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Eilfter Band.
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Die mikroskopische Welt. 739

bewegliche Wimpern (Geißeln, Rüssel); auch der Charakter der Bewegung ist der-, selbe, da man auch bei den mundlosen Thieren von Willkür und Zweckmäßigkeit

§ nicht gut reden kann. Nichtig ist es, daß die Bewegung vieler Schwärmzellen eben

, ^ nicht den Eindruck thierischen Lebens macht, namentlich bei den schwerfälligern For-

men und kurz 'vor dem Keimen, wo das Schwärmen allmälig ermattet. Sie erin-nert mehr an die seltsamen Bahnen des bekannten Spielwerks, wo eine künstlicheMaus durch eine im Innern befindliche Feder mit Hülfe kleiner Räder dahinge-trieben, und durch jedes äußere zufällige Hemmniß zu unregelmäßigen Curven per-lurbirt wird, die gleichwol auf den ersten Blick sich als rein automatische bekun-den. Aber die Bewegung der Euglcnen, Monaden, Trachelomonaden, auch der jun-gen Infusorienembryonen macht ganz den nämlichen Eindruck. Die Structur istwenigstens sehr analog, da auch den Schwärmsporen in der Regel die starre Cellu-losehaut der gewöhnlichen Pflanzcnzcllen fehlt, und ihnen nur eine zarte, weiche, derJnfusoriensubstanz vielleicht sehr verwandte Hautschicht zukommt; ja mau hat sogaran gewissen Schwärmsporen regelmäßig in den glashellen Köpfchen einen rothenPunkt nachgewiesen, der sich in ganz gleicher Weise auch bei mundlosen Infusorien(kuglvua) findet, und von Ehrcnbcrg, wir lassen es hier dahingestellt, ob mit Rechtoder Unrecht, als Nudiment eines Auges gedeutet wurde. Daß jedenfalls dieL-chwärmzellen für das Licht empfänglich find, haben wir aus ihren Bewegungenbereit? erkannt; ja sie besitzen sogar ein überaus feines Gefühl für die unbedeutend-sten Unterschiede des Lichts, da sie selbst in einen, kleinen Wafsertropfen sich stets anden zum Fenster gewendeten Rand begeben, dessen stärkere Beleuchtung wir schwer-1'ch auf eine andere Weise wahrnehmen könnten. Cohn wies selbst nach, daß die

schwärmenden Zellen einiger Volvocincn (Gonium und Chlamydomonas) zwei pulst-rende, abwechselnd verschwindende und wicdcrcrschcincndc Hohlräume besitze», die ganzsi»t den contractilen Blasen der Infusorien übereinstimmen, und Vielleicht Rudimenteeures Herzens oder Nespirationsorgans sind. Wir halten es in vielen Fällen schlech-terdings für unmöglich, ohne Kenntniß der Entwickelungsgeschichte anzugeben, ob einbewegliches Körpcrchen die Sporen einer Alge oder ein selbständiges Jnfusionsthierchen sei.

Dolange wir also die mundlosen Infusorien (Monaden und Euglcnen) nichtsämmtlich ins Pflanzenreich einrcgistrircn können, müssen wir zugeben, daß dieSchwärmsporen der Algen zwar immerhin Pflanzen sind, aber doch nicht nach demTypus gewöhnlicher Pflanzmzellen, sondern wirklich nach dem gewisser Thierformenöebaut, oder diesen doch so ähnlich, daß uns oft die Mittel fehlen, beide zu untcr-Ichcidcn. Es wiederholt sich hier eine Erscheinung, der wir auch sonst noch in^ Entwickelung organischer Wesen begegnen. Aus den Eiern eines Schmetterlingsentsteht xche Raupe, die nicht wie ein geflügeltes Insekt, sondern wie ein Wurm»ebaut ist, obwol es nicht als Wurm, sondern als Entwickelungsstufe eines Insektspachtet werden muß. Aus den Knospen eines angehefteten Polypen sprossen frei-lchwinunendc Quallen, aus dem Samen eines Mooses entwickelt sich ein Vorkcim,Er ganz wie eine Conferve gestaltet ist u. s. w. So sind die Fortpflanzungskörper^ Algen mikroskopischen Thieren ähnlich organi ui, ohne doch zu ihnen z» gehören.. Im Allgemeinen müssen wir die Schwärmzcllenbildung als einen Zustand ge-folgerter Lebcnsencrgie betrachten; denn nur unter den günstigsten Bedingungen des^Hts, der Wärme, bei reichlichster Nahrung kommt sie zustande; nur dann wird° Thätigkeit der Confervcnzellen so erhöht, daß sie Eigenthümlichkeiten, die sonsterl"r^"' .'"tcnsiver belebten Thiere zukommen, zu äußern vermag. Bei der Keimungleb ^sr ^hohte Energie, und nur die gewöhnlichen Thätigkeiten des Pflanzen-ens erhalten sich dann noch. Ist das Leben der Mutterpflanze matter, so kommenvh ^°ren überhaupt nicht zum Ausschwärmen, und keimen in ihren Mutterzellen,e sich vorher bewegt zu haben.

ee,ts^. rr Act der Bewegung ist bisher noch nicht erklärt, und es muß noch un-lchwden bleiben, ob die Wimpern allein die motorische Kraft vertreten, oder ob

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