Die mikroskopische Welt. 795
der Mohrrüben, die unter ähnlichen Umständen verläuft, ist in manchen Jahren epide-misch. Kühn hat sowol bei diesen als bei den Runkelrüben auf einen Schimmel aufmerk-sam gemacht, der in den Wurzeln sich ausbreitet und den er Rübentödter (tt6lminttw8-porium rlnLoetoiium) nennt; dieser scheint die Zerstörung der Wurzeln zu befördern.
Selbst Bäume werden von Pilzkrankheiten angegriffen. An den Wurzeln derOrangenbäume wuchert ein Schimmel (^dixoeloma), durch dessen tödtliche Ein-wirkungen die Rinde am Grunde des Stammes Nisse bekommt und sich einige
Zeit nachher bis aufs Holz ablöst; alsdann ist der Baum unrettbar verloren. Auf
den Hyerischen Inseln sind in acht Jahren mehr als 40000 Bäume auf dieseWeise zugrunde gegangen, sodaß zwei Drittel der Pflanzungen in diesen, durch ihreOrangencultur berühmten Inseln vernichtet wurden und auch von dem letzten Drittelder Untergang befürchtet wird. Gewöhnlich wird j.doch bei Bäumen nur das Laubvon Pilzen befallen, die sich zwischen den grünen zarten Zellen im Innern der Blät-ter entwickeln; in diesen verursachen sie braune Flecke, die endlich das Absterben desganzen Blatts zur Folge haben. Wenn der Pilz Frucht tragen will, so durch-bohrt er die Oberhaut des Blattes und entwickelt an der Außenseite seine Sporen,
die, vom Winde fortgeweht, im nächsten Jahre die Krankheit von neuem erzeugen.Epidemisch tritt in dieser Weise ein Pilz.auf, der die sogenannte Schütte der Kie-fern veranlaßt (?ori6ermium ?ini); unter seiner Entwickelung werden die Nadelnzuerst durch schwarze Flecke gezeichnet, dann werden sie braun und fallen endlich ab.Da die Schütte sich nur an jungen Kiefern zeigt, so ist die Entlaubung meist mitdem Tode des Ba'umchens verknüpft, und es sind auf diese Weise in Sachsen undSchlesien ganze Bestände und namentlich junge Schonungen zugrunde gegangen.Die Krankheit der Maulbeerbaume äußert sich ebenfalls in gelben Flecken auf denBlättern, die das Absterben derselben zur Folge und einen mikroskopischen Pilz(8el)loria ziori) zur Ursache haben. Durch diesen wird das Gewebe deß Blattes aus-gezehrt, sodaß Löcher in demselben entstehen, und es hat diese Krankheit in Italienund Süddeutschland seit 1846 um so größer» Schaden angerichtet, als sie^ zugleichder Seidencultur hindernd in den Weg trat. Über die Krankheit der Olbäume,über die in neuerer Zeit italienische Landwirthe klagen und die im Jahre 1852 denPreis des Baumöl? um 50 o/o steigerte, sind noch keine genauern wissenschaftlichenUntersuchungen bekannt geworden.
Desto gründlicher sind die Beobachtungen von Amici, Mohl und Andern übereine Epidemie, welche für Südeuropa ebenso verhängnißvoll geworden ist als dieKartoffelkrankheit für den Norden. Ich meine die Traubenkrankheit, welche zuerstim Jahre 1835 von Fintelmann und Nietner bei Berlin beobachtet wurde, abererst größeres Aufsehen erregte, als sie im Jahre 1845 von Tucker in England un-tersucht und als die Folge eines mikroskopischen Schimmels erkannt wurde. VonEngland ging die Krankheit 1848 nach dem Continent hinüber und erschien zuerstin den Treibereien des Barons Rothschild bei Paris; von da verbreitete sie sich nach undnach in ganz Frankreich, Italien, Griechenland, Portugal, Spanien und Kleinasien;seit 1851 überzog sie auch Südtirol und die Schweiz und hat von da vereinzelte,wenn auch nicht sehr verderbliche Einfalle nach den Weinbauenden Distrikten Deutsch-lands und Ungarns gemacht. In jenen südlichern Ländern dagegen wüthete sie mitsolcher Furchtbarkeit, daß viele Jahre hintereinander der Weinertrag in Quantitätwie in der Qualität außerordentlich vermindert wurde, und man in Italien genöthigtist, künstlichen Wein, vino ssnrs UV,1, zu fabriciren und den natürlichen aus Un-garn einzuführen. Im Jahre 1852 ward fast der ganze Ertrag der Korinthen inGriechenland vernichtet, und viele Weinbauern haben aus Verzweiflung über den vonJahr zu Jahr ausbleibenden Erfolg ihre Weinberge in Getreidefelder umgewandelt.
Die Erscheinungen der Traubenkrankeit sirrd folgende. Zuerst zeigt sich auf derAußenseite der Weinblätter ein weißer Überzug, der aus verzweigten Faden bestehtund sich immer mehr und mehr über Blätter, Stengel, Blüten und Früchte ver-breitet. In demselben Maße, in dem dies stattfindet, beginnt das Laub sich zu