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Eilfter Band.
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Die mikroskopische Welt.

heit ihren italienischen Name» Laloino (Verkalkung), in Frankreich wird sie MuS-cardine genannt, weil die daran gestorbenen Raupen gewissen länglichen, mit Zuckeräbcrpuderten Backwerken gleichen, die in der Provence unter dem Namen der Mus-cardinen sehr bekannt sind.

Der weiße Überzug ward früher für phosphorsauern Kalk gehalten; Bassi inMailand entdeckte jedoch im Jahre 1835, daß derselbe daS Gewebe eines Schim-mels sei, der das Jahr darauf von Balsame Crivelli als kolrytis kassiana benanntwurde. Der weiße abfärbende Staub besteht aus den unendlich feinen, kugeligenSporen dieses Schimmels, der in seinem Bau und seiner Fortpflanzung mit derI'ororw!4pt»'<i clevastali'jx, den, Kartoffeltödter, sehr nahe verwandt ist. Es ist durcheine Menge von Experimenten nachgewiesen, daß die Sporen der votrvlis vassiansdie Muscardinenkrankhcit verursachen; denn wenn man nur eine kleine Portion desweißen Überzugs von einer todten Raupe mit Hülfe einer Stecknadel in die Leibes-höhle einer lebendigen einimpft, so wird auch diese innerhalb 7—9 Tagen von derKrankheit weggerafft und bedeckt sich innerhalb ll —13 Tagen selbst mit dem wei-ßen Gewebe der kolr^li« vassiuna. Es entwickelt sich nämlich dieser Pilz in derLeibcshöhle der kranken Seidenraupe in unendlich üppiger Weise, und da er sichvon den Säften des Thieres ernährt, so zehrt er allmälig alle Eingeweide und Ge-webe sowie alle im Körper desselben enthaltene Flüssigkeit auf, und führt dadurcheinerseits den Tod unrettbar herbei, wie er auf der ander» Seite das Austrocknendes Körpers veranlaßt. Erst nach dem Tode der Raupe gelangt der mörderischeSchimmel dazu, seine Früchte zu entwickeln, und da diese sich nur in Lust und Lichtauszubilden vermögen, so durchbohrt er die weiche Haut seines Opfers, und treibtnun an der Außenseite in üppigster Fülle das weiße Gewebe seiner Fäden, die sichbald mit zahllosen Spore» bedecken. Diese Sporen, leichter als der feinste Staub,werden vom leisesten Windhauch fortgeführt und machen die verheerende Verbreitungdieser Epidemie leicht erklärlich. Sollte die Muscardine, gleich der Dürre der Maul-beerbäume, auch in Deutschland sich Eingang verschaffen, so würde sie den bisjetzkmit so günstigem Erfolge gekrönten Bestrebungen um Einführung der Seidcnculturein gefährliches Hinderniß in den Weg stellen.

Das wunderbare Zusammentreffen so vieler Pflanzenepidemie» in dem letzte»Jahrzehnd hat die Ansicht wachgerufen, als sei eine allgemeine Entartung unsererangebauten Gewächse durch die lange Dauer der unnatürlichen Culturverbälknisfleingetreten, welche dieselben unfähig mache, noch ferner gesunde Frucht zu trage»Schleiden erklärt sogar jede Culturpflanzc an und für sich für krank, indem eben dieabnorme Vergrößerung und Entwickelung irgendeines Theils, der Blätter, der Fruchtoder des «amcns, die diese Gewächse für den Menschen nutzbar machen, für diePflanze selbst nur als Misgcburt, als pathologischer Zustand betrachtet werden kön»e-Die Epidemie sei nur der acukc Ausgang des chronischen Leidens, an dem alle »"'sere Acker und Garten dahinsiechen, und die Pilze, die sich dabei beobachte» lässigseien nur wie die Geier, die sich sammeln, wo ein AaS ist. Daß jedoch die Eul""unmöglich an den Epidemien schuld sein könne, ergibt sich schon aus dem Umstandsidaß auch die wilden Pflanzen ganz ebenso durch > Pilze erkranken und absterben ^die angebauten. Das Farrnkraut in der Waldschlucht und die Alpenrose inGebirgslufl verkrüppeln ebenso unter der tödtlichen Berührung mikroskopischerwie das Hirtentäschel und der Bocksbart der Wiesen; im Walde sind die Bl»des Faulbaums und der Berberize in eben solcher Menge mit rothen Flecke" bewie die Rosen und Birnbäume unserer Gärten, und selbst das Gift der Wolsschs-schützt diese nicht vor den Angriffen eine« Brandpilzes. Wo unsere Culturgcwacyieben nicht von ihren mikroskopischen Feinden angegriffen werden, da gedeshs* ^ebenso üppig und gesund wie irgendeine wilde Lilie deS Feldes, eineThales. Ebenso wie die Seidenraupen leiden auch andere Schmetterlinge,lieh die Bärenraupen, an der Muscardine, und selbst die Fliegen werden beiHerbste von einer Epidemie hinweggcrafft, auf die Goethe zuerst aufmerksam

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