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Eilfter Band.
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Die mikroskopische Welt. 753

auch an vielen Infusorien gewisse Organisationsverhältnisse, die wir sonst bei ein-fachen Zellen nicht finden. Unsere Unkenntniß der Entwickelungsgeschichte laßt unSauch über den wahren Bau der Infusorien im Zweifel. Denn da es ein allgemeinanerkannter Satz ist, daß alle Thiere vom Menschen bis zur Monade bei ihrer Ent-stehung aus dem Ei einfache Zellen gewesen sind, so müßten sich bei den Infusoriendiese Urzellen entweder während ihres ganzen Lebens unverändert erhalte», im Falldieselben wirklich einzellige Organismen sind; oder die Eizelle müßte sich, wie bei denübrigen Thieren, durch Theilung (Furchung) zu einem System von vielzelligen com-Plicirten Geweben vermehren. Welches von Beiden« in Wirklichkeit stattfindet, wird»«an erst dann entscheiden können, wenn es gelungen sein wird, die Entwickelungeines Infusoriums aus dem Ei direct zu beobachten; solange dies aber noch nichtder Fall ist, müssen wir uns mit dem Satze beschränken, daß wo nicht alle, so dochein großer Theil der Infusorien wahrscheinlich einzellige Organismen, daß sie jedenfallsaber unendlich einfacher gebaut sind, als Ehrenberg sie erklärt hatte.

Neuere Auffassung der Anatomie des Jnfusorienbaus.

Durch die gemeinschaftlichen Untersuchungen der hier erwähnten Forscher, denensich noch eine Anzahl anderer beifügen ließe, hat sich eine Auffassung des Jnfuso-rienbaus in der Wissenschaft begründet, die wir als die der Gegenwart bezeich-nen können, da Ehrcnbcrg's Lehre jetzt fast nur ihn allein als Vertreter auszu-weisen hat, und in ihren wesentlichsten Punkten als widerlegt betrachtet werden kann.^-ie Hauptwerke, welche die neuern Ansichten über die Infusorien enthalten, sind:dw „liisloire 6es rooplrMs iirlusoiros " von Dujardin, mit einem großen Atlas,(Paris 1841); der die Infusorien betrachtende Abschnitt in von Siebold's „VergleichendeAnatomie der wirbellosen Thiere" (Berlin 1848); Perty's Werk „Zur Kenntniß derwinsten Lebensformen in der Schweiz" (mit 17 Tafeln, Bern 1852); Stein's „Mono-graphie der Jnfusionsthicrchen" (mit 6 Tafeln, Leipzig 1854) und eine große AnzahlEinzelner Abhandlungen, die namentlich in der „Zeitschrift für wissenschaftliche Zoolo-gie" von Siebold und Kölliker seit 1849 erschienen sind.

diesen Ansichten sind die Infusorien blasenförmige, ringsum geschlosseneSchlauche; ihre äußere Körperbegrenzung bildet eine Haut, die von Cohn nur beieinzelnen Arten durch chemische Reagentien isolirt ist, jedoch in ähnlicher Weise auch^ei den übrigen vorkommt: es ist eine völlig structurlose, in ihrem chemischen Ver-alten an das Chitin erinnernde Membran; die Anhänger der Einzelligkeit betrachtenhe als die Zellmembran der Infusorien; Cohn hat sie als Cuticula bezeichnet. Allsev Cuticula liegt zunächst nach innen eine Schicht dichterer, gallertartiger Substanz,.elchc von Cohn als Rindenschicht bezeichnet, in Gemeinschaft mit der Cuticula deny5""llchen Jnfusoricnkörper darstellt. In dieser Schicht sind nach Oskar Schmidt undg.'E°erkühn eigenthümliche stäbchenförmige Körperchen in großer Zahl eingebettet; nachAllniam, sollen diese Körperchen zarte Faden aus sich hervortreiben und den Nessel-"ganen der Polypen entsprechen. Die Rindenschicht umschließt einen centralcnh*°ßen Raum, die Leibes- oder Zellenhöhle, welche mit einer dünnern Flüssigkeit,°>n Leibessast, erfüllt ist. Es läßt sich hiernach der Jnfusorienkörper ebenso gut ei-l«^ Zxsse mit Membran, Primordialschlauch und Zellensaft, als einem Po-

Lpen vergleichen, bei dem eine große Leibeshöhle von einer Gallertrinde begrenzt ist.srk'^ Saft der Leibeshöhle ist bei Loxodcs in Rotation begriffen, die Rindcn-bok ist starr. An einer einzigen Stelle ist der Jnfusorienschlauch durch-

aus ^ "änlich durch die Mundöffnung, die bald am obern Theil, bald an der Seitedemvl^^ ist, und in eine trichterförmige Röhre ausgeht, welche durch die Rin-stvlr hindurch in die Leibeshöhle führt. Die Farbe- und die andern Nahrungs-Nal« ^rden durch die Wimpern, die den Mund und die innere Fläche dieses Ka-E» ' hie Speiseröhre, bekleiden, abwärts getrieben, und da sie nicht wieder zurück-

°n, sammeln sie sich am untern Ende der Speiseröhre, die hier oft zu einemDi° Gegenwart. XI. 48