Die mikroskopische Welt. 723
großen grünen Kugeln, den sogenannten Seebällen (^egsgropilg) dnrcheinanderflcch-ten; wir finden diese Confervenbälle nicht blos im Meere, sondern auch in süßenSeen, unter andern auch in dem schönen See bei Zell im Pinzgau, wo man durchdas grüne durchsichtige Wasser hindurch den Boden mit ihnen-gepflastert erblickt.
Vsuotierig. Conjugaten.
Als ganz ähnliche Däumchen, wie viele Conferven, erscheinen auch die Vau-cherien, die wir gleichwol als eine besondere, höchst merkwürdige Familie auffassenmüssen; denn nur der äußere Anblick gleicht sich bei beiden Formen, ihr Bau istganz verschieden. Das Vaucherienbäumchen ist nämlich nicht aus einer Reihe zahl-reicher Zellen aufgebaut, wie die Conferven; sondern es ist in allen seinen Theilenvon der Wurzel bis zu den Zweigen eine einzige Zelle; die verschiedenen Veräste-lungen sind nur Aussackungen eines grünen, inwendig nirgends gegliederten Schlau-ches, etwa wie die Finger eines Handschuhes. Bei der Vaucheria und ihren ver-wandten Gattungen (kor^opsiz, Lotrväium) haben wir ein sonderbares Beispiel vonunentwickelter Arbeitstheilung im Pflanzenreich: wenn bei höhcrn Gewächsen dasGeschäft der Nahrungsaufnahme, der Saftleitung, Verarbeitung und Fortpflanzungauf verschiedene Organe, bei den Conferven wenigstens aus verschiedene Zellen ver-theilt ist, so sind hierfür bei den Vauchericn nur verschiedene, aber nicht abgeschlos-sene Theile einer und derselbe» Zelle bestimmt; dieselben sind daher wahrhaft ein-zellige Pflanzen. Die Familie der Vaucherien findet sich im Quell- und Mcerwasser,die Vaucherien selbst gedeihen in frischen Bächen, selbst in Wasserfallen; eine imBau sehr verwandte Form entwickelt sich dagegen auf Fliegen, Spinnen und an-der» Insekten, die im Wasser ertrunken sind, selbst auf todten Fischen und Fröschen.Die Leichen dieser Thiere werden nämlich von einem weißen Schimmel umgeben,der strahlenförmig sich ringsum ausbreitet und einen wolkenartigen Hof bildet; erbesteht aus zahllosen Schläuchen, die auf dem Thierkörper festwurzeln, und an derSpitze zu dicken Fruchtkculcn anschwellen. Diese Gebilde, die den Namen(Moderschlauch) erhalten haben und von einigen Forschern zu den Pilzen gestelltwerden, unterscheiden sich zwar von den grünen Vaucherien durch ihre Farblosigkeit,die jedoch allen parasitischen Pflanzen zukommt; sonst aber sind sie den Vaucheriensehr ähnlich und, wie diese, einzellige Organismen.
Die Familie der Conjugaten besteht aus kurzen, walzenförmigen Zellen, diewie bei den Conferven zu langen Fäden aneinandergereiht, aber niemals verzweigt!wd; sie unterscheiden sich von den Conferven vorzugsweise durch die Beschaffenheit>hres Zellinhalts, in welchem das Chlorophyll als ein einfaches oder doppeltes zierlichauSgefranztes, grünes Band erscheint, das schraubenförmig sich auf der Innenseite. Zellwand cmporschlingt (Spirog^i-a, Schraubenfaden), oder in Gestalt grüner,welstrahligxr Sterne auftritt, deren zwei in jeder Zelle schweben (rygnsms, Stern-saden). Den wichtigsten Charakter der Conjugaten, der in der Samenbildung be-ruht, werden wir bei der Untersuchung der Fortpflanzung berühren.
DeSmidieen.
An die Conjugaten schließt sich zunächst die Familie der Desmidieen. Hierund View» Arten die Zellen noch fadenförmig nach Art der Conferven aneinan-dergereiht; aber sie unterscheiden sich von den Conjugaten dadurch, daß die einzel-^"Zellen nicht glatt cylindrisch, sondern von der zierlichsten Gestalt sind; baldL eichen sie kleinen Tönnchen mit hervorspringenden Reisen (öswdusins), bald äh-e n sie mehr durchbrochenen Kettengliedern (lstkmosirg, Fadenkette), bald erscheinene wie dreiseitige Prismen, die säulenförmig übcreinandergestellt sind, wie bei derattung vosmillium (Eckenbändchen), die der ganzen Familie ihren Namen gegebenBei vielen Gattungen der Desmidieen sind die Zellen nicht zu Fäden vcr-""den, sondern leben isolirt, als freie, stets einzellige Individuen und nehmen als-
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