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Eilfter Band.
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Die mikroskopische Welt.

Keimung der Schwärmsporen.

Die Schwärmsporen setzen ihre infusorienähnlichcn Bewegungen oft durch mehrtStunden und selbst Tage fort; allmälig aber werden ihre Drehungen langsamer!die Sporen ruhen öfter aus; man sieht, daß die Thätigkeit zu erlöschen beginnt,die sie rastlos dahingetricbcn; endlich stehen sie für immer still. Nun rundet dieSpore stch zur glatten Kugel ab, indem sie die langen Wimpern, das spitze Köpf-chen einzieht, und nach kurzer Zeit bemerkt man, daß die grüne Kugel von einerbreiten dunkeln Linie eingefaßt ist. Es hat sich unter unsern Augen eine Cellu-losemembran um die zur Ruhe gekommene Schwärmspore gebildet, die bis dahineine nackte Schlcimkugcl gewesen, und dadurch hat sie den Charakter einer gewöhn-lichen Pflanzenzelle angenommen: sie ist gekeimt. Stammt die Schwärmzelle von ei-ner Vauchcric, so beginnt bald die grüne Kugel an zwei Punkten in schlauchartige»Fortsätzen auszuwachsen; das eine Ende wird zu einem Würzelchen, das sich an ir-gendeinen fremden Körper anheftet, das andere verlängert sich aufwärts zu einen"stengclähnlichcn Schlauch, der bald an der Spitze wieder neue Schwärmsporen ent-bindet. Bei der Schwärmspore einer Confcrvc theilt sich nach dem Keimen da§obere Ende durch eine Scheidewand in zwei Zellen; jede derselben theilt sich wie-derum und so fort. So entsteht in einer Reihe von Generationen ein ZcllcnfadeWganz wie der war, aus den, einst die Schwärmzcllc ausschlüpfte. Die Familie dc»Zellcnstcrn (LmliaKtrum) besteht aus 16 zu einer stcrnähnlichen Scheibe verbundenenZellen; sie pflanzt sich fort, indem in jeder Zelle sich 16 Schwärmsporen bilden-Durch einen Spalt in der Mutterzclle treten dieselben aus, bleiben jedoch von eint"Blase umgeben, innerhalb deren sie eine kurze Zeit schwärmen; dann keimen sie, in-dem sie sich in einer Ebene ancinanderlcgcn und sich gegenseitig zu einem neuenZellenstern verbinden. Wir ersehen daraus, daß die Schwärmzellen trotz ihres ins^sorienähnlichen Ansehens doch in der That nur Organe sind, durch die die Algen Dfortpflanzen, daß sie als die Samen oder Sporen derselben betrachtet werden müfstn-

Dic Pflanze im Moment der Lhicrwerdung.

Wie haben wir uns aber diesen wunderbaren Vorgang zu deuten, der von Älleni abweicht, was wir im Leben der höhern Pflanzen beobachten können? Als uger in Wien zuerst die flimmernden Wimpern der Vauchcricnsporen entdeckt !rief er begeistert aus: „Hier ist die Pflanze im Moment der Thierwerdung!"

Jahre vorher hatten Purkinje und Valentin das Flimmercpithelium als charaktcrusches Kennzeichen thierischer Gewebe entdeckt, und in allen Infusorien hatte Eh^berg die schwingenden Wimpern als Bcwcgungsorgane nachgewiesen. Die Va"^.riasporcn schienen nach Unger's Ansicht völlig mit Infusorien oder Polypenewb^ncn übereinzustimmen, die, an ihrer ganzen Oberfläche flimmernd, durch das 2v-stschwärmen. > ..

Daß eine Pflanze ein Thier gebäre, welches absterbend sich wieder zutscheteine Pflanze verwandle, erschien jedoch so unglaublich, daß die meisten Naturfon^der Ungcr'schen Anschauung widersprachen und behaupteten, eine Pflanze ,§i«Thier, immer nur Pflanze sein; die Schwärmsporen der Algen, deren man ' °j„cschen noch eine große Anzahl entdeckte, hätten in Form und Bewegungoberflächliche Ähnlichkeit mit Infusorien, ließen sich aber bei genauerer Unterst,^„eNleicht im Bau wie in der unwillkürlichen, zwecklosen Ortsveränderung vv"unterscheiden. aewoN-

Nach den Ergebnissen, die wir schon oben bei Erörterung dieser .fusorstvncn, sind in der That die Schwärmsporen von den mit Mund begabten 2' A„„ä-so wesentlich charakterisier, daß von einer Verwechselung, ja selbst von ^sse"^herung dieser beiden Geschöpfe kaum die Rede sein kann. Desto größer undlicher erscheint aber die Übereinstimmung mit gewissen mundloscn Infusorien-nur werden wir bei diesen Thieren alle Formen der Bcwegungsorgane wie yierdie den Schwärmsporen zukommen, Wimpcrpclz, Wimperkranz, ein, zwei

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