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Eilfter Band.
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Die mikroskopische Welt.

isolirt da, als man nach dem Eindrucke vermuthen mochte, den sie auf die Völkermachten, wo und so oft sie auch beobachtet wurden. Gar oft färben sich Speisenmit weißem, grünem, blauem Überzüge; gar oft zeigt die Außenseite der Häuser,der Steine, der Baumstämme eine grüne, schwarze, gelbe Färbung; gar oft erscheintdas Wasser unserer Gräben und Teiche schön grün, aber Niemand wundert sich,wenn Brot schimmelt, und eine grüne Färbung scheint dem Wasser so natürlich,daß wir es kaum ohne eine solche zu denken gewohnt sind. Diese Färbungen könn«ten freilich nicht in die Augen fallen, und wir finden in der That bei ältern Schrift-stellern kaum eine Spur davon, daß sie einmal in frühern Zeiten beobachtet nndder Aufzeichnung für werth erachtet worden wären. Was aber die ihrem Wesennach ganz verwandten rothen Färbungen den Völkern so merkwürdig machte undihnen einen so auffallenden Einfluß auf ihre Religion, ihre Sagen, ja selbst aufihre Geschichte verlieh, das war ihre Ähnlichkeit mit dem Blute. Denn fast überallsah man in jenen Erscheinungen wirkliches lebendiges Blut, das vom Himmel her-abgefallen oder durch Verwandlung entstanden sei. In der That ähneln einige die-ser Phänomene täuschend flüssigem oder geronnenem Blute; andere dagegen bietenaußer der rothen Farbe auch einer lebhaften Phantasie kaum etwas Analoges dar;aber freilich war eine scharfe Beobachtung niemals Sache des nur oberflächlicheEindrücke aufnehmenden, wunderliebcnden Volks. Daher lesen wir überall und zuallen Zeiten nur von Blut auf Speisen, von in Blut verwandeltem Wasser, von'Blutregen, blutigem Thau u. s. w. Jener mystische Nimbus, der dem Blute, dewSitze der Seele, im Auge aller Völker anhaftet, übertrug sich nun unmittelbar aufdiese Färbungen, er gewann ihnen eine Aufmerksamkeit, deren sich wenige Natur-erscheinungen im Volke zu erfreuen haben, und legte ihnen zugleich in den Auge»desselben eine Bedeutsamkeit bei, die wir nur unter dieser Voraussetzung uns er-klären können. Denn wen» die Gottheit es an der Zeit hielt, in das gesetzliche Ge-triebe der Naturereignisse einzugreifen und noch dazu in solch gcheimnißvoller Weist,wie sie eben dem Blute im Volksglauben anhaftete, so mußte dies als ein Beweisgelten, daß der Lauf der Wcltordnung durch schwere Thaten oder durch unerhörteEreignisse gestört sei; die blutigen Färbungen erschienen so als Zeichen des göttliche"Zornes, als Unglück drohende Vorbedeutungen begangener Verbrechen und drohend«"Strafen, gleichsam als „der blutige Schatten, den kommendes Unheil vor sich vor-auswirft". An diese Vorstellungen knüpfte sich von selbst das Bestreben, die best«'digte Gottheit durch Vernichtung der Schuldigen zu sühnen; daher waren Vcrft^gungen, ja Hinrichtungen zahlreicher Opfer bis in die neueste Zeit die unmittelbarFolge, so oft eine solche Erscheinung irgendwo beobachtet worden war. Man ka>>"wol sagen, daß die Geschichte der rothen, blutähnlichen Färbungen in den Annalc"der Menschheit mit Blut geschrieben ist.

Schon in dem ältesten Dichterwerke, der „Jlias", finden wir Stellen, dieden eben berührten Anschauungen Zeugniß geben. Wenn Zeus den Achäern zü"'fsdann läßt er Thau, der von Blut trieft, vom Himmel tropfen, und wenn er denden S»hn Sarpedo» beweint, der fern von der Heimat gefallen, dann läßt erzur Erde strömen. Als Cäsar sterben sollte, da erschien ein Komet am Hin""*-und neben andern Wunderzeichen

Bekämpften fcur'ge Krieger sich auf Wolken,

3n Reih' und Glied nach echtem KriegSgebrauch,

Und nieder tropft ihr Blut aufs Capital.

Der Dichter läßt einen Römer hierauf die Bemerkung machen:

Wenn solche Zeichen

Zusammentreffen, mag wol Mancher sagen:

„Daß ist natürlich und dies sind die Gründe",

Ich aber sage: es ist Vorbedeutung,

Wo dies sich zuträgt unter unserm Himmel.

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