Die mikroskopische Welt.
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Mirbcl, Mulder, Mohl) haben es außer Zweifel gesetzt, daß die Membran allerPflanzenzcllen, möge ihre Farbe, ihr Glanz, ihre Harte und ihre Festigkeit sein, welchesie wolle, immer aus einem und demselben Stoffe gebildet sei, dessen Elemente sogemischt sind, daß zu zwölf Theilen Kohlenstoff zehn Theile Sauerstoff und zehnTheile Wasserstoff oder, wie man auch sagen kann, zehn Theile Wasser in Verbin-dung treten; diesen Stoff nennen wir Holzfaserstoff oder Cellulose. In ganz gleichemVerhältniß ist auch die Stärke, das Gummi und der Zucker zusammengesetzt, und ausdiesem Grunde läßt die Cellulose sich sehr leicht in diese gleich zusammengesetzten (iso-meren) Substanzen umwandeln; mit Schwefelsäure berührt, geht sie in Stärke, späterin Zucker über, und Braconnot, im Jahre 1854 auch Triboulet haben diesen Proceßim Großen zur Bereitung vpn Zucker aus Sägespäncn benutzt, um später wiederaus dem so gewonnenen Zucker einen Branntwein zu erzeugen. Um die Holzfaserunter dem Mikroskop zu erkennen, bedient sich der Naturforscher der Fähigkeit derCellulose, durch Schwefelsäure in Stärke sich umzuwandeln. Wird eine Pflanzen-jelle mit Schwefelsäure betupft, und fügt man dann noch einen Tropfen Jodlösunghinzu, so färbt sich die Zelle schön indigoblau; nachdem sich nämlich die Holzfaserdurch die Schwefelsäure in Stärke umgewandelt, wird diese Stärke, wie gewöhnlich,durch das Jod gebläut. Läßt man die Schwefelsäure länger auf die Zellmembranwirken, so verschwindet die letztere; die Cellulose geht alsdann endlich in Zucker über,der sich auflöst.
Die Membran der thierischen Zellen dagegen besteht aus einem Stoffe, der sichvon der Cellulose durch seinen Gehalt an Stickstoff unterscheidet und zu den Protein-substanzen gestellt wird. Jod und Schwefelsäure können eine thierische Zellmembranuicmals in Stärke umwandeln, also nie in einer Thierzclle eine blaue Färbung her-vorrufen. Jod und Schwefelsäure ist daher ei» Erkennungszeichen, ein Reagens,für eine Pflanzcnzelle, legitimirt den Organismus, dem dieselbe angehört, als einePflanze.
Noch bis vor wenig Jahren hielt man die Korallinen, sonderbare Mcergeschöpfe,welche steinernen, gegliederten und verzweigte» Bäumchen gleichen, in frischem Zu-stande roth, nach dem Tode weiß erscheinen, für Polypenstöcke, daher für Thiere,
und glaubte sie den Korallen verwandt. Im Jahre 1843 wies aber Payen nach,
daß die Korallinenbäumchen von einer dicken Kalkrinde bedeckt seien; entferne manaber den incrustirenden Kalk durch Auflösen in Salzsäure, so bleibe ein weiches,vielzelliges Gewebe zurück, das durch Jod und Schwefelsäure blau gefärbt werde,also aus Cellulose besteht. Dadurch war die pflanzliche Natur der Korallinen er-
^v'esen, und man hat später in der That sich überzeugt, daß sie in Bau und Fort-
pstonzimg ganz mit gewissen Seetangen (Florideen) übereinstimmen.
Seitdem haben Jod und Schwefelsäure noch manche andere Formen als Pflan-^en legitimirt, die viele Forscher, insbesondere Ehrenberg, als Thiere in Anspruchbenommen hatten (viele Volvocinen, Euastrum, Closterium u. s. w.), indem manuch überzeugte, daß ihre Zellmembranen, wie bei allen Pflanzen, aus Holzfaserstoffgebildet seien.
Leider hat auch diese Regel eine Ausnahme, und sogar eine doppelte, die eineunter den Pflanzen, die andere unter den Thieren. Man hat in neuerer Zeit Pflan-ionzellcn kenne» gelernt, deren Membran sich in keiner Weise in Amylum umsetzen,durch Joh und Schwefelsäure blaufarben läßt. Es gibt nämlich im Pflanzenreiche>nen zweiten Stoff, der für viele Zellen über der Cellulosehaut noch eine äußerstevulle, die sogenannte Überhaut (Lutieula) abgibt; durch Unzerstörbarkcit und Undurch-J'uglichkeit gegen Wasser ausgezeichnet, dient er dazu, die zarter» Zellen gegen"ßere feindliche Eingriffe zu schützen. Dieser Stoff führt den Namen der Cuticu->öff durch Jod und Schwefelsäure wird derselbe gelb, aber nie blau, auch
^ sich nicht j„ der Saure. Der Cuticularstoff bildet mitunter auch allein dieewbran- gewisser Pflanzcnzellcn, z. B. bei den Zellen des Korks, von denen er^ den Namen der Korksubstanz erkalten hat. Insbesondere gibt es eine Menge