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Eilfter Band.
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Die mikroskopische Welt.

mindestens noch sehr zweifelhaft sind. Seine phantasicreiche Darstellung hat über garManches den Schein einer unumstößlichen Wahrheit ausgebreitet, das bei genauererBetrachtung höchstens als subjektive Vermuthung gelten dürfte. Es hat sich infolgebesten der Fortschritt der Wissenschaft seit dem Erscheinen der Ehrenberg'schcn Unter-suchungen vorzugsweise in der Opposition gegen dieselben bekundet, die sich mit Unrechtdas Ansehen eines unerschütterlichen, vollkommen in sich abgeschlossenen Gebäudes gege-ben hatten. Das Hauptvcrdicnst der Forscher der Gegenwart, unter denen wir Du-jardin in Reimes, von Siebold in München, Stein in Prag hervorheben, beruhtdarauf, daß sie, unbeirrt durch die überwiegende Autorität Ehrenberg's, und in An-erkennung der großen Verdienste dieses Mannes, doch dessen Lehren mit strengerKritik beleuchtet und geprüft haben, vor der freilich fast keine einzige der Ansichtenüber den Bau und das System der Infusorien ohne wesentliche Berichtigungen Stichgehalten hat.

Dennoch sind noch immer Ehrenberg's Untersuchungen über die mikroskopischenThiere, die er in dem Prachtwerke: „Die Jnfusionsthierchen als vollkommene Organis-men" (Leipzig 1838), sowie in dessen zweiten Theil, der leider noch unvollendeten „Mi-krogeologie" (Leipzig 1855), außerdem aber noch in mehren größern Arbeiten in den „Ab-handlungen der berliner Akademie der Wissenschaften", dann in einer sehr großen An-zahl kleinerer Aufsätze in den Monatsberichten dieser Akademie seit dem Jahre 1857niedergelegt hat, noch immer der Ausgangs- und Mittelpunkt für alle mikroskopi-schen Studien der Gegenwart, und einhalten einen unerschöpflichen Schatz der werth-vollsten Beobachtungen, dessen Ausbeutung freilich um so schwieriger ist, als seineHauptwerke durch ihre übertrieben kostbare Ausstattung in die Hände nur Wenigerkommen können und die Art seiner Darstellung vor der Überfülle der Details nurschwer zu allgemeiner» Überblicken gelangen läßt. Wir werde» daher auch hier bei un-sern Untersuchungen von einer kurzen Darstellung der Ehrenberg'schcn Auffassungüber die Infusorien ausgehen müssen, umsoinehr, als dieser Forscher, unbeirrt durchdie Widerlegungen seiner Gegner, dieselbe noch immer in ihren kleinsten Einzelheitenfestzuhalten sich bemüht.

Ehrenberg's Ansichten über den Bau der Infusorien.

Ehrcnberg geht, wie schon früher bemerkt, von der Grundanschauung aus, daßalle Thiere und alle Pflanzen wesentlich nach einem und demselben Plane, nachEinem Typus gebaut und organisirt seien; daß aber der Typus der Thiere von demder Pflanze» durchaus verschieden, und zwar unendlich höher als dieser sei; daßnämlich allen Thieren ohne Ausnahme eine Reihe von Organensystcmen zukomme,die allen Pflanzen ohne Ausnahme fehlen. Keine Pflanze, wol aber alle Thiere be-sitzen l) ein Ernährungssystem, das in Mund und Darmkanal, 2) ein Circulations-und Ncspirationssystem, das in Gefäßen und Athemorganen, 5) ein Bewegungs«systcm, das in Muskeln, 4) ein Empfindungssyffem, das in Nerven, endlich 5) ei»Fortpflanzungssystem, das in männlichen und weiblichen Geschlechtsorganen sich dar-stellt. Diese fünf thierischen Systeme müssen, da sie zum Wesen eines Thieres ge-hören, bei dem kleinsten Infusorium ebenso gewiß vorhanden sein wie beim Mewscheu, wenn sie auch hier in anderer Weise modificirt erscheinen als dort; es s»stdaher die Infusorien zwar kleiner, aber durchaus nicht einfacher, nicht niederer or-ganisirt als die übrigen Thiere.

Demzufolge besitzen alle Jnfusionsthierchen ohne Ausnahme eine Öffnung istKörper, einen Mund, der bei wenigen Arten durch einen Ring langer nadelförnü'ger Zähne bewaffnet ist. Durch den Mund tritt die Nahrung ins Innere des Lei'bes, und gelangt zunächst in eine kurze Speiseröhre, die in der Regel inwendig w'Wimpern besetzt ist und unter allen Umständen deutlich sichtbar bleibt. Am Eistder Speiseröhre entspringt ein langer Darm, der sich in verschiedenen Biegungen >stInnern des Körpers hinwindet; in den Darm münden durch kurze Kanäle b'zahlreichen Magen, die in bestimmter Entfernung an ihm wie Beeren an ihren Stst