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Eilfter Band.
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Die mikroskopische Welt.

selbst Ehrenberg ließ sich verführe», die natürlichen Grenzen, welche das Reich derInfusorien umziehen, dadurch zu verwirre», daß er mit ihnen eine Reihe von Thie-ren vereinigte, die zwar in der Größe sich diesen Geschöpfe» nähern, doch im Bau,in der Entwickelung, der Lebensweise himmelweit von ihnen verschieden sind, näm-lich die Näderthiere. Zwar sonderte er diese Thiere gewissermaßen aus der Masseder eigentlichen Infusorien mit richtiger Conseguenz aus, indem er sie als einmagigeInfusorien (inlusoria monog-istriea) den übrigen, die er vielmagige (polvgasti'ios)nannte, gegenüberstellte; aber neuere Systcmatiker haben mit größer»! Rechte er-klärt, daß eine jede Vereinigung der Infusorien mit den Näderthiere» eine unnatür-liche sei, daß diese letzten! vielmehr auf einen weit höher» Platz in der Rangord-nung des Thierreichs Anspruch machen dürfen.

In der That sind es gerade die Näderthiere, welche durch ihre unendlich zu-sammengesetzte Organisation die Bewunderung des Beobachters vor allem in Anspruchnehmen. Bei den eigentlichen Infusorien imponirt uns vorzugsweise die unfaßbareMenge, in der dieselben in kürzester Zeit im kleinsten Raume sich vermehren können;aber den Bau dieser Geschöpfe fanden wir so einfach, daß es schien, als sei dieHand der Natur nicht mehr fein und geschickt genug, um in solch kleinem Körper dieselbeOrgancnsülle auszubilden, die wir in den größern Thieren bewundern. Daß dem abernicht so sei, daß für die Natur nichts zu klein, nichts zu sein ist, das beweisen ebendie Näderthiere, deren höchst complicirte Anatomie vorzugsweise durch die Entdeckungenvon Ehrenberg uns enthüllt wurde. Dujardin, Siebold, Lcydig und Andere habenspäter werthvolle Beiträge zu ihrer Kenntniß geliefert. Die Näderthiere, deren wiretwa 60 Gattungen kennen, kommen in verschiedenen Größen vor; aber wenn selbstdie kleinsten Arten nicht unter ein gewisses Minimum, etwa '/-»Linie hcrabsinken, sosind auch die größten Formen zwar mit bloßem Auge als weiße Punkte im Wasserdeutlich erkennbar, doch mögen sie schwerlich '/^ Linie überschreiten. Aber ob kleiner,vb größer, so ist doch bei allen der Bau des Körpers ganz gleichförmig beschaffen,und bietet alle jene Organe in reichster Ausbildung dar, die bei den übrigen Thierenbis hinauf zum Menschen die wechselvollcn Thätigkeiten des Lebens vermitteln. Wirfinden die Näderthiere in ähnlichen Gräben und Teichen wie die Infusorien; dochkommen nur wenig Arten in faulendem Wasser fort, und fast nie findet man siein Aufgüssen; dagegen leben viele Arten im Meere und scheinen dort selbst zu leuch-ten, lvic ich dies bald genauer erörtern werde. Einige Formen leben im Schlamm,>n dem Sand und den Erdklumpen, die sich auf Dächern, Felsen, Mauern, zwischenMoos, in Rinnen, Steinhöhlen versammeln. Das erste Ra'dcrthier, das Lccuwenhoekentdeckte, war eine im Dachrinncnsand von Delft gefundene Art.

Die Gestalt der Näderthiere ist verschieden. Bald gleichen sie kegel- oder keu-lenförmigen Säcken, bald sind sie mehr kugelig, bald lang gestreckt, fast chlindrisch;unmer ist ihr Körper von einer glashcllcn, sehr elastischen Haut oder Cutieula um-Athen; in vielen Arten ist diese Haut zu einem Panzer erstarrt. Solche gepanzerteNäderthiere sehen aus wie Schildkröten. Ihre Schale ist oft regelmäßig facettirt, in^ ^tystallflächen gebogen, mit Körnchen und Wärzchen besetzt, der Länge oder der> stiere nach zusammengedrückt, mit vorspringendem Kiele gestützt, vorn und hinten's? lange Zähne und Stacheln zierlich ausgezackt (Wappenthicrchen, Lraelnoiius;^Nantclthierchen, stuolrlsnis u. a.). Hinten spitzt sich der Körper der Näderthiere inswen länger» oder kürzern Fuß zu. Dieser besteht häufig aus mehren Stücken, dieineinandergeschoben werden können wie die Hülse,, eines Fernrohrs, und mit Hülfedieses Mechanismus kann der Fuß in einen kleinen Raum zusammengezogen und.nun wieder lang ausgestreckt werden; an seiner Spitze läuft der Fuß fast immer' 'n zwei bewegliche Zeheu aus. Am entgegengesetzten Kopfende befindet sich das Wir-°l- oder Räderorgan, von dem die ganze Thierclasse ihren Namen hat. Wir müssen"ns nämlich das Kopfende trichterförmig vertieft denken, sodaß die Spitze des Trich-in ^ne Öffnung des Körpers, den Mund hineinführt. Der Rand des Mund-achters ist mit langen beweglichen Wimpern besetzt, wie wir sie etwa auch rings