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Eilfter Band.
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Die mikroskopische Welt. 773

austretcn. Diese haben bei einigen Arten eine harte, warzige Schale und werdendann dircct ins Wasser abgesetzt, andere Arten aber legen zartschalige Eier, undhauten sich bevor das geschieht; d. h. das Thier verkleinert sein Volumen bis aufein Drittel und zieht dabei Kopf, Rumpf und Füße sammt den Zehen aus der altenHaut zurück, wie die Hand aus dem Handschuh. Nun werden die Eier gelegt unddiese bleiben daher in dem alten Balg,„der als ein leerer Sack dieselben umschließt;das Thier selbst tritt später durch eine Öffnung der abgestreiften Haut hinaus. DieEier entwickeln sich innerhalb 25 — 40 Tagen zu Zungen, die ihren Altern völliggleichen.

Älchen (^nguilluls).

Mit den Tardigraden und den Näderthieren ernährt der Schlamm der Ge-wässer, die Erde der Dachmoose, Blumentöpfe und ähnliche Standorte noch einedritte Art mikroskopischer Thierchen, deren Verwandte wir unter den Eingeweide-würmern zu suchen haben. Es sind dies die Wasserälchen (^»guillulg lluvimilw),schlangcuähuliche Fadenwürmer, am Schwänze stärker zugespitzt als am Kopfe. Vonletzteren aus verläuft ein gerader Darmkanal durch die ganze Länge des Körpers, dersich am Schlunde in eine kugelige Saugblase erweitert, wie wir sie bei den Bärcnthicr-chen gefunden haben. Die Wasserälchen sind getrennten Geschlechts, vermehrensich durch Eier oder lebendige Junge, und zeichnen sich durch ihre sehr lebhaftenschlängelnden Bewegungen aus. Eine verwandte Art entwickelt sich massenhaft imfaulen Kleister (Kleisterälchen, ^nzuillulg gluünis); eine dritte belebt zu Myriadenverdorbenen Essig und hat schon oft durch ihre wunderlichen Tänze die Aufmerksam-st selbst der Laien auf sich gezogen. DaS Weizenälchcn gar wohnt im Innern vontDttreidekörnern, die auf der, Ähre schon sich durch eine dunklere Farbe auszeichnen,als ob sie brandig wären. Öffnet man aber ein solches Korn, so findet man wedervon den Zellen und Stärkekörnchen des normalen Samens, noch von den schwar-zen Sporen eines Brandpilzes irgendeine Spur, sondern das Korn ist ganz undAvv mit einem weißen Filz vollgestopft, der sich im Wasser nach wenigen Stundenbelebt und m Tausende von Älchen auseinanderwirrt, welche sich lustig und kräftigdurcheinanderschlangeln. Wie diese Älchen in die Wcizenkörner hineingekommen, darüberschwebt noch ein unauflösliches Dunkel.

Die Nä'derthiere, die Bärenthierchen und die Älchen besitzen eine der wunder-barsten Fähigkeiten, von denen die Wissenschaft uns Kunde gibt, und die nur iner Encystirung der Infusorien sowie in den bei einigen mikroskopischen Pflanzenvn uns bereits erwähnten Vorgängen ein Analogen findet. Alle drei Thierformenmtd zwar für ihre Ernährung und ihre lebendige Entwickelung auf das Wasser an-Afwiesen; da sie sich aber in solchen Lokalitäten aufzuhalten pflegen, in denen dasPasser nach einiger Zeit verdunstet, so müssen natürlich auch die Thiere völlig auS-vvcknen. Und dies findet in der That statt. Läßt man einen Moosrasen von einem-vche in der Sonne trocknen, so sieht man bald die Näderthicrchen sich in eine.?3el zusammenziehen. Die Bärenthierchen und Älchen verschrumpfen einfach und"Nen zu trockenen brüchigen Klümpchen aus; wenn man sie so sieht, möchte manfür Sandkörnchen halten, und schwerlich wäre Jemand im Stande, in ihnen ein.^nisches Wesen zu erkennen. Daß sie in diesem Zustande keine lebendige Thätig-iu äußern, nicht zu fressen, noch zu verdauen vermögen, versteht sich von selbst,l^b doch ist damit der Lebenssunke in diesen wunderbaren Geschöpfen nicht ausge-u„d brauchen die ausgetrockneten Mumien nur in frisches Wasser zu bringen,

deb ^bald quellen die zusammengeschrumpften Körper auf: sie fangen an sich zuNur " ö" strecken, erst langsam, allmälig immer kräftiger; nach wenig Mi-Ne,/" vdcr Stunden sind^fie ganz ins Leben zurückgekehrt und bewegen sich, wieh.» Laboren, munter durch das Wasser. Als Leeuweuhoek im Jahre 170t denüer " Sand von einer Dachrinne mit Wasser übergoß, fand er denselben zu sei-großen Verwunderung schon nach einer Stunde mit Näderthiercn belebt, die