730 Die mikroskopische Welt.
einzelligen Volvocincn in allein Wasser, insbesondere im Frühjahr, meist in solcherMenge, daß dasselbe auf weite Strecken tief grüngefärbt wird (Hüllcnzelle, 61>lamz-Oomonas, Lklam^üoooecus); auch in faulem Wasser lebt eine eigenthümliche Art,die aber ganz farblos ist sOlilamzclomonus Ii^aiina Lolni, von Ehrcnberg Theil-monade, I'olz-toina llvolla genannt).
In der Regel sind jedoch bei den Volvocincn die Zellen zu Familien vereinigt,und zwar so, daß eine große Anzahl derselben in einer bestimmten Ordnung sichgruppirt und alle zusammen von einer gemeinschaftlichen Blase umschlossen sind.Entweder reihen sich acht grüne Zellen zu einem durchbrochenen Ringe aneinander,der ini Äquator einer glashcllen Hohlkugel eingeschlossen ist (8topl>snos>il>a6rg, Kranz-kugel); oder ihrer 10 sind in eine flache quadratische Tafel in künstlicher Ordnungeingelegt, sodaß man sie mit dem Brustschilde des jüdischen Hohenpriesters, das mitvier Reihen Edelsteinen geschmückt war, vergleichen konnte (Ooinum, Zellentafcl). Oder16 — 32 Zellen sind maulbcerartig um einen Mittelpunkt gruppirt, wie bei der?sntIori»g (Beerenkugel) und bilden eine lebendige bräunliche Rosette (8znura,Strahlenkugel). Die berühmteste und schönste Form dieser Familie, der sie ihrenNamen verdankt, ist die Stcrnenkugel (Volvox), gewöhnlich unter dem Namen desKugelthierchen bekannt. Sie erreicht wol die Größe eines Sandkorns, ist daherunter allen Volvocincn allein mit bloßem Auge zu erkennen und gleicht einer sternen-bcsäeten Himmelssphärc. Auf dem bläulichen Grunde einer mathematisch regelmäßigenKugel sind viele Hundert grüner Sterne in regelmäßigem Abstände vertheilt, ein je-der mit einem rothen Punkte geziert. So rollt der kolossale Ball majestätisch durchdas Wasser dahin, ein lebendiges Weltgebäude; oft sind ihrer so viele in einemTeiche vereinigt, daß das Wasser von ihnen eine schöne grüne Farbe annimmt. Bisauf Ehrcnberg glaubte man, der Volvox sei ein einfaches Thier, und es ist eineglänzende Entdeckung dieses Naturforschers, daß er in ihm ein« Familie, einen Po-lypenstock von Organismen, die grünen Sterne als die wahren, selbständigen Indi-viduen erkannte. In diesen gibt Ehrcnberg zwar eine zusammengesetzte thierischeOrganisation an, die jedoch durchans nicht zu erweisen ist; sie sind vielmehr, gleichden einzelnen Zellen der Zcllentafel, der Beerenkugel, ganz so gebaut wie die ein-fachen Pflanzcnzellen der Gattung Chlamydomonas, und besitzen wie diese jede zw"bewegliche Fäden oder Wimpern, die durch Löcher in der gemeinschaftlichen Blastins Wasser Hinausreichen. Indem diese Wimpern bei allen Zellen einer Volvocinen-familie gleichzeitig rhythmisch und nach bestimmter Richtung sich niederlegen und w"'der aufrichten, versetzen sie den ganzen Zellcnkörper in rollende Bewegung. Diel,Bewegung ist es vorzugsweise, auf welche die gewöhnliche, insbesondere von Ehre"berg getragene Ansicht, daß die Volvocincn Thiere seien, sich stützt. Doch gelansschon Turpin in Paris im Jahre 1828 zur Überzeugung, daß wenigstens die Zc"^tafeln (üvnium) Pflanzen sein müßten; aber erst 1842 sprach es Siebolddaß alle Volvocincn aus dem Thierrciche auszuscheiden seien. Siebold begründiesen Satz auf die Abwesenheit der Contractilität bei den Votrocinen; aber stHauptstütze fand derselbe erst durch die genauere Erforschung der Entwickelt"'" ,geschichte, die wir den Untersuchungen von A. Braun und insbesondere von ^verdanken, welche mehre Gattungen derselben monographisch bearbeitet haben. ^ haßauf die Entwickelungsgeschichte noch zurückkommen, so bemerken wir hier nur, ^nach Cohn die Blase der einfachen Hüllenzelle (iliilmnz'üooocwus pluvialis) "'^rcbachtzelligcn Kranzkugel s8topImno-ipImLra) echte Pflanzenzellmembranen si"^-Jod und Schwefelsäure sich blaufärben. Be-
Obwol die Volvocincn den größten Theil ihres Lebens in schwär»"" ^ siewegung begriffen sind, so gehen sie doch am Ende in einen Zustand über, ^ihre schwingenden Wimpern und dadurch auch die Fähigkeit verliere", M
selbstthätig zu verändern. Alsdann werden sie gewöhnlichen ruhenden ^a^.Mcee"ganz ähnlich, insbesondere denen, die zur mikroskopischen Familie der Pa ^ flr-oder Zittertange gehören. Hier treffen wir die einfachste aller Pflanze",