Band 
Eilfter Band.
Seite
731
JPEG-Download
 

731

Die mikroskopische Welt.

zelte, krotaoocwus; die Arten dieser Gattung sind einzellige, grüne oder rothe Ku-geln, welche wir meist in großer Menge am Boden der Gewässer, aber auch außer-halb des Wassers als farbige Überzüge auf feuchtem Erdboden, an Mauern, Zäu-nen, Bäumen antreffen. Die jüngsten Zustande der Flechten sehen diesen Protococ-cuskugeln so ähnlich, daß es zweifelhaft ist, ob nicht ein großer Theil derselben nurein vorübergehender Entwickelungszustand höherer Pflanzen (Flechten) sei. Sind dieprotococcusartigen Zellen durch eine farblose Gallert zu schleimigen Massen vereinigt,so bezeichnet man sie als Palmellen oder Gloecocapsen (Zittertange und Gallertrinde),welche formlose, meist schönfarbige Schleimmassen, schlüpfrige Kugeln oder Traubendarstellen. Bei andern Arten bildet die Gallert, welche die Zellen verbindet, weiteRöhren, die oft baumförmig sich verzweigen (ll^clrurns, Wasserschwanz). Oder dieZellen sind in einfacher Reihe zu großen schlüpfrigen Häuten verbunden, welche baldauf der Oberfläche unserer Teiche schwimmen (Tstraspors), bald gleich krausen Sa-latblättcrn von den Meereswellen getragen werden (VIvs, Meersalat), oder auf demErdboden grüne Membranen ausbreiten (prasiola, Krausblatt).

Phycochromalgcn. Oscillarien. Vibrionen.

I» den bisher von uns betrachteten mikroskopischen Familien herrscht fast ohneAusnahme das Grün, und zwar so, daß in seiner Mischung das Gelb überwiegt,wie es auch in den meisten Bäumen und Kräutern der Fall ist. Bei allen diesenPflanzen sind die Zellen mit Chlorophyll erfüllt, und auch diejenige» Algen, beidenen wir rothe oder braune Färbung bemerkten, verdanken dieselbe einem Farb-stoffe, der mit dem Chlorophyll nahe verwandt und aus demselben hervorgegangenscheint.

Eine andere Reihe mikroskopischer Algen ist zwar ebenfalls grün; aber hierüberwiegt in der Mischung das Blau, sodaß wir meist spangrüne bis stahlblaue Tönebemerken. Der Farbstoff dieser Algen ist von dem Chlorophyll verschieden, undscheint mit dem Indigo verwandt, der bekanntlich in den Blättern vieler Pflanzen(Orchideen, Nhinanthaceen, Leguminoscn, Compositen u. s. w.) das Chlorophyll er-setzt; er hat von Nägeli m Zürich den Namen des Phycochrom erhalten. Als Mo*difieationen desselben, aus ihm hervorgegangen, finden wir blaue, purpurrothe, vio-lette, olivenbraune und gelbe Färbungen. Die durch Phycochrom gefärbten Algenstehen im Allgemeinen auf einer niederern Stufe als die chlorophyllhaltigen und zei-gen minder mannichfaltige Formen und Entwickelungen. Die Familie der Chlors-eoccaceen entspricht im Bau gänzlich den Palmelleen, und unterscheidet sich eben nururch die spangrüne Farbe von ihnen; einen eigenthümlichen Typus dagegen reprä-räthselhafte Familie der Oscillarien oder Schwingfäden. Es sind dies«atzen, j„ Vergleich zu den Confcrvcn dünn und kurz, deren spangrüne Zellen schnia-cn Scheiben gleichen und wie die Münzen einer Gcldrvlle übereinanderliegen. Sol-chor Fäden sind oft Millionen zu einem dichten Filze ineinaudergewirrt, welcher als'.^arzblaue oder dunkelgrüne Haut oder Gallert den Schlamm der Gewässer bedeckt;""besondere lieben sie die warmen Wasser der Thermen, und in den schwefelhaltigenww die Oscillarien stets als dicker grüner Schleim, sogenannter Badeschlamm, imöden in zahlreichen Arten zu finden. Legt man ein Stückchen von einem Oscil-d/"oo^ eine Glasplatte, so gerathen die Fäden in Bewegung, offenbar durch» " Rkiz des Lichtes angeregt; sie kriechen aus dem Gewirr heraus und breiten sichahlenartig am Rande des Filzes aus. Dieses Fortkriechen geschieht so rasch, daßPlök ^ fast mit bloßem Auge verfolgen kann, und es sieht aus, als ob die Fädender Ä am ganzen Rande nist riesiger Geschwindigkeit auswachsen; darum haben indock - Naturforscher fälschlich den Vorgang so aufgefaßt. Fstirt man je-

^ einen einzelnen freiliegenden Faden, so sieht man, daß derselbe in ununterbro-fchra^ Wächst mannichfaltigen und wunderlichen Bewegungen begriffen ist. Erachte ^ st^l in regelmäßiger Thätigkeit vorwärts, indem er sich stetig um seine Längs-dreht, ganz so wie eine Schraube, die in ihrer Mutter läuft; gleichzeitig be