisation zu unterscheidenvermöchte; die kleinsten werde» kaum noch mit unsern besten Instrumenten wahrge-nommen, und machen sich nur in größer» Scharen bemerkbar. Diese mikroskopi-schen Organismen gehören theils dem Thierreich, theils dem Pflanzenreich an, undbewohnen in ihrer überwiegenden Mehrzahl das Wasser; sie bilden hier eine Weltim Kleinen, einen Mikrokosmos, der in der Mannichfaltigkcit der Formen den'Makrokosmos kaum nachsteht, in der Zahl derselben jedoch ihn bei weitem übertrisfl-

Die mikroskopischen Pflanzen und Thiere sind nicht nur kleiner, sondern in detMehrzahl wenigstens auch bei weitem einfacher gebaut als ihre großen Verwandte"in der sichtbaren Natur. Die Zelle, deren Selbständigkeit in den höher» For>»e"gegen das Gesammtleben des Organismus zurücktritt, ist bei den mikroskopisch^Formen in allen ihren Lebensthätigkeiten leicht zu beobachten. Ja bei vielen Mikroskop''schen Geschöpfen tritt die Zelle als selbständiger Organismus auf, und der ganzeeines solchen Thierchcn oder Pflänzchen ist in einer einzigen Zelle abgeschlossen. ÄUs'was sich auf die Entstehung und Vermehrung, auf Wachsthum, Krankheit und ^^der Zelle bezieht, läßt sich daher bei den mikroskopischen, oft einzelligen Pflanzen "!Thieren am leichtesten erforschen. Darin vorzugsweise beruht der unerschöpflicheder, gegenwärtig mächtiger als je, zahlreiche Forscher zur Beschäftigung mit d"unscheinbaren Geschöpfen anregt und bereits zur Entdeckung der wichtigsten Ä" ^gesetzt geführt hat, die zugleich den Schlüssel für das Verständniß des Lebensbei den höher» Pflanzen und Thieren in sich tragen.

Je kleiner und je einfacher gebaut die mikroskopischen Pflanzen und Th>o"^gt,den, je mehr ihre Organisation den Charakter der einfachen Zellen an sich unddesto mehr nähern sich dieselben auch einander in ihrer Gestalt und Lebensw^^^e»desto mehr vermischen sich in ihnen die Eigenthümlichkeiten, welche im go*E schchLeben die Pflanzen von den Thieren so leicht unterscheiden lassen. Wir finden- ssn-«ine große Anzahl mikroskopischer Organismen, bei denen selbst die gründlich!"tersuchung und Prüfung aller Merkmale uns darüber in Zweifel läßt, in wder beiden Naturreiche wir sie als Bürger einzureihen haben.