Die mikroskopische Wett. 757
übertreffen. Das Merkwürdigste an diesen Fäden ist, daß sie leicht miteinander verkle-ben, und daß man sie daher netz- oder brückenartig miteinander verbunden findet;namentlich aber treibt die in der ersten Kammer liegende, vorderste Abtheilung desThierkörpers durch die an ihrem Ende befindliche - große Hauptöffnung der Schaleein maschenartig verbundenes, proteisch veränderliches Netz solcher feiner Fäden nachaußen hervor. Bei einzelnen Gattungen ist das Gehäuse nicht porös und bei diesentreten daher die Fäden nur aus der Haupt,offnung heraus. In diesem Bau derPolythalamien erkannte Dujardin die größte Übereinstimmung mit den Amöben, denSonnen-, Büchsen- und Schmelzthierchen, und indem er sie daher sämmtlich zu denInfusorien stellte, vereinigte er alle unter die Abtheilung der Nhizopoden, die dem-nach in schalcnlosc und schalige zerfallen. Ehrenberg, der im Jahre 1840 in derNordsee ebenfalls lebendige Polythalamien beobachtete, hatte zwar im WesentlichenDasselbe gesehen wie Dujardin, deutete jedoch ihre Organisation ganz anders, und daer sie für weit cvmplicirter ansah, stellte er die Polythalamien nicht zu den Jnfu-' sorien, sondern zu den Blumenpolypcn oder Mooskvrallen, den Bryozoen. Die spä-tern Untersuchungen, namentlich die neueste Arbeit von Max Schultze, haben jedochdie Dnjardin'sche Auffassung durchaus bestätigt. Bei ihrer Entstehung beschränktsich die Polythalamie nur mit einer einzigen, sehr kleinen Kalkzelle; indem jedochdas Thier wächst, findet es nicht mehr Platz in seiner Wohnung und baut sich da-her vor dieselbe eine zweite, größere Kammer; je älter es wird, desto mehr Kam-wcrn fügt es in bestimmter Ordnung aneinander, und so entsteht endlich das zier-liche Schneckengehäuse. Je größer die Zahl der Kammern, desto mehr wächst na-türlich auch der Umfang der ganzen Schale, sodaß gewisse, durch sehr viele Abthei-lungen ausgezeichnete Arten durchaus nicht mehr als mikroskopische Organismen gel-te» können, sondern sogar Scheiben bis zum Durchmesser eines Zweithalerstücks dar-stellen, wie die bekannten geldstückähnlichen Nummuliten; doch sind auch diese Riesen> t»t Innern genau so gebaut wie die kleinsten, '/-» Linie großen Polythalamien. EinigeGattungen dieser Familie bewohnen stets die einzige Kammer, die sie bei ihrer er-sten Entwickelung besessen haben; diese Arten sind es, die sich unmittelbar an dieKapsel- und Schmelzthierchen des süßen Wassers anschließen und als einkammerigeMonothalamien bezeichnet werden.
Wahrscheinlich verwandt mit den Polythalamien ist die mikroskopische Thierclasseder Polycystinien, von denen man ebenfalls bis in die neueste Zeit nur die überausöstrlichcii Schalen am Meeresgrunde und in gewissen fossilen Lagern gesunden,hat.^ie unterscheiden sich von den Polythalamien dadurch, daß die Gehäuse nicht aus^stk, sondern aus glashcller Kieselerde bestehen, und daß sie nicht in Kammern ge-holt, wol aber durch zahllose Öffnungen durchbohrt sind. Die Polycystinicnschalengleichen den geschmackvollsten Krystallarbeiten; sie erscheinen wie juwelenbesehtc Or-benssterne, wie Sonnen mit zackigem Rande, wie laternenähnliche Bläschen mit son-derbaren Hörnchen, wie niedliche Glaskörbchen mit Henkel», und in hunderterlei an-^ "'» Prächtigen Gestalten. Die wenigen Exemplare der Polycystinien, die bisher
°Neyen, Hnxley und Johannes Müller lebend beobachtet haben, lassen es noch un-°»tschiede„, ob diese interessanten Gebilde mehr mit den Bacillarien verwandt sind,l ?» welche ihre Kieselschalen erinnern, oder mit den Polythalamien, denen jedoch ihre"»ere Organisation am meisten zu entsprechen scheint, umsomehr, da M. SchultzeM eine kieselschalige Polythalamie (?ohmorplnns silioss) lebend im Adriatischcn"ere bei Ancona entdeckt hat.
Ernährung der Nhizopoden. Einzelligkeit.
»» Wir bemerkten oben, daß der Ordnung der Nhizopoden eine besondere Mund-ll»ung fehle; nichtsdestoweniger bemerken wir im Innern ihrer Körper feste Snb-! !»»ien, von denen sie sich ernähren, Bacillarien, Infusorien, Farbkörnchen und An-
Die Art, wie diese fremden Körper in den Rhizopodenleib gelangen, ist eine«raus wunderbare. Beim Sonnenthierchcn beobachtete zuerst Kölliker 1849, daß