Die mikroskopische Welt. 799
und die sich dadurch äußert, hgß die Beine sich verkrümmen, der Bauch aufschwilltund einen Tag nach dem Tode zwischen den Leibesringen weiße Gürtel hervor-sprieße», wahrend sich das todte Thier allmälig mit einem Weißen zollgroßen Staub-hof umgibt. Cohn hat gezeigt, daß lieb !m Innern solcher Fliegen ein mikroskopi-scher Schimmel, kminisiii.', Llusoas, in sehr merkwürdiger Weise entwickelt, dessenFaden den ganzen Bauch vollstopfen, endlich zwischen den Ringen als farblose keu-lcnförmige Schläuche hervorbrechen und kugelige Sporen tragen, die, elastisch fort-geschleudert, den weißen Hof um die Fliege bilden. An einer ähnlichen Pilzkrank-heit sterben auch die Mücken, wie A. Braun beobachtete, der zugleich den Schim-mel der Mücken kmpusiim (llilioi!; nannte. Von einer andern Pilzgattung werdengewisse Raupen, Puppen und selbst vollkommene Insekten ergriffen, indem sich näm-lich im Innern ihres Körpers ein Myeclium entwickelt, das nach dem Tode desThiers meist am Nacken hervorbricht und zu einem langen Keulcnpilz (Llavioop?,ePliacri») aussprießk. In Deutschland wird der Pilz (S^lmerm »uliwris) aufPuppen nur I Zoll lang; eine chinesische Art (Splnioria sinonsis) dagegen ist mehrals doppelt und eine neuseeländische ( Splmoris kol-ertsii) gar 6 — 8 Zoll lang.Man glaubte früher in den auf Raupen wurzelnden Pilzen eine Verwandlung ei-nes Thiers in eine Pflanze zu beobachten; daher hat eine amerikanische Art (8>>Ims-riu ^obolitoi',',) im vorigen Jahrhundert unter dem Namen inouobs vvjzvtanls, ve-Mtadlo llv, großes Aufsehen erregt, und die chinesische Art führt deshalb den NamenHiao-thao-lon-schong, was Sommerraupe — Winterpflanze bedeutet; diese Art giltin China als ein so hochgeschätztes Heilmittel, daß sie mit Gold ausgewogen wird.
Ebenso wenig Gewicht als auf die Hypothese von der krankhaften Entartungaller Culturgewächse können wir aus die Ansicht Derer legen, welche die unge-wöhnliche Vermehrung der Epidemien von ungünstiger Witterung ableiten. DieseAnsicht hält sich in der Regel nur an vereinzelte, zufällige und locale Abnormitätenund übersieht darüber die weite Verbreitung der meisten Epidemien, die sich in glei-cher Weise in den verschiedensten Boden- und Wikterungsverhältnisscn eingefundenhaben. Weder die zu vielen, noch die zu sparsamen Rege», die zu kühlen Sommernoch die zu warmen Winter, die zu heißen Tage noch die zu kalten Nächte, nochder allzu rasche Wechsel dieser Erscheinungen, die bisher zur Erklärung bald dieser,bald jener Pflanzcnkrankheit in Verdacht gezogen wurden, können dieselbe wirklichveranlaßt haben, da Dergleichen von jeher schon stattgefunden hat, ohne daß sich insolcher Art schädliche Folgen bemerklich gemacht hatten, noch eine bestimmte meteo-rologische Abnormität sich überall da nachweisen laßt, wo eine Epidemie herrscht.
Es scheint vielmehr gegenwärtig erwiesen, daß bei den meisten und wichtigstenp'deniien das Erkranken der Pflanzen nur dadurch veranlaßt wird, daß gewisse,""'st mikroskopische Pilze sich in ihnen und auf ihre Kosten entwickeln, vielleichtßs'ch eine unmittelbar vergiftende Einwirkung ausüben; es lassen sich daher diese an-scheinenden Krankheiten den Verheerungen der Raupen, der Heuschrecken, der Mai-Jchor und anderer Insekten an die Seite stellen, die bekanntlich auch in manchenschrei, in ungewöhnlicher Weise Felder und Baumpflanzungen heimsuchen, das Laub"brzchren und dadurch den Tod ganzer Wälder verursachen.
Dagegen bleibt immer noch der Umstand räthselhaft, woher es komme, daß diesreinzclten Zerstörungen der Pilze, die ohne Zweifel schon von jeher stattfanden,-Er übersehen wurden, weil sie wenig Schaden anrichteten, in gewissen Jahren sichbe vermehren und ausbreiten, daß die localen Erkrankungsfälle zu weltüberzic-
Epidemien anwachsen. Hier scheint allerdings ein besonderes Verhältniß, viel-eine eigenthümliche Mischung der Atmosphäre oder andere wol gar kosmischethu obzuwalten, über deren Natur wir freilich auch nicht die leiseste Vermu-tn aufstellen können, denen wir aber die Schuld zuschreiben müssen, daß geradegh ^wissen Jahren die parasitischen Pilze sich so überaus reich vermehren, oder sok-Um § '^cht keimen. Vielleicht erleiden auch die Pflanzen infolge dieser unbe-ton Einwirkungen eine solche krankhafte Verstimmung, daß sie für die Enl