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Eilfter Band.
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Die mikroskopische Welt. 803

Wir können hinzufügen, daß bei einer solchen Antwort sich die ganze Menschheitjahrtausendelang beruhigt hat.

In spätern Zeiten hat man alle Sagen von Bluterscheinungen für Fabeln er-klärt; seit wenigen Jahrzehnden aber hat die Naturwiffenschaft Gelegenheit genom-men, sich auch mit dieser Frage zu beschäftigen, und durch sie sind wir jetzt imStande nachzuweisen, daß in vielen jener alten angeblichen Wundererscheinungen inder That eine blutähnliche Färbung beobachtet wurde; daß dergleichen Färbungenauch heutzutage noch häufig auftreten; daß dieselben aber weit entfernt sind, sichden übrigen Naturbegebenheiten als Ausnahme, als Wunder entgegenzustellen; daßsie sich vielmehr mit Leichtigkeit in das Gebiet der bekannten Naturgesetze einreihenUnd mit zahlreichen ähnlichen Thatsachen in Zusammenhang und Analogie bringenlassen. Dadurch verschwindet freilich der Nimbus, der früher diese Erscheinungenumschwebte, und das Interesse, das sie fortan erregen werden, ruht jetzt auf ganzandern Punkten, als worin der Aberglaube der Vorzeit sie suchte.

Wer sich für eine vollständige Zusammenstellung der Bluterscheinungen, vondenen die frühern Zeiten berichten, und §ür die wahrscheinlichste, wissenschaftliche Er»klä'rung aller dieser Sagen interessirt, der findet ein sehr reichliches Material in denArbeiten von Chladni, Nees von Esenbeck und Ehrenberg, die dieses weite unddunkle Gebiet durch gründliche Untersuchungen aufgeklart haben. Ich beschranke^ich hier einzelne Momente hervorzuheben, namentlich solche, die von besondern: cul-^geschichtlichen Interesse erscheinen.

Rothe Erde; rothe Flüsse; Blutregen; die Eisengallionelle.

Ein Theil der angeblichen blutigen Färbungen war offenbar anorganischen Ur-sprungs; er rührte von jenem Stoffe her, dem bekanntlich auch das Blut seine^vthe Farbe verdankt, dem Eisen. Eisen findet sich zwar überall in der Natur, in§!len Pflanzen und Thieren, in allen Erden und Gewässern; aber es ist doch inManchen Gegenden vorzugsweise in solcher Menge und in solchen Verbindungenvorhanden, daß es den Boden mehr oder minder stark roth färbt; solche Länder sind^gezeichnet durch ihre rothe Erde, wie dies z. B. von Westfalen bekannt ist.

Auch Felsen und Berge erscheinen roth, namentlich solche, die aus dem soge-nannten rothen Sandstein und ähnlichen Felsarten bestehen; jeder kennt den Spruchder Insel Helgoland:

Roth ist die Kant,

Weiß ist der Sand,

Grün ist das Land:

DaS sind die Farben von Helgoland.

Flüsse, die durch rothe Erde strömen, werden namentlich bei, Hochwaffer mehr^er minder tief geröthet, da alsdann das aufgeschwollene und in Überschwemmungen^getretene Wasser rothe Eisenoxydpartikeln in ungeheurer Menge mit sich führt.

können wir zu Zeiten an der Oder bemerken, die einige mal im Jahre eine mehr

^ minder intensive rostrothe Färbung zeigt. Man leitet dieselbe bis auf ein Ne«

^flüßchen, die Steina, zurück, welche das rothe Sandsteingebiet der Grafschaft Glatz?*chströmt, und bei Hochwasser rothen Schlamm zunächst der Glatzer Neiße und.?*ch diese der Oder zuführt; wahrscheinlich walten ähnliche Verhältnisse auch bei^ern, durch entsprechende Benennungen bezeichneten Flüssen ob: so beim rothen, beim Rothen Fluß (keä river) in Nordamerika u. s. w. Auch der Euphratscheint bei hohem Wasser roth.

lik deinen Bächen und namentlich bei stehenden Lachen und Gräben steigertP? die Färbung bis ins Ziegel-, ja inS Blutrothe und kann einer aufgeregtenIntasie zu Sagen von wunderbarer Verwandlung des Wassers in Blut Veran-

geben. So erzählt schon der alte Lucian ein Wunder, welches sich mit

auf dem Libanon entspringenden Fluß Adonis ereignete: dieser verliere näm»

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