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Die mikroskopische Welt.
um den Vorticcllenmund beobachteten» und indem diese Wimpern sich nach einembestimmten Rhythmus beugen und wieder aufrichten, veranlassen sie den Anschein,als sei am Kopfe ein gezähntes Nad angebracht, das sich rastlos um seine Achsedreht. Es ist dies eine ähnliche Täuschung, wie sie der Wind verursacht, wenn erim Getreidefclde die Halme der Reihe nach beugt, und Wellen zu schlagen scheint-Ältere Beobachter glaubten wirklich, daß die Näderthiere ein Nad am Kopfe ange-wachsen hätten (daher der Name Ilotilsr, Nadträger); sie bedachten nicht, daß einsolches Nad, wenn es rotircn soll, von seiner Achse völlig gelöst sein müßte, alsoauch nicht ernährt werden könnte. Wenn bei einem Näderthiere der mit Wimpernbesetzte Rand des Kopfes in der Mitte unterbrochen ist, so glaubt man zwei roti-rendc Räder an beiden Seiten zu sehen. Die schwingenden Wimpern, die übrigenssich auch auf der Innenseite des Mundtrichters finden, erregen einen Strudel imWasser, und so wird das Thier durch seine Wimperräder in ähnlicher Weise dahin-getrieben, wie ein Dampfschiff durch seine Schaufelräder. Manche Räderthiere habenwie die Flossenfischchen (pol^artliru) zu beiden Seiten des Körpers flügelähnlicheFlossen, mit Hülse deren sie rascher dahinfahrcn können» oder sie'besitzen langeSpringborstcn, durch welche sie sich vorwärtsschnellcn, wie der Turner an seinemSpringstabe (die Springer, Scarillium). Einige Arten (das Rüssclrädchen, ko-tiler) sind im Stande sich auch noch auf eine andere Weise zu bewegen, indem sie 'nämlich auf dem Boden in sonderbarer Weise dahinkriechcn: sie strecken sich langaus, stütze» alsdann den Kopf auf einen festen Punkt und ziehen den Fuß »ach;es ist dies ganz derselbe Gang, den wir an solchen Raupen (Spanncrraupen) be-merken, welche nur am vordersten und hintersten Ende des Körpers, nicht aber inder Mitte Füße besitzen. Viele Arte» bewege» sich gar nicht im Wasser, sondernsie setzen sich mit Hülfe des Fußes an die Blätter irgendeiner Wasserpflanze, andie Wurzel einer Teichlinse fest und schwitzen aus ihrem Körper eine Gallert aus,die allmälig zu einem durchsichtigen Mantel erstarrt; in diesen können sie sichzurückziehen, wenn Gefahr ihnen droht, und sie strecken sich aus der Öffnung wie-der heraus, wenn sie Nahrung bedürfen (kic^oularui, Blumenrädchen; iubioolorio,Futtcralrädchen u. a.). Eine Art Lippcnkreiscl (6onoo>nlus) lebt gesellig, indemeine große Anzahl von Thieren nach Art der Gallertglöckchen (Oplwz'üium) sich umeinen gemeinschaftlichen Mittelpunkt sixirt. So setzen sie eine Kugel zusammen vonder Größe eines Stccknadelkopfes, die frei durch das Wasser dahinrollt, und wolaus 30 strahlenartig miteinander verbundenen, lebenden Thieren besteht: ein ebensoschöner als sonderbarer Anblick! Eine Art (Kolioerta, Vierblatt) baut sich zierlicheGehäuse, indem sie sechseckige Körnchen aneinanderkittet und zu einem cylindrischc»Futteral verbindet.
Die Bewegungen der Näderthiere, die überaus mannichfaltig und kräftig sind,werden vermittelt durch eine große Anzahl von Muskel», die sich an verschiedenenStellen der Haut ansetzen: sie erscheine» wie farblose Bänder oder Fäden, oft quer-gestreift wie die Muskeln der höhern Thiere. Mit Hülfe derselben ist das Thier iMStande, das Räderorgan und den Fuß einzuziehen, indem eS sie nach innen stülpt -wie die Schnecke ihre Hörner; ja das Thier kann seinen Körper wol um zweiDrit' !tel seines Volumens verkleinern; hört die Zusammenzichung der Muskeln auf,genügt die Elasticität der Haut, um den Körper wieder auszustrecken. Wie bei"'Menschen, so geht auch bei dem unsichtbaren Räderthier der Reiz zum Zusammen' -
ziehen der Muskeln von dem Willen aus, der seinen Sitz im Centralorgan hat, den'Gehirn, einem weißen kugeligen, in, Kopfe am Rücken gelegenen Körper; von h'^ !
werden wahrscheinlich die Impulse durch die feinen, zu künstlichem Netze verflochteneNervenfädcn nach allen Enden des Körpers hinausgesendet. Am Gehirn sehen n>bei den meisten Arten «in oder zwei schöne karminrothe Augen angeheftet, an denewir zum Theil eine Hornhaut und eine Krystalllinse, immer aber ein rothes M,ment unterscheiden können; wunderbarerwcise sehen jedoch diejenigen Näderthiere,denen wir keine Augen finden, ebenso gut, wie die durch die rothen Punkte a«