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Eilfter Band.
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805
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Die mikroskopische Welt. 805

mikroskopischen Organismen einen Antheil an der Bildung von Eisenerzen zuschreiben,so ist dies mir in dem Sinne zu verstehen, daß diese Wesen durch ihren Vegetations-proceß die Fällung des Eisens aus dem Wasser, in dem es gelöst war, vermitteltoder beschleunigt haben, nicht aber so, als ob sie in ihren Körpern das Eisen producirtoder verarbeitet hätten, wie die Bacillarien die Kieselerde, die Polythalamien undSchnecken den kohlensauer», die Wirbelthicrc in ihren Knochen den Phosphor-sauern Kalk.

Staub, der aus rothem, eisenschüssigem Boden aussteigk, hat natürlich aucheine rökhliche Färbung; wird er von Regengüssen niedergeschlagen, so kann er auchdiese roth färben. Hieraus scheint ein Theil der zahlreichen Sagen und Berichtevon Blutregcn und blutigem Thau zu beruhen. Rother Staub wird oft durchStürme meilenweit fortgeführt; wir haben schon früher erörtert, daß die aus derheißen Zone aufsteigenden Luftströmungen beständig ungeheure Massen des Passat-«nd Meteorstaubes mit sich empvrtragen und nach einiger Zeit wieder in nördlichenGegenden absehen, im Winter oft weite Schneefelder färbend, im Sommer rothenRegen veranlassend. In manchen Fällen sollen jedoch die Angaben vom Blutregendurch den rothen Ncinigungssaft gewisser eben ausgekrochcncr Schmetterlinge oderder zum ersten male im Vorfrühling ausgeflogcnen und sich säubernden Bienen ver-anlaßt sein. '

Priestley'sche Materie. Grüne Wasserblüte.

Von weit größer», natur- und kulturhistorischem Interesse sind die blutähn-lichen Färbungen, welche wirklich organische» Ursprungs, durch lebendige mikroskopi-sche Geschöpfe veranlaßt worden sind. Aus den ersten Anblick erscheint eine solcheFärbung ganz gleichartig, und man vermag an ihr mit bloßem Auge durchauskein Merkmal von Thierischem oder Pflanzlichem zu erkennen, sodaß es meist unmög-lich ist, dieselbe an sich von einem anorganischen, auf rein chemischen Verhältnissenberuhenden Niederschlage zu unterscheiden. Erst das Mikroskop läßt erkennen, daßdiese Färbungen nicht von gestaltlosen Atomen, sondern von einer unermeßlichenMenge gesellig lebender Organismen herrühren, und zwar gehören diese Wesen ohneUnterschied dem Thier- wie dem Pflanzenreiche an, und in beiden wieder den aller-verschiedenstcii Gattungen, da für die ganze Reihe dieser Phänomene nicht die For-cen, sondern einzig ihre, bei sehr verschiedenen Arten ganj gleichförmigen FarbenMaßgebend sind; alle diese Organismen haben aber Das gemein, daß jedes Indivi-duum, obwol dem »«bewaffneten Auge unsichtbar, doch schon dieselbe Färbung anüch trägt, welche sich in ihrer Aneinandcrhäufung, wenn auch bei weitem intensiver,^flectier. Charakteristisch für diese Färbungen und vorzugsweise den Hang despfuschen zum Wunderbaren reizend ist ihr rasches, oft plötzliches Erscheinen und-Usiederverschwinden. Es beruht dies auf den eigenthümlichen Entwickelungsgesetzen der"mikroskopischen Organismen, und zwar einerseits auf der kurzen Lebensdauer der ein-zelnen Wesen, welche schon in wenigen Stunden ihren ganzen Lebenslaus vollenden«*"d znr Fortpflanzung fähig werden — daher vermehren sich dieselben sehr rasch inLeometrischer Reihe durch eine große Zahl von Generationen, und es können in einemja in einigen Stunden aus einem einzigen Individuum Millionen hervorgehen.Andererseits beruht dies auf der Abhängigkeit des Erscheinens und Gedeihens dieserOrganismen von gewissen äußern, oft unbestimmbaren Einflüssen, welche ihre Ver-'elfältigung in kürzester Zeit ins Unglaubliche steigern, während eine Veränderung^"selben oft mir einem Schlage alle Generationen vernichtet. Die Art der Far-""g hängt natürlich von der Farbe ab, welche die einzelnen Organismen besitzen: sind"selben farblos, so erscheinen sie in Masse bei reflectirtem Lichte weiß; daher schci-eu die gallertartigen Noctilucen das Meer auf weite Strecken in Milch zu verwan-Am gewöhnlichsten ist namentlich unter den mikroskopischen Pflänzchen dieU'" ^rbung durch Chlorophyll. Da derselbe Farbstoff sich auch bei zahlreicheneoskopischeu Thierchen aus der Classe der Infusorien findet, so können Thiere und