734 Die mikroskopische Welt.
und daher nicht zu glatten, sondern zu rosenkranzförmigen Fäden aneinandergereihtsind; doch vermögen sie unter Umständen ähnliche Bewegungen wie die Oscillarien,wenn auch nicht so energische, zu vollführen. Dergleichen Rosenkranzfäden sindcharakteristisch für die Familie der wostooimae, und entweder frei, zu schleimigenMassen gesellt ( 6 vlinclro->psrmum, Walzensame u. s. w.), oder durch farblose Gallertzu kugeligen Körpern verbunden (dlostoo), die,, oft noch von einer großen Blase ein-geschlossen, von der Große eines Sandkorns bis zu der einer Faust aufsteigen, undbald im Wasser schwimmen oder an Blättern hängen, bald auf dem bloßen Erdbo-den zwischen Gräsern und Moos sich entwickeln. Diese letzter» Arten haben durcheine physikalische Eigenthümlichkeit zu sonderbaren Ansichten Veranlassung gegeben.Trocknet nämlich im Sommer der Boden mit den Nostockugeln aus, so schrumpfendiese zu unscheinbaren, dünnen Häutchen zusammen, die man mit der größten Sorg-falt kaum aufzufinden vermöchte. Kommt dann im Herbste ein warmer Regen überdas Erdreich, so quillt mit einem male die vertrocknete Nostocgallert auf und schwillt !zu mächtigen Klumpen an. Fand man nun einen Acker mit dergleichen grünlichenoder bräunlichen Massen in Unzahl bedeckt, auf einer Stelle, wo man Tags zuvornoch keine Spur davon bemerken konnte, so mußte man leicht auf den Gedanke»kommen, daß dieselben vom Himmel herabgercgnet seien; und wir finden in der Thatdie Nostocmassen gar oft als Sternschnuppenmaterie, als der schleimige Rest zur Erdtgefallener Feuermeteore beschrieben und in Sammlungen aufbewahrt.
Diese Formen sind auch darum merkwürdig, weil sich unter ihnen ein bissignoch nicht genügend aufgeklärter Berührungspunkt zweier sonst sehr verschieden ge'Kanter Familien unter den Zcllenpflanzen darbietet, nämlich der Algen und der Flech'ten. An Steinen, aus Sand u. s. w. finden wir gewisse Gattungen von lappig^Gestalt, gallertartiger Struktur, die mit nostocähnlichen Rosenkranzfäden ganz erfü»sind, gleichwol aber Früchte hervorbringen, gleich den eigentlichen Flechten (Lollews)'Auch in einigen verwandten Familien der Phycochromalgen (den Rivularieen, ScY'tonemecn u. s. w.) begegnen uns Formen, von denen man nicht weiß, ob sie «ichvielmehr als jüngere Entwickelungsstadien zu gewissen Flechten gestellt werden >'">!'sen. Jhigsoh» in Neudamm, Flotow in Hirschbcrg, Bornet in Cherbourg ha^auf mehre solcher Gebilde aufmerksam gemacht, die gewöhnlich als die Familie ^Byssaceen zusammengefaßt werden.
Entwickelungsgeschichte der mikroskopischen Algen.
Es ist der wesentlichste Gesichtspunkt, welcher die Natursorschung der GcS^wart gegen frühere Zeiten auszeichnet, daß die heutige Wissenschaft einen Org»''^mus in keinem seiner Zustände für vollendet und seinem Begriff entsprechend anMsondern sein Wesen nur in einer gesetzmäßigen Reihe von Entwickelungszuständc»erkennen glaubt, von denen jeder die Folge eines bestimmten frühern und derläuser eines bestimmten spätern Stadiums ist, daß also jedes lebende Wesenals ein Seiendes, sondern als ein Werdendes aufgefaßt wird. Wie der BegE^^iMenschen in Wahrheit weder im Kinde, noch im Jüngling, noch im Greise,in der Summe und Einheit aller dieser Epochen zur Erscheinung kommt, sojegliche Pflanze und jegliches Thier seinem Wesen nach nur eine Reihenfolgeliger Entwickelungszustände: wir glauben überall eine Form erst dann i" " ,00""
wenn wir beobachtet haben, wie sie geworden und war auS ihr werden w>r ^
wir ihre Entwickelungsgeschichte erforscht haben. >§ «etttsi^
Die Entwickelungsgeschichte der mikroskopischen Algen war bis in h>et
Zeit völlig unbekannt; seitdem man aber zu der Überzeugung gelangt fast
der Schlüssel für die wichtigste» Fragen der Physiologie verborgen liegt, h ^ einealle bedeutender« Botaniker sich diesem Gebiete zugewendet und dasselbe AxaU»
lange Reihe unerwarteter Entdeckungen bereichert. Unter diesen hat sich 'd^n ^nicht nur durch eine große Menge neuer Beobachtungen ausgezeichnet, ^,°
hat auch sämmtliche Thatsachen unter allgemeine philosophische Gesich