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Die mikroskopische Welt.
lkn angeheftet sind; wenn diese Magen leer sind, so erscheinen sie wie kreisrunde,wasserhelle Bläschen in der Körpersubstanz des Thieres, die oft mir röthlichem Ma-gensäfte erfüllt sind. Der Darm selbst ist in nüchternem Zustande zusammenge-fallen und deshalb unsichtbar; frißt aber das Thier, so sieht man die Speise durchden Darm hindurchgehen und alsbald in den ersten Magen treten; hat sie hier einezciklang verweilt, so geht sie durch die folgende Darmstreckc in den zweiten Magen,während der erste sich mit einer neuen Speiscportion füllt u. s. w. Ist endlich dieSpeise durch alle Magen der Reihe nach hindurchgewandert, so wird der unverdau-liche Nest durch eine Astcröffnung wieder ausgeworfen. Daher sieht man im Kör-per der Infusorien zahlreiche kugelige Nahrungsmasse» anscheinend ganz frei liegenund im Kreise nach der Afteröffnung sich fortbewegen; es wird dabei der alle Ma-gen verbindende Darm übersehen, dessen Verlauf nur bei einigen Arten ohne wei-teres deutlich erkannt werden kann. Am leichtesten überzeugt man sich von der Ge-genwart eines Mundes sowie von der Struktur des Darmkanals, wenn man demWasser feinpulverige Farbstoffe, am besten Indigo oder Karmin, beimischt; alsdannsieht man rothe oder blaue Klumpen in der Speiseröhre sich bilden und fortlaufendvon Magen zu Magen treten, sodaß man nach kurzer Zeit im Körper zahlreicheHäufchen des Farbstoffs als scheinbar iiolirte, ohne Ordnung zerstreute Kugeln er-blickt, die endlich durch den After wieder entleert werden. Bei einigen Infusorienzeigt sich keine Färbung durch Indigo oder Karmin; dies liegt aber nur darin, daßdergleichen Arten diese Farbstoffe nicht gern fresse», oder daß ihre Magen zu kleinsind, als daß sie mit unsern Mikroskopen noch erkannt werden könnten.
Das im Darmkanal ausgearbeitete Blut der Infusorien circulirt in besondern^cfäßen, deren Gegenwart übrigens Ehrcnbcrg zwar bei jeder Art erwähnt, ohnejedoch jemals den Zusah zu vergessen, daß wegen ihrer Feinheit diese Gefäße un-sichtbar geblieben seien. Ebenso wenig gelang es ihm, eigenthümliche Ncspirations-vrgane zu erkennen; noch war es ihm möglich, besondere Nervensäden zu unterschei-den. Doch ist die Existenz derselben nach seiner Annahme erwiesen durch die Sinnes-organe, von denen der Gesichts,,m in vielen Infusorien durch ein rothes Auge mitdahinter liegendem Ganglion vermittelt wird, wahrend der Geschmack sich nur durchdie Auswahl der Nahrung, unter Andern, auch durch den Widerwillen gewisser Ar-ten gegen den Indigo, bekundet. Die Muskeln dagegen sind in der Regel in be-stimmten Reihen in der Haut der Infusorien vertheilt und heften sich an kurzeHärchen oder Wimpern an, mit denen entweder die ganze Oberfläche oder nur ein^heil des Körpers besetzt ist. Indem durch die Muskeln diese Wimpern in energische""d willkürliche Bewegung verseht werden, können die Infusorien nicht nur sehrtasch „ach Belieben ihren Ort verändern, sondern auch ihre Beute mit Hülfe eineserregten Strudels in die Mundöffnung hineintreiben, oder wenn sie ihnen nicht^hagt, wieder aus dem Schlunde herauswerfen. Frühere Beobachter, die. fremdeKörper, selbst kleinere Thierchen oft mit sichtlichem Widerstreben in den Schlund ci-"Es Infusoriums hinabgezogen sahen, hatten dies fälschlich einer Zauberwirkung inFerne, einem vergiftenden Blick zugeschrieben, wie er den Klapperschlangen bei-^°hnen soll. Andere Muskeln dienen dazu, den Jnfusorienkörpcr oft in wunderlicher^eisc zusammenzuziehen und auszudehnen, oder einen langen Rüssel in Bewegungö" sehen, der bei vielen Arten die Ortsveränderungen vermittelt.
^ Endlich können sich zwar alle Infusorien in ungeschlechtlicher Weise durch
^clbsttheilung rasch zu außerordentlicher Zahl vermehren; außerdem aber ist ein jc-es djxHr Thierchen gleichzeitig mit männlichen und weiblichen Geschlechtsorganenersehe,,: nämlich mit einer Samcndrüse, einem dunkeln, kugeligen oder bandförmigenvrper, in welchem der Samen gebildet und in eine große contractile Blase ausgeschie-wird. Diese Blase kann sich von Zeit zu Zeit zusammenziehen, und soll dannn befruchtenden Samen durch feine Gesäße nach den kleinen Eiern treiben, die ansi>^^ ^'trstock befestigt und über die ganze Körperflä'che vertheilt seien. Die Infusorien' " daher nach Ehrenberg Hermaphroditen, die sich selbst befruchten; eine Begattung