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Die mikroskopische Welt.
Pflanzen gleichmäßig zur Färbung grünen Wassers wie zur Erzeugung grüner Über-züge auf Steinen, Bäumen u. s. w. beitragen.
Stellt man ein Glas mit Wasser anS Sonnenlicht, so erzeugt sich nach einigerZeit an der dem Fenster zugewendete» Seite und am Boden des Gefäßes ein freu-diggrüncr Überzug, von dem an allen Punkten eine lebhafte Sauerstoffentwickelungausgeht. Es sind der Sauerstoffblascn so viele, daß man sie in einem mit Wassergefüllten Reagenzgläschen auffangen und dann die bekannten glänzenden Vcrbren-nungsexperimente damit anstellen kann; es ist dies die einfachste Art, sich den Sauer-stoff darzustellen- Die grünen Überzüge sind unter der Bezeichnung der Prirstley'-scheu Materie bekannt, von dem Namen eines berühmten englischen Chemikers-Man hielt diese Materie anfänglich für etwas Unorganisches, das sich aus dem Was-ser absetze, wie man ähnliche Färbungen auf dem Grunde der Quellen und Brun-nen unter dem Namen des Qucllenschleims noch in jüngster Zeit für ein chemischesProdukt des Wassers ansah. Als man aber erkannte, daß es mikroskopische Orga-nismen seien, die diese grüne Färbung verursachten, so behauptete man nicht minderWunderbares von diesen Geschöpfen: sie entstünden durch Urzeugung, seien Thiere,die sich in Pflanzen, oder Pflanzen, die sich in Thiere verwandeln können; ja »raswollte aus den Körpcrchcn der Priestley'schen Materie gleichzeitig Rädcrthicre, Jn-fusoricn, Konserven, Moose und Schimmel sich entwickeln sehen. Der Grund dieserwunderbaren Angaben beruht in der Zusammensetzung der Priestley'schen MaterieDiese besteht nämlich aus den Keimen der verschiedensten mikroskopischen Organismen-die durch den Staub ins Wasser fallen, oder schon von Anfang an darin vorha»'den waren, und sich mit Vorliebe auf der am hellsten beleuchteten Seite des Glasesversammeln, an der sie sich rasch und reichlich vermehren. Confervensporcn wachst"hier zu Fäden aus, Euglencncysten theilen sich vielfach, auch kleine Protococcusk»'gcl», Desmidieen (806»0Ü68I»,I8) und Bacillarien vermehre» sich inS Unendliche; zalß'reiche Infusorien und Räderthicre nisten dazwischen; ein reiches mannichfaltigeS Le-ben webt in diesen scheinbar gleichförmigen, gestaltlosen, grünen Überzügen.
In Gräben und Seen entsteht die grüne Farbe ebenfalls durch Infusorien undAlgen, die sich unter günstigen Umständen in zahllosen Schwärmen auf der Ober'fläche des Wassers ansammeln. Bald sind es grüne Schönaugcn (Euglenen), ba^Hüllcnkugeln (Chlamydomonas), die das Wasser mit lichtgrüner Schicht bedeckstwährend Palmellen, Oscillaricn und Nostochinen ihm eine blau- oder spangrüne F""'bung verleihen. Ihre Scharen sind so dicht, daß das Wasser von ihnen die C»nsi'stenz eines dicken Kleisters annehmen kann, besonders wenn im Sonnenschein ^Myriaden alle, die den See bewohnen, sich an der Oberfläche versammeln; man ^dann, das Wasser blüht. Eine Palmelle sammelt sich auf der Oberfläche der Tc>Hin so dicken Schichten, daß die Fische davon absterben, sodaß sie den Name« ^Fischtödters erhalten hat (Kicruo^slw lolltir^oiilalw). Auch dar Meer blüht oft ^Hunderte von Meile», wenn grüne Oscillarienfäden in zahllosen Mengen aufschwimmen.
Übrigens verdankt nicht alles grüne Wasser seine Farbe mikroskopischen Drß"nismcn; wo diese sich entwickelt haben, wird das Wasser zugleich trübe und udurchsichtig; man sieht deutlich, daß ein grüner Farbstoff in demselben suspendirs 'Aber auch ganz klares Wasser erscheint oft grün, und zwar so prächtig und t>e> Sfärbt, daß es an lichter» Stellen mit dem Smaragd, an dunkler» mit demwetteifert, wie das z. B. im herrlichen Königesee bei Berchtesgaden der „FüllMehr oder minder grün ist alles klare Gebirgswasscr, die Ströme,
Seen der Alpen, und selbst in der Ebene zeigt die Farbe der Flüsse undim Frühling unmittelbar „ach dem Aufthauc» ein auffallend reines Grün,auch im übrigen Jahre nur schmuziggelb oder schwarz erscheinen sollte. .
Grün des Wassers ist demselben ebenso eigenthümlich wie daS wundcrvou ^
marin und Sapphirblau, das andere Alpenbäche und Seen, am schönsten ^
Gardasee, sowie der Ocean zeigen. Nach Bansen ist die Farbe des klaren