788 Die mikroskopische Welt.
chen lassen und dadurch die von ihr getragenen Jnfusorienkeime oder Cysten zerstören,so müßten auch in dem Aufguß sich keine Infusorien entwickeln können. Schwan«hat diesen Versuch zuerst angestellt, und derselbe ist später oft wiederholt worden undhat stets dasselbe Resultat gegeben, nämlich: daß in diesem Falle niemals Infusorien>»i Aufguß erscheinen, während sie in einem danebcnstchenden offenen Gefäße sichalsbald massenhaft entwickeln. Einen ähnlichen Versuch in Bezug auf eine mikro-skopische Pflanze machte kürzlich Ungcr, indem er ein Gefäß mit Wasser, das obenzugcschmolze» war, jahrelang an der Sonne stehen lfeß, ohne daß sich etwas darinbildete, während in kürzester Zeit die Wand des Gefäßes sich mit einer grünen Alge(pi-vlooooous minor) bedeckte, nachdem die zugcschmolzcne Spitze aufgebrochen wor-den war. Freilich sind diese Experimente insofern nicht ganz beweisend, als mög-licherweise die durch Säuren oder glühende Kohlen streichende Luft dadurch so ver-ändert sein könnte, daß sie überhaupt für die Entwickelung der Infusorien nichtmehr geeignet wäre, wie das übrigens auch direct Morren 1851 erwiese» hat. Dieserließ nämlich durch einen von Monaden wimmelnden Aufguß Luft hindurchziehen, dievorher durch Schwefelsäure geleitet war, worauf alsbald die Thierchen abstarben,sich aber wieder erholten, als dieses Experiment unterbrochen ward. Auch dürfenwir nicht vergessen, daß gerade bei den gemeinsten Gährungsinfusoricn (p.-u-ame-oium u. s. w.) weder Eier noch Cystcn bekannt sind, durch die dieselben in die Auf-güsse gebracht werden könnten. Dennoch ist es immerhin höchst wahrscheinlich, daßspätere Untersuchungen überall, wo immer Infusorien erscheinen, die Entstehung dersel-ben aus Keimen, die von Thieren derselben Art stammen, zur Evidenz bringen werden.
Hefcpilzc. Währung. !
Die Anhänger der donor.itio ssguivoeu stützen sich vorzugsweise auf ei» Phä-nomen, welche» allerdings nach der jetzt herrschenden Lehre das „omne vivum exovo" schwer erklären läßt. Wenn man eine Auflösung von Zucker in Wasser
mit einer geringen Menge stickstoffhaltiger organischer Substanz, mit Fleischbrühe,Mehl von Bohne» oder andcrm Samen mischt, oder wenn man den Saft vo»Früchten, Kirschen, Johannisbeeren, Weintrauben, auch von Runkelrüben, in denk"schon von der Natur zucker- und stickstoffreiche Substanzen vereinigt sind, eine ze>d 'lang in gewöhnlicher Temperatur stehen läßt, so wird die Flüssigkeit nack einigtZeit trübe, schillernd; es bilde» sich in ihr eine große Menge von kleinen eiförmige"Bläschen, die, etwa '/^ Linie groß, unter dem Namen der Hcfepilze oder Hefezelle"(S.aolmi'omvees osrevwiao, vini u. s. w.) bekannt sind. Diese Bläschen vermehrenrasch, namentlich bei einer Temperatur von 25°, durch Sprvssnng, indem, wie b"'der Bildung der Pilzsporen, an einer beliebigen Stelle ihrer Membran eine Au"' ^bcugung sich ausstülpt, die sich allmälig zu einem neuen Bläschen ausweite^später von der Muttcrzclle sich ablöst. Das wiederholt sich fort und fort; und "können aus einer einzigen Hcfezellc in 20 Stunden mehr als 30 Bläschen her""sprossen, die oft rosenkranzförmig aneinander hängen bleiben. Endlich hat sieb "Boden der Auflösung ein graulicher Satz gebildet, die sogenannte Hefe, die austcr solchen kleinen Zellen besteht; preßt man das Wasser zwischen den Hcfezellc»so bleibe» diese allein zurück und stellen dann eine trockene Masse dar, die sogt"" ^Preßhefe. Ob sich nun die Hefezellcn ebenfalls aus Spore» bilden, dieLuft in die Zuckerlösung gebracht werden, ist sehr zweifelhaft, weil eben diesesmit solch constantcr Regelmäßigkeit sich in jeder gährcnden Flüssigkeit m'd >solcher erzeugen. Die «leisten Naturforscher vermuthen vielmehr, daß bei de>"stehen der Hefe ein ähnlicher Proceß stattfinde wie bei der Bildung ^i>e»
im thierischen oder pflanzlichen Organismus: der aus Zucker und Proteins»gemischte Frnchtsaft verhalte sich als eine Zellbildungsslüssigkeit, als ei» Erst" 'als eine Mutterlauge, in welcher sich von selbst, auch ohne vorhergegangene .senheit von Sporen, die Hcfczcllcn erzeugen, die sich später durch Sprossungordentlich vermehren.